Normkonform und doch gefährlich: MP3-Player

Schönes Design, immense Musikauswahl, hohe Klangqualität, lange Betriebsdauer - dies sind die positiven Eigenschaften der neuen MP3-Player (iPod, iRiver, Creative Zen usw.). Wenn nur eines nicht wäre: die hohen Schallpegeln in den Ohrhörern. Die Suva hat 2006 eigene Messungen an MP3-Playern durchgeführt: Mit einem Messkunstkopf und der auf den Geräten gespeicherten Musik wurden die Schallpegel gemessen, die bei maximaler Lautstärkeeinstellung auf die Ohren der Benutzer einwirken können.
Das waren die Resultate:
- Maximalpegel-Werte von 103 - 109 dB(A) bei Verwendung der Original-Ohrhörer.
- Auch bei voller Lautstärke und über 105 dB(A) bleibt der Klang unverzerrt.
- Dauerschallpegel-Werte von 95 - 103 dB(A): Das entspricht dem Schallpegel einer Motorkettensäge oder eines Presslufthammers. Musik mit einem Dauerschallpegel von 100 dB(A) darf dem Gehör wöchentlich nur während 2 Stunden zugemutet werden!
- Besonders heikel fürs Gehör wird es, wenn ein MP3-Player, statt mit den Originalhörern mit anderen, lauteren Ohrhörern verwendet wird. In diesem Fall wurden Maximalpegel von 116 dB(A) und ein Dauerschallpegel von 109 dB(A) gemessen.
Überschreiten diese Geräte den Grenzwert von 100 dB(A)?
Nein, die überwiegende Mehrzahl der geprüften Geräte hielt den Grenzwert von 100 dB(A) nach Euronorm 50332 ein.
Wieso sind dann so hohe Musikschallpegel möglich?
Die Norm verwendet ein standardisiertes Testgeräusch der Elektroakustik (musiksimulierendes Rauschen). Sie geht davon aus, dass der Dauerschallpegel von Musik rund 10 dB(A) unter dem Pegel des Testgeräusches liegt; also bei knapp hörverträglichen 90 dB(A). Aktuelle Musik wird aber so aufbereitet, dass sie möglichst laut wirkt und die digitale Aufzeichnung voll ausnützt. So erreicht diese Musik höhere Dauerschallpegel als das Testgeräusch, nämlich gefährliche 100 dB(A) oder mehr. Hier einige Beispiele:
| Prüfsignal | Jahr | mit Original-Ohrhörer | mit "Power"- Ohrhörer |
| IEC 60268-1: Testgeräusch | 1985 | 99 | 107 |
| Robbie Williams: "Tripping" | 2005 | 104 | 110 |
| Tokio Hotel: "Schrei" | 2005 | 105 | 111 |
| Dire Straits: "So far away" | 1985 | 91 | 98 |
Umso wichtiger ist also, die Maximallautstärke der Geräte höchstens für kurze Zeit auszunützen.
