Ab sofort 60 Prozent tödliche Berufsunfälle vermeiden

Ab sofort 60 Prozent tödliche Berufsunfälle vermeiden

Luzern, 18. August 2015

Eine neue Detailanalyse der Berufsunfallzahlen von Versicherten der Suva zeigt: Werden die vom grössten Unfallversicherer erarbeiteten «Lebenswichtigen Regeln» eingehalten, können rund 60 Prozent der tödlich endenden Berufsunfälle in der Schweiz vermieden werden. Die «Vision 250 Leben» ist somit realisierbar: Durch dieses Präventionsprogramm sollen bis ins Jahr 2020 rund 250 Leben bewahrt werden, auch wenn die Anzahl tödlicher Berufsunfälle aktuell stagniert.

Jährlich verunfallen rund 180 000 Versicherte der Suva bei der Arbeit. Das entspricht rund 100 Berufsunfällen pro Stunde an einem typischen Arbeitstag. Besonders tragisch sind dabei diejenigen Arbeitsunfälle, bei denen Menschen ihr Leben verlieren. In den vergangenen zehn Jahren sind jährlich rund 80 Arbeitnehmende an den Folgen eines Berufsunfalls gestorben. Das will die Suva nicht länger hinnehmen. Aus diesem Grund lancierte sie im Jahr 2010 das Präventionsprogramm «Vision 250 Leben». Ziel ist es, zwischen 2010 und 2020 die Anzahl tödlicher Berufsunfälle zu halbieren. Der Kampagnenstart erfolgte vor fünf Jahren – Zeit für eine Zwischenbilanz: Fakt ist, dass die Berufsunfallzahlen kontinuierlich sinken, aber bei der Anzahl tödlicher Berufsunfälle noch keine signifikante Veränderung erkennbar ist. «Das wundert uns nur bedingt», sagt André Meier, Abteilungsleiter Arbeitssicherheit bei der Suva. Gründe dafür nennt er mehrere: Zeitdruck, andere Prioritäten und die fehlende Systematik in der Instruktion von Sicherheitsregeln führten immer wieder zu Berufsunfällen. «Um die Anzahl tödlicher Berufsunfälle bis 2020 zu halbieren, müssen wir uns jetzt doppelt anstrengen», sagt Meier.

«Lebenswichtige Regeln»: ohne Instruktion keine Wirkung

Die Suva setzt bei der Umsetzung der «Vision 250 Leben» auf die «Lebenswichtigen Regeln». Bis Anfang 2015 hat sie für Tätigkeiten mit hohen Risiken in Zusammenarbeit mit den betroffenen Branchen 19 Sets von «Lebenswichtigen Regeln» erstellt. «Wir haben die notwendigen Grundlagen zur Verwirklichung der Vision geschaffen. Die Suva ist nun auf die Hilfe und Unterstützung der Vorgesetzten in den Betrieben angewiesen, damit die Lebenswichtigen Regeln instruiert werden und helfen, Leben zu retten», sagt Edouard Currat, Mitglied der Geschäftsleitung der Suva. Dass die «Lebenswichtigen Regeln» Leben retten können, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Analyse der tödlichen Berufsunfälle seit Kampagnenstart:

Bei 60 Prozent (drei von fünf) aller tödlich verlaufenen Berufsunfälle der letzten fünf Jahre von Versicherten der Suva wurde eine lebenswichtige Regel missachtet. Zählt man die Unfälle im Strassenverkehr nicht mit, wurde gar bei 72 Prozent (drei von vier) der tödlich verlaufenen Berufsunfälle eine lebenswichtige Regel verletzt. Fazit: Werden die «Lebenswichtigen Regeln» eingehalten, ist die «Vision 250 Leben» realisierbar – und menschliches Leid lässt sich verhindern.

Einfach, plausibel und sofort umsetzbar

«Wir sichern Absturzkanten ab einer Absturzhöhe von 2 Metern», lautet beispielsweise die erste lebenswichtige Regel für den Hochbau. Jede Regel für sich ist einfach zu erfüllen, aber man muss daran denken und die Regeln verinnerlichen. «Bei der Erarbeitung der Lebenswichtigen Regeln haben wir die betroffenen Verbände und Gewerkschaften aktiv miteinbezogen. Nur so gelang es uns, aus den Unfall- und Risikoschwerpunkten einfache und plausible Sicherheitsregeln für Arbeitgebende und Arbeitnehmende abzuleiten», sagt André Meier. Werden diese Regeln verletzt, gilt für alle Vorgesetzten und Mitarbeitenden: STOPP! Die Arbeit kann erst weitergeführt werden, wenn die Gefahr behoben ist.

Sicheres Verhalten fest verankern

Um die STOPP-Botschaft fest in den Betrieben zu verankern, hat die Suva in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern vor rund vier Jahren die Sicherheits-Charta lanciert. Verbände, Unternehmen und Organisationen, die die Sicherheits-Charta unterschreiben, bekennen sich öffentlich, für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen und die «Lebenswichtigen Regeln» der Suva strikt einzuhalten. Bis heute haben rund 1250 Mitglieder die Sicherheits-Charta unterschrieben, darunter die Geschäftsleitung von SR Technics, die weltweit technische Lösungen für Fluggesellschaften anbietet. Dass die STOPP-Botschaft in der Praxis funktioniert, erläutert Sara Juraschka, Head of Occupational Safety, Health & Environment bei SR Technics, im Rahmen der Medienkonferenz der Suva vom 18. August 2015. «Mit der firmenweiten Verankerung der STOPP-Botschaft im Jahr 2011 konnten wir die Anzahl aller Unfälle weltweit um 14 Prozent reduzieren. Dieser Erfolg war nur möglich, weil die gesamte Geschäftsleitung sowie sämtliche Führungspersonen hinter dem Grundsatz stehen, bei Gefahr STOPP zu sagen und erst weiterzuarbeiten, wenn die Gefahr behoben ist», sagt Sara Juraschka.

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Unter www.photopress.ch(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet)  sind ab 14 Uhr ein Newsvideo und Bilder zur Medienkonferenz abrufbar (beides frei zur Publikation).

Die «Lebenswichtigen Regeln» und weitere Informationen: www.suva.ch/regeln

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Serkan Isik, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 56 23, serkan.isik@suva.ch(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet)

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 4100 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 123 000 Unternehmen bzw. 1,97 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.