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Sichere Arbeitsgerüste

"Sichere Arbeitsgerüste" heisst die Antwort der Suva auf die hohe Zahl der Unfälle. Ziel der Kampagne ist es, die Anzahl der Unfälle um 20 % zu senken, was gleichzeitig auch eine Reduktion der Unfallkosten zur Folge hat. Ein zentrales Element der Kampagne sind die Gerüstkontrollen durch die Arbeitssicherheitsspezialisten des Bereichs Bau der Suva. Hinter der Kampagne - sie wurde im Januar 2007 offiziell gestartet - stehen auch der Schweizerische Gerüstbau-Unternehmer-Verband (SGUV) und weitere Branchenverbände.
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Studien zum Thema
Arbeitssystem und Belastungsempfinden im Gerüstbau
Eine arbeitswissenschaftliche Analyse in Gerüstbauunternehmen und Subunternehmen
Masterarbeit von Elke Tomforde Schöni (548 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.)
NoStress – die Bauarbeiter haben das Wort
Die Gewerkschaft Unia hat die Ergebnisse ihrer breit angelegten Studie zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf dem Bau präsentiert. Befragt wurden 1466 Arbeitnehmende, der Fragebogen stand in sieben Sprachen zur Verfügung. Dies dürfte die bisher grösste in der Schweiz durchgeführte Umfrage zu diesem Thema sein.
Die Antworten der Befragten zeigen, dass die Baugerüste durchaus als potenzielle Quelle für Arbeitsunfälle wahrgenommen werden. Unter den sechs am häufigsten genannten Unfallrisiken ist mit 12 Prozent der Nennungen das Arbeitsgerüst prominent vertreten. Die anderen fünf genannten Risiken sind: Stolpergefahr, ungenügendes Notfallkonzept, ungeeignete Leitern, Absturzgefahr und das Alleine-Ausführen-Müssen von Arbeiten.
Ursachenforschung
Welches sind die Ursachen der Risiken und Belastungen aus Sicht der Arbeitnehmenden?
Erfragt wurden die im Folgenden aufgeführten sechs Risikofaktoren. Aus den Antworten hat Unia folgende Schlüsse gezogen:
- Arbeitsorganisation und Planung
Mangelnde Planung trägt wesentlich zu den Unfallrisiken und Gesundheitsbelastungen bei. Planungsmängel und ihre Auswirkungen führen zu einer massiv erhöhten Stressbelastung der Bauarbeiter. - Mitwirkung der Arbeitnehmenden
Nach Meinung der Gewerkschaft Unia braucht es neue Instrumente, welche die Rolle der Bauarbeiter aufwerten und die Arbeitnehmenden an der Planung der eigenen Sicherheit und Gesundheit teilhaben lassen. - Instruktion
Hier ist es gemäss Studie am leichtesten, den Hebel anzusetzen, da zahlreiche Instrumente und Module bereits vorhanden sind. Deren Anwendung sei vor allem eine Frage des Willens seitens der Arbeitgeber wie auch der Fähigkeit der Vorgesetzten bezüglich Wissenstransfer (Weiterbildung nötig). - Arbeitsmittel / Schutzausrüstung
In diesem Punkt kann mit bekannten Massnahmen und vorhandenen Mitteln Abhilfe geschaffen werden, sofern alle (Arbeitgeber und Arbeitnehmende) mitmachen. Wesentlich wäre z.B. die systematische Mitwirkung der Arbeitnehmenden bei der Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung. - Gesetzesvollzug
Die Vertreter der Durchführungsorgane seien anzuhalten, im Rahmen ihrer Kontrolltätigkeit den Einbezug der Arbeitnehmenden konsequent zu überprüfen und nötigenfalls durchzusetzen. - Arbeitsbedingungen/Arbeitsplatzsicherheit
Die Verunsicherung bezüglich der Arbeitplatzsicherheit und die damit einhergehenden Veränderungen der Arbeitsbedingungen sind gemäss der Unia-Studie eine wichtige Ursache für gesundheitliche Probleme und Unfallrisiken. Besonderes Augenmerk sei auf die zeitlichen Vorgaben und auf Regelungen bezüglich der Temporärangestellten und Unterakkordanten zu richten.
"Die Antworten der Befragten zeigen, dass die Baugerüste durchaus als potenzielle Quelle für Arbeitsunfälle wahrgenommen werden."
Härtere Arbeitsbedingungen, geringere Arbeitsplatzsicherheit
Was aufgrund von Beobachtungen und Einschätzungen seitens der Gewerkschaft Unia stets angenommen wurde, erfuhr in der Umfrage eine Bestätigung:
Die Arbeitsbedingungen auf dem Bau sind härter geworden. Zur physischen Belastung durch die harte körperliche Arbeit während eines langen Arbeitstages sind Zeit- und Termindruck hinzugekommen. Schliesslich ist auch der zunehmend hohe Anteil an Temporären und Unterakkordanten zu erwähnen, die vom Stammpersonal oft eher als Last denn als Hilfe empfunden werden. Die Zunahme des Zeitdrucks wird auch anhand der Produktivitätssteigerung im Baugewerbe deutlich. Diese betrug zwischen 2002 und 2006 eindrückliche 15 Prozent.
Risikowahrnehmung
37 Prozent der Befragten gaben an, den einzelnen Risiken "manchmal" ausgesetzt zu sein, knapp 11 Prozent von ihnen fühlten sich den Risiken sogar "oft" oder "immer" ausgesetzt. Nur gerade 52 Prozent der Befragten waren der Ansicht, "nie" einem Unfallrisiko auf dem Bau ausgesetzt zu sein.Die Arbeitnehmenden bemängeln in diesem Zusammenhang zu wenige Diskussionen und ungenügende Informationen und identifizieren auch gleich die Gründe für diese Versäumnisse, nämlich Stress, Arbeitstempo und Zeitmangel. Übrigens gehört beim Wunsch nach mehr Information und Ausbildung die Gerüstsicherheit zu den meistgenannten Themen, zusammen mit acht anderen wie Lärm, giftige Stoffe oder erste Hilfe.
Handlungsbedarf
Aufgrund der Aussagen der direkt Betroffenen lässt sich gemäss Unia ein klarer Handlungsbedarf bezüglich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ableiten. Dies wird umso deutlicher, wenn man die Prozentzahlen den absoluten Zahlen der Betroffenen gegenüberstellt. Wenn 27,5 Prozent der Befragten die Gesundheitsbelastungen auf der Baustelle als beträchtliches Problem empfinden, so entspricht dies mehr als 20’000 Beschäftigten allein im Bauhauptgewerbe und vermutlich über 50’000 Beschäftigten in der ganzen Baubranche. Dass die Zahl der Berufsunfälle im Baugewerbe in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken ist, ist erfreulich, meint die Studie. Dies dürfe aber nicht über den gebotenen Handlungsbedarf hinwegtäuschen. Denn jährlich 185 berufsbedingte Unfälle und Erkrankungen pro 1’000 Vollbeschäftigte seien noch immer zu viel. Deutlich zu viel.