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Unterschätze nie die Gefahren bei der Waldarbeit.
Kampagnen
Unterschätze nie die Gefahren bei der Waldarbeit.

Die Forstwirtschaft zählt nach wie vor zu den unfallträchtigsten Branchen in der Schweiz. Unfallschwerpunkt Nummer eins ist das Fällen von Bäumen. Allein zwischen November 2008 und Februar 2009 verunfallten 6 Mitarbeitende von Suva-versicherten Forstbetrieben tödlich. Die Suva und ihre Partner aus der betroffenen Branche lassen nichts unversucht, tödliche und schwere Unfälle zu vermeiden – mit der Sensibilisierungskampagne "Risikoverhalten Forst".
Ziele der Kampagne
- Schwere der Berufsunfälle in den Forstbetrieben wesentlich vermindern und Häufigkeit um 25 Prozent senken
- Häufigkeit der Unfälle beim Fällen von Bäumen halbieren
- Lernende sollen nicht häufiger verunfallen als ihre älteren Kollegen
Kampagne setzt auf drei Ebenen an:
- Aufsicht verstärken und Sicherheitsregeln durchsetzen
- Für sicheres Verhalten sensibilisieren
- Grundausbildung der Forstwarte optimieren
Unfallgeschehen in den Forstbetrieben
Das Unfallgeschehen in den Forstbetrieben entwickelte sich über mehrere Jahre hinweg positiv. In den Jahren 2004 bis 2007 nahm die Unfallhäufigkeit jedoch wieder signifikant zu und verharrt nun bei rund 300 Berufsunfällen pro 1000 Vollbeschäftigte (siehe Abbildung).
Berufsunfälle pro 1000 Vollbeschäftigte in Suva-versicherten Forstbetrieben (Klasse 42B) in den Jahren 1975 bis 2009.

Unfallschwerpunkt Nummer eins: das Fällen von Bäumen
Eine Analyse von 433 Berufsunfällen im Jahr 2003 ergab Folgendes:
- Das Fällen von Bäumen ist Unfallschwerpunkt Nummer eins.
- Fast jeder zweite Lernende verunfallte im betreffenden Jahr.
Bezüglich Unfallart gibt es keine Unterschiede zwischen den Unfällen der Lernenden und denjenigen ihrer älteren Kollegen im Betrieb. - Neue Mitarbeitende verunfallen viel häufiger als solche, die schon mehr als zwei Jahre im Betrieb sind.
Bei den Zentralkursen von Waldwirtschaft Schweiz WVS und den Lehrmeistertagungen der Kantone Zürich und Thurgau wurden die Teilnehmenden 2006 gezielt zu den Unfallursachen befragt. Aus den Rückmeldungen konnten drei Ansätze für Präventionsmassnahmen abgeleitet werden:
- Sicherheitsregeln durchsetzen
Die Vorgaben des betrieblichen Sicherheitskonzepts und die bekannten Sicherheitsregeln sind von den Beteiligten über alle Hierarchiestufen hinweg kompromisslos um- und durchzusetzen. - Verhalten beeinflussen
Das risikogerechte Verhalten der arbeitenden Menschen muss nachhaltig gefördert werden. Nebst dem Durchsetzen der elementaren Grundregeln sind sowohl das Sicherheitsbewusstsein des Einzelnen als auch die Sicherheitskultur in den Betrieben zu verbessern. - Grundausbildung der Forstwarte optimieren
Angesichts der kleinbetrieblichen Strukturen der Branche und der laufenden Veränderungen bei den Arbeitsverfahren müssen für die Grundausbildung neue, innovative Lösungen entwickelt werden.
Auf dieser Basis hat die Suva zusammen mit den Partnern aus der Forstwirtschaft ein ganzes Paket von Massnahmen initiiert und entwickelt, die nun in die Kampagne "Risikoverhalten Forst" integriert werden.
Massnahmen der Kampagne "Risikoverhalten Forst"
Aufsicht verstärken und Sicherheitsregeln durchsetzen
Die Suva unterstützt Arbeitgeber und Vorgesetzte mit vermehrten Kontrollen. Einerseits führen von der Suva ausgewählte und geschulte Holzerntespezialisten in der Saison 2009/2010 rund 500 Arbeitsplatzkontrollen im Holzschlag (61 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.) durch. Andererseits überprüfen die Sicherheitsspezialisten der Suva bis 2011 in allen Ausbildungsbetrieben das betriebliche Sicherheitskonzept (239 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.). Unfälle beim Fällen von Bäumen werden gezielt abgeklärt.
Bei der Überprüfung des betrieblichen Sicherheitskonzepts wird der Einsatz der Hilfsmittel zur Gefahrenermittlung und Massnahmenplanung thematisiert, beispielsweise die Verwendung der Checkliste "Arbeitsvorbereitung (AVOR)"(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) und die Beschreibungen von Arbeitsverfahren mit den dazugehörenden Gefährdungen und Massnahmen, die speziell auf die Verhältnisse der Betriebe in der Schweiz zugeschnitten sind.
Für sicheres Verhalten sensibilisieren
Zwischen November 2008 und Februar 2009 verunfallten sechs Mitarbeitende von Suva-versicherten Forstbetrieben beim Fällen von Bäumen tödlich. In der Folge lancierte die Suva die Sensibilisierungskampagne "Risikoverhalten Forst".
- 10 Verhaltensregeln für sichere Holzerntearbeiten
Als erste dringliche Massnahme gingen im Februar 2009 "Die 10 wichtigsten Verhaltensregeln für Fällarbeiten" an sämtliche Betriebe. Die viel diskutierten Regeln(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) wurden im Mai 2009 an einem "Runden Tisch" mit Branchenvertretern bereinigt und werden nun den Betrieben und Mitarbeitenden immer wieder in Erinnerung gerufen. - "Der Rückzugsort – meine Lebensversicherung"
Ein Schwerpunkt der Kampagne ist der sichere Rückzugsort nach dem Zu-Fall-Bringen des Baums. Im Zentrum steht ein rotes Tuch(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) – ein praktisches Hilfsmittel für das Markieren des Rückzugsorts. Der Kurzfilm "Der Rückzugsort – meine Lebensversicherung" weist eindrücklich auf den Missstand hin, dass der Rückzugsort nicht konsequent genug aufgesucht wird. - Unfallbeispiele
Eine weitere Kommunikationsmassnahme sind Unfallbeispiele, die den Betrieben in regelmässigen Abständen zugestellt werden: - Auszeichnung von Lernenden
An der Forstmesse Luzern(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) wurden 40 Lernende ausgezeichnet, die ihre Grundausbildung im Sommer 2009 ohne Berufs- und ohne Freizeitunfall abgeschlossen haben. Sie sind der Beweis, dass eine unfallfreie Ausbildungszeit möglich ist.
Grundausbildung der Forstwarte optimieren
- Eignung der Ausbildungsbetriebe
Künftig sollen Ausbildungsbetriebe vertieft auf ihre Eignung hin überprüft werden. Dafür steht eine Kriterienliste in Form eines Auditprotokoll (153 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.) zur Verfügung. Im September 2009 finden Informationstagungen für die kantonalen Berufsbildungsämter statt. - Anforderungsprofil für Lernende
Eine Arbeitsgruppe der CODOC hat im Zusammenhang mit dem Berufswahlpraktikum ein Anforderungsprofil für Lernende (62 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.) entwickelt. Damit soll erreicht werden, dass weniger ungeeignete Personen die Grundausbildung zum Forstwart beginnen. - Ausbilden im Lehrbetriebsverbund
Damit der Bedarf an ausgebildeten forstlichen Arbeitskräften auch in Zukunft gedeckt werden kann, braucht es ein entsprechendes Lehrstellenangebot. Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht den zahlreichen Kleinbetrieben die Zusammenarbeit in Lehrbetriebsverbünden. Dazu steht ihnen das Dossier "Ausbilden im Lehrbetriebsverbund – Dokumentation für forstliche Lehrbetriebe" mit Vorlagen und Beispielen zur Verfügung. - Aufgaben und Zuständigkeiten in forstlichen Lehrbetrieben
Um im Betrieb eine zielführende Betreuung der Lernenden sicherzustellen, wurde das Merkblatt "Aufgaben und Zuständigkeiten in forstlichen Lehrbetrieben" (67 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.) erarbeitet. Damit soll die Rolle des Berufsbildners im Betrieb geklärt werden. - FALTI: ein Hilfsmittel zur Gefährdungserkennung
Mit FALTI(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) , dem neuen Hilfsmittel zur Gefährdungserkennung (mit Gebrauchsanleitung(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) ), soll das sichere Verhalten des Einzelnen gefördert werden. Die Berufsbildner werden im Rahmen einer Weiterbildung mit der Anwendung von FALTI vertraut gemacht. Diese Weiterbildung wird von der Suva und vom Bildungsfonds Wald unterstützt.
Weitere Informationen
- Unfallgeschehen 2003 und 2008
- Sicherheit in forstlichen Ausbildungsbetrieben
- Mehr Sicherheit beim Fällen
- System-/Arbeitsplatzkontrolle Forst, Bestätigung (239 KB)(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet; Dieses Dokument ist nicht barrierefrei.)
- Gefährdungen bei forstlichen Tätigkeiten – Beurteilung und Dokumentation
- Medienmitteilung
Partner
Die wichtigsten Partner der Suva bei der Kampagne "Risikoverhalten Forst" sind: Waldwirtschaft Schweiz WVS, Verband Schweizerischer Forstunternehmungen VSFU, Verband Schweizer Forstpersonal VSF, Eidgenössische forstliche Ausbildungskommission EFAK, Bundesamt für Umwelt BAFU, Koordination und Dokumentation Bildung Wald CODOC, Bildungsinstitutionen, Betriebe.