Sanitäter beladen den Krankenwagen mit dem Verunfallten.

Kanalisationsgraben wird zur tödlichen Falle

  • Ein Bauarbeiter wird bei der Verlegung eines Kanalisationsrohrs in einem 3 m tiefen senkrechten Graben von sechs Tonnen Erde begraben und stirbt an seinen inneren Verletzungen.
  • Dieser Unfall konnte nur geschehen, weil keinerlei Massnahmen getroffen wurden, um den Graben gegen Einsturz zu sichern.
  • Damit wurde eine lebenswichtige Regel verletzt: «Wir sichern Gräben und Baugruben ab einer Tiefe von 1.5m».

Bauarbeiter von sechs Tonnen Erde verschüttet

Zwei Bauarbeiter haben den Auftrag, ein Kanalisationsrohr für ein Einfamilienhaus zu verlegen. Der eine bedient den Bagger. Der andere hantiert mit der Schaufel im rund drei Meter tiefen Graben.

Die beiden Männer hatten am Morgen vor Arbeitsbeginn zwar einen Riss in der steilen Grabenwand bemerkt. Doch weil die Wand schon eine Nacht lang gehalten hatte, gehen sie davon aus, sie sei stabil.

Dann aber geschieht das Unerwartete: Ein Teil des Erdreichs löst sich plötzlich von der Wand. Dadurch sackt auch der darüber gelagerte Aushub ab und stürzt in den Graben. Der Mann im Graben wird von rund sechs Tonnen Material an die gegenüberliegende Böschung gedrückt. Er erleidet schwerste innere Verletzungen und stirbt noch auf der Unfallstelle.
Skizze eines Grabens mit unterschiedlichen Böschungsneigungen.
Gemäss Bauarbeitenverordnung gelten Grabenböschungen als unsicher, wenn sie steiler sind als 3:1 (bei gut verfestigtem Bodengrund), 2:1 (Boden mässig verfestigt) oder 1:1 (Boden rollig).
Sicherung vernachlässigt
Dieser Unfall konnte nur geschehen, weil keinerlei Massnahmen getroffen wurden, um den Graben gegen Einsturz zu sichern. Das Erdreich am Unglücksort wurde später von Fachleuten als bestenfalls «mässig verfestigt» beurteilt. Die Grabenböschung war für diese Verhältnisse viel zu steil.
Arbeitgeber trägt Verantwortung
Der Unfall führt zu einem Gerichtsverfahren. Der Inhaber des betroffenen Bauunternehmens wird der fahrlässigen Tötung angeklagt und für schuldig befunden. Als Arbeitgeber trägt er die Verantwortung für die Arbeitssicherheit in seinem Betrieb. Weil er es zuliess, dass seine Mitarbeitenden in einem völlig ungesicherten Graben arbeiteten, hat er diese Verantwortung nicht wahrgenommen.
Lebenswichtige Regeln nicht eingehalten

Das Einhalten dieser lebenswichtigen Regel für den Hochbau hätte den Unfall verhindert:

  • Regel 8: Wir sichern Gräben und Baugruben ab einer Tiefe von 1,5 m.

Wird eine lebenswichtige Regel verletzt, heisst es: STOPP, die Arbeit einstellen und die gefährliche Situation beseitigen. Erst dann weiterarbeiten.

So verhindern Sie ähnliche Unfälle

Arbeitgeber und Vorgesetzte
  • Berücksichtigen Sie die Vorschriften bereits bei der Arbeitsvorbereitung (AVOR).
  • Ist der Graben nicht sicher, sagen Sie STOPP und stellen Sie die Arbeiten sofort ein.
  • Überprüfen Sie getroffene Massnahmen und kontrollieren Sie sie laufend. Lassen Sie Mängel sofort beheben.
  • Instruieren Sie die Mitarbeitenden regelmässig und sensibilisieren Sie sie für die Gefahren bei Grabenarbeiten.
  • Tolerieren Sie auf keinen Fall Fehlverhalten von Mitarbeitenden.
Mitarbeitende
  • Sagen Sie STOPP bei fehlenden oder mangelhaften Sicherungsmassnahmen, stellen Sie die Arbeiten ein und informieren Sie sofort die Arbeitskollegen und Vorgesetzten.

Rechtliche Grundlagen

  • Pflichten des Arbeitgebers:
    Verordnung über die Unfallverhütung Art. 6    Information und Anleitung der Arbeitnehmer
    Verordnung über die Unfallverhütung Art. 7    Übertragung von Aufgaben an Arbeitnehmer
    Verordnung über die Unfallverhütung Art. 8    Vorkehren bei Arbeiten mit besonderen Gefahren
  • Bundesgesetz über die Unfallversicherung Art. 82  Pflichten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmer, Allgemeines.