Sanitäter beladen den Krankenwagen mit dem Verunfallten.

Tödlicher Sturz vom Betoniergerüst

  • Zwei Bauarbeiter stürzen von einem Betoniergerüst, als ein Gerüstbrett unter ihren Füssen bricht.
  • Der Unfall konnte passieren, weil das Betoniergerüst erhebliche Sicherheitsmängel aufwies.
  • Das Einhalten einer lebenswichtigen Regel für den Hochbau hätte diesen Unfall verhindert.

Mangelhaftes Gerüstbrett – Bauarbeiter stürzen in die Tiefe

Die beiden Männer sind beim Bau eines Mehrfamilienhauses damit beschäftigt, eine Wand zu betonieren. Sie arbeiten auf einem Betoniergerüst (Konsolgerüst), das aus zwei Brettern besteht und 2,75 m über Boden an der Wandschalung befestigt ist.

Plötzlich bricht eines der Bretter unter dem Gewicht der Männer, und beide stürzen in die Tiefe. Beim Aufprall auf den Betonboden erleidet einer der Bauarbeiter so schwere Kopfverletzungen, dass er noch auf der Unfallstelle stirbt. Der zweite überlebt den Sturz schwer verletzt.
Betoniergerüst mit dem fehlenden Seitenschutz.
Von diesem mangelhaften Betoniergerüst stürzten die beiden Arbeiter auf den Betonboden
Offensichtliche Sicherheitsmängel – aber niemand reagiert
Bereits beim Montieren des Gerüstbelags hatte der Vorarbeiter bemerkt, dass aus einem der Bretter eine grosse Aussparung weggesägt worden war bei einem früheren Einsatz. An dieser Stelle war das Brett weniger als halb so breit wie im Originalzustand. So konnte das Holz der Belastung unmöglich standhalten.

Trotz diesem offensichtlichen Mangel wurden mit den Arbeiten auf dem Betoniergerüst begonnen. Ein fataler Fehler, den ein Bauarbeiter mit dem Leben bezahlt. Fünf Minuten hätten genügt, um das Gerüstbrett auszuwechseln.

Das Betoniergerüst wies noch weitere grobe Sicherheitsmängel auf:

  • Die Wandschalung war nicht mit systemkompatiblen Richtstützen, sondern mit Deckenspriessen gehalten.
  • Der Seitenschutz, der bei dieser Höhe erforderlich ist, fehlte komplett.
Das gebrochene Gerüstbrett mit der verhängnisvollen Aussparung.
Das gebrochene Gerüstbrett (Breite 28 cm) mit der verhängnisvollen Aussparung (12x16 cm).
Korrekt gesichertes Betoniergerüst
Wandschalung mit einem korrekten mängelfreien Betoniergerüst.
Lebenswichtige Regeln nicht eingehalten

Das Einhalten dieser lebenswichtigen Regeln für den Hochbau hätte diesen Unfall verhindert:

  • Regel 1: Wir sichern Absturzkanten ab einer Absturzhöhe von zwei Metern.
  • Regel 5: Wir benutzen nur sichere Gerüste und kontrollieren diese täglich

Wird eine lebenswichtige Regel verletzt, heisst es: STOPP, die Arbeit einstellen und die Gefahr beseitigen. Erst dann weiterarbeiten.

So verhindern Sie ähnliche Unfälle

Arbeitgeber und Vorgesetzte
  • Stellen Sie die Arbeiten unverzüglich ein, wenn Sie Sicherheitsmängel feststellen und lassen Sie diese beheben.
  • Bringen Sie ab einer Absturzhöhe von zwei Metern immer einen dreiteiligen Seitenschutz an (Geländerholm, Zwischenholm, Bordbrett).
  • Prüfen Sie das Gerüstmaterial laufend und halten Sie es instand. Entsorgen Sie defektes Material.
  • Instruieren Sie Mitarbeitende über die Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Gerüsten.
  • Kontrollieren Sie das Einhalten der Vorschriften und setzen Sie die Vorschriften durch.
Mitarbeitende
  • Betreten Sie nie unsichere Gerüste. Beheben Sie zuerst die Mängel oder melden Sie diese Ihrem Vorgesetzten. Warnen Sie Ihre Arbeitskollegen.
  • Kontrollieren Sie Gerüste von Auge auf Sicherheitsmängel (Gerüstbeläge, Seitenschutz usw.). Arbeiten Sie erst weiter, wenn allfällige Mängel behoben sind.
  • Verwenden Sie nur unbeschädigte Bestandteile für den Gerüstbau.
  • Arbeiten Sie ab einer Absturzhöhe von zwei Metern nie ohne Seitenschutz.

Rechtliche Grundlagen

  • Bauarbeitenverordnung Art. 49  Benützung und Unterhalt von Gerüsten
  • Bauarbeitenverordnung Art. 37  Trag- und Widerstandsfähigkeit von Gerüsten
  • Bauarbeitenverordnung Art. 15  Seitenschutz
  • Verordnung über die Unfallverhütung Art. 25  Belastbarkeit von Arbeitsmitteln