Bereichstrenner Strahlenschutz

Dichtheitsprüfung von geschlossenen Strahlungsquellen

  • Geschlossene radioaktive Quellen müssen regelmässig auf ihre Dichtheit geprüft werden.
  • Art und Häufigkeit der Dichtheitsprüfung hängen von der Bauart, der Beanspruchung und dem Inhalt der radioaktiven Quelle ab.
  • Beachten Sie die Sofortmassnahmen bei einer undichten Strahlungsquelle.

Dies ist eine Hilfestellung für die Dichtheitsprüfungen an bewilligungspflichtigen, geschlossenen, radioaktiven Strahlungsquellen während ihrer Verwendung oder Lagerung. Darunter fallen vorgeschriebene, periodisch wiederkehrende Prüfungen sowie Prüfungen nach einer übermässigen Beanspruchung oder bei Verdacht auf Undichtheit der Hülle. Dies hilft Ihnen, ein Prüfverfahren einzuleiten, um geschlossene, radioaktive Strahlungsquellen selbstständig auf ihre Dichtheit hin zu kontrollieren und im Falle der Undichtheit Schutzmassnahmen zu veranlassen, damit keine Personen durch austretende radioaktive Stoffe gefährdet werden.

Verordnung des EDI über den Umgang mit radioaktivem Material (UraM)

Gemäss Art. 66  der Verordnung des EDI über den Umgang mit radioaktivem Material (UraM) müssen geschlossene radioaktive Quellen mindestens jährlich mit geeigneten Methoden auf ihren Zustand und ihre Dichtheit überprüft werden. Die Aufsichtsbehörde kann für besondere technische oder betriebliche Verhältnisse ein längeres Prüfintervall zulassen, wenn der Strahlenschutz gewährleistet wird.

Für die in Ihrem Betrieb eingesetzten Strahlungsquellen richtet sich das Prüfintervall nach der folgenden Tabelle. Falls Ihre Anwendung nicht aufgeführt ist und nach Ihrer Ansicht ein mindestens jährliches Prüfintervall unverhältnis-mässig wäre, kann das Prüfintervall individuell durch Ihre Aufsichtsperson festgelegt und in den Auflagen Ihrer Bewilligung festgehalten werden. Die Festlegung basiert u. a. auf dem Gefahrenpotenzial des radioaktiven Stoffes selbst und der Beschaffenheit der Umkapselung sowie deren mechanischen und thermischen Belastung. Sollten Unklarheiten über die geltenden Prüfintervalle in Ihrem Betrieb bestehen, wenden Sie sich zur Klärung direkt an Ihre Aufsichts-person oder an den Bereich Strahlenschutz der Suva:

  • Suva, Physik - Strahlenschutz

Anwendung Radionuklid

Prüfintervall (in Jahren)

Bestrahlungseinheit ZfP (Ir-192, Se-75, Co-60)

1

Sterilisationsanlage (Co-60)

0.5

Bodenmesssonde (Am-241, Cs-137)

2

Seilbahn, Förderseilmarkierung (Co-60, Cs-137)

1

ECD (Ni-63)

2

Füllstandsgrenzschalter (Cs-137, < 7 GBq)

5

Füllstandsgrenzschalter (Cs-137, Aktivität ≥ 7 GBq)

2

Füllstandsgrenzschalter (Co-60, Aktivität < 3 GBq)

2

Füllstandsgrenzschalter (Co-60, ≥ 3 GBq)

5

Schichtdickenmessanlage (Sr-90)

2

Schichtdickenmessanlage (Am-241, < 200 GBq)

2

Schichtdickenmessanlage (Am-241, Aktivität ≥ 200 GBq)

1

Röntgenfluoreszenz (Co-57, Cd-109)

5

Kalibrierquelle (Cs-137, < 700 GBq)

2

Vereinfachte Dichtheitsprüfung bei gasförmigen radioaktiven Quellen

Bei gasförmigen, geschlossenen Strahlungsquellen (z. B. Kr-85) macht eine Wischprüfung keinen Sinn, da der Stoff bei Undichtigkeit in die Atmosphäre entweicht und somit durch Abwischen nicht nachgewiesen werden kann. Es erfolgt eine vereinfachte Dichtheitsprüfung über die Funktionskontrolle der Anlage, in welcher die Quelle eingesetzt ist (z. B. in einer Schichtdickenmess-anlage). Bei einer defekten Quellenkapselung funktioniert die Messeinrichtung nach dem Entweichen des radioaktiven Gases nicht mehr.

Sichtprüfung

Befindet sich die Strahlungsquelle in einer Vorrichtung, sind diejenigen Teile in die Sichtprüfung miteinzubeziehen, die dem Schutz des Strahlers dienen (befolgen Sie die Herstellerangaben). Öffnen Sie nicht den Quellenbehälter. Um die Strahlenexposition so gering wie möglich zu halten, ist es ausreichend, wenn Sie die Sichtprüfung auf den Zustand des Behälters und dessen korrekte und/oder intakte Beschriftung begrenzen.

Bei allen übrigen geschlossenen Strahlungsquellen, welche sich nicht in einer Halterung oder Vorrichtung befinden (z. B. Kalibrierquellen, Quellen für Ausbil-dung/Instruktion), nehmen Sie eine Sichtprüfung vor, um festzustellen, ob allfällige Korrosionsstellen und/oder mechanische Schäden wie Risse, Kerben oder Scheuerstellen vorhanden sind. Falls möglich, ist dabei die Gravur der Strahlungsquelle zur späte-ren Identifizierung zu protokollieren. Achten Sie dabei auf eine Begrenzung der Strahlendosis auf das absolute Minimum (as low as reasonably achievable).

Dichtheitsprüfung_Zu prüfende Quelle

Wischprüfung

Achten Sie darauf, dass bei der Entnahme einer Wischprobe an der Strah-lungsquelle selbst deren Justierung nicht beeinträchtigt oder die Kapselung beschädigt wird. Im Zweifelsfall konsultieren Sie die Betriebsanleitung des Herstellers oder des Lieferanten.

In den allermeisten Fällen ist die Strahlungsquelle selbst nicht zugänglich oder es besteht die Gefahr einer Dejustierung der Strahlungsquelle oder einer zu hohen Strahlenexposition für den Prüfer. In diesen Fällen darf die Wischprobe an einer Ersatzprüffläche entnommen werden. Wird die Strahlungsquelle z. B. bei Wartungsarbeiten ausgebaut oder derart freigelegt, dass eine Wischprüfung an der Strahlungsquelle selbst möglich ist, so ist diese so durchzuführen.

Beschreibung der Probeentnahme

Tragen Sie Wegwerfhandschuhe, um der Gefahr einer Kontamination der Hände vorzubeugen. An einer Ersatzprüffläche sind vor allem vorhandene Fugen, möglichst nahe bei der Öffnung zur Strahlungsquelle, sorgfältig auszuwischen. Wenn der Wischtest auf der Strahlungsquelle selbst vorgenommen wird, ist an allen zugänglichen Stellen, insbesondere an allen Schweiss- bzw. Lötnähten und am allenfalls vorhandenen Strahlenaustrittsfenster, sorgfältig mit einem trockenen Wattestäbchen abzuwischen. Achten Sie darauf, dünne Strahlenaustrittsfenster nur mit wenig Druck abzuwischen, um sie nicht zu beschädigen. Die Abwischfläche soll, wenn immer möglich, 100 cm2 betragen. Berühren Sie die Abwischseite des Wattestäbchens weder vor noch nach dem Abwischvorgang (Fremdkontamination vermeiden).

Dichtheitsprüfung_Quelle abwischen

Wird die Probe an ein Labor zu Auswertung gesen-det, so ist die Wischprobe, sicher vor Kontaminationsverschleppung, zu verpacken (z. B. MiniGrip-Säckchen). Achten Sie darauf, dass Datum und Ort der Probenahme genau protokolliert und die Probe entsprechend beschriftet ist.
Für ECD (Elektroneneinfangdetektoren) sind typischerweise Wischproben an drei Ersatzprüf-flächen zu nehmen: Gas-Inlet, Gas-Outlet und Housing.

Dichtheitsprüfung_Wischtest verpacken
Beschreibung der Probemessung (Auswertung)

Sind geeignete Messmittel vorhanden, so kann die Auswertung des Wischtests durch den Betrieb selbst oder bei einem externen Partner erfolgen. Folgende Aktivitäten müssen nachgewiesen werden können:

  • Wischprobe an einer Ersatzfläche: 20 Bq
  • Wischprobe direkt an der Quelle: 200 Bq

Die gewählte Messmethode muss schriftlich festgehalten werden. Insbesondere muss nachgewiesen werden, dass die vorgängig genannten maximalen Nachweisgrenzen erreicht werden können.

Für die Messung in Ihrem Betrieb mit einem Handmessgerät sollten Sie eine Mindestmesszeit von 4 Minuten einhalten. Probenplatz und Mess-geräte in definiertem Abstand zueinander fix installieren. Idealabstand max. 5 mm.
Direktkontakt zwischen Messgerät und Probe vermeiden, Kontaminationsgefahr! Dies gewähr-leistet zwischen Untergrund- und Probenmessung identische Parameter (Messgeometrie). Bestimmen Sie zuerst den Untergrund (Mindestmesszeit: 4 Minuten).

Dichtheitsprüfung_Untergrundmessung

Wischprobe unterlegen und erneut messen. Falls nach Ablauf der Messzeit der Mittelwert im Vergleich zum gemessenen Untergrund nicht merklich erhöht ist, gilt die geschlossene Strahlungsquelle als dicht.

Das Handmessgerät muss folgende Funktion bieten: über die vorgeschriebene Mindestmesszeit einen Mittelwert bilden oder die Impulse summieren. Beispiele für solche Geräte sind Automess AD-k, Automess AD-17 oder S.E.A. CoMo 170. Konsultieren Sie für die Bildung des Mittelwerts (bzw. die Summe) die Bedienungsanleitung des Herstellers.

Dichtheitsprüfung_Wischtestmessung

Wenn Ihr Betrieb keine geeigneten Messgeräte hat, kann die Probenauswertung alternativ von einem den Anforderungen an solche Messungen entsprechenden Labor durchgeführt werden. Die Suva, Bereich Strahlenschutz, berät Sie gerne über mögliche Adressen in der Schweiz.

Wichtig: Dichtheitsprüfungen sind zu protokollieren und auf Verlangen der Aufsichtsbehörde vorzulegen.

Wird eine Undichtheit festgestellt, muss der Bewilligungsinhaber veranlassen, dass die Strahlungsquelle ausser Betrieb genommen und sicher verwahrt wird. Die Suva muss über den Störfall ebenfalls informiert werden.

Wird eine starke Undichtheit mit mehr als dem Hundertfachen der unter dem Kapitel «Durchführung der Dichtheitsprüfung» aufgeführten Grenzwerte festgestellt, ist zusätzlich die Umgebung der Strahlungsquelle bzw. der Anlage sofort abzusperren. Die Absperrung ist so lange aufrecht zu erhalten, bis eine Kontaminationsprüfung und eine allenfalls erforderliche Dekontaminierung erfolgt ist.