Sicherheitsschuhe

Fussschutz Sicherheitsschuhe sind nicht gleich Sicherheitsschuhe

  • Welchen Fussschutz die Mitarbeitenden eines Betriebs benötigen, hängt davon ab, welche Gefahren an ihrem Arbeitsplatz auftreten können.
  • Die Beschaffung und das Tragen der Kosten ist Sache des Arbeitgebers.
  • Sicherheitsschuhe, Schutzschuhe und Berufsschuhe gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen.
  • Bei der Auswahl der richtigen Schuhe sind neben der ausreichenden Schutzwirkung gegen die jeweiligen Gefahren die Benutzerfreundlichkeit und etwaige Beeinträchtigungen oder Belastungen des Trägers bei der Arbeit wichtig.

Erkenntnisse aus der Praxis

Die Auswahl eines geeigneten Fussschutzes richtet sich hauptsächlich nach den voraussehbaren Gefahren und dem Einsatzort. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit. Auf glitschigen Böden ist auf Rutschfestigkeit der Sohlen zu achten, für den Einsatz auf unebenen Böden oder im Gelände braucht es Schuhe, die genügend Halt geben.

Für die Tragmotivation ist von entscheidender Bedeutung, dass die Mitarbeitenden bei der Auswahl geeigneter Schuhe mit einbezogen werden. Die Schuhe müssen nicht nur den erwarteten Belastungen standhalten. Passform, Ergonomie und Tragkomfort sind ebenfalls wichtig. Nicht jeder Schuh passt an jeden Fuss.

Gefährdungen: Wovor schützen Sicherheitsschuhe?

Ein Fussschutz kann ausgelegt sein für:

  • mechanische Gefährdungen wie etwa herabfallende oder rollende Gegenstände, am Boden liegende spitze oder scharfkantige Gegenstände, Nägel, Metallspänen, Scherben oder bei speziellen Arbeiten (z. B. im Forst)
  • thermische Gefährdungen wie etwa Kälte, Hitze, Funkenflug, Flüssigmetall, Schweissperlen oder Dampf
  • chemische Gefährdungen wie etwa Säuren, Laugen, Lösemittel, Treibstoffe, Reinigungsmittel oder Kühlschmierstoffe
  • elektrische Gefährdung durch spannungsführende Arbeitsmittel oder durch Stromschlag bei elektrostatischer Aufladung
  • sonstige Gefährdungen wie Ausrutschen, Stolpern, Umknicken

Welche Arten von Fussschutz gibt es?

Es gibt drei Schuharten mit unterschiedlichen Schutzwirkungen:

  • Sicherheitsschuhe (Kennzeichnung S)
    Schuhe mit Zehenkappen, deren Schutzwirkung gegen Stosseinwirkungen mit einer Prüfenergie von mindestens 200 J und gegen Druck bei einer Druckbeanspruchung von mindestens 15 kN geprüft wird (EN ISO 20345).
  • Schutzschuhe (Kennzeichnung P)
    Schuhe mit Zehenkappen, deren Schutzwirkung gegen mechanische Einwirkungen mit einer Prüfenergie von mindestens 100 J und gegen Druck bei einer Druckbeanspruchung von mindestens 10 kN geprüft wird (EN ISO 20346).
  • Berufsschuhe (Kennzeichnung O)
    Schuhe mit mindestens einem schützenden Bestandteil (z.B. durchtrittsichere Einlage). Zehenkappen müssen nicht vorhanden sein (EN ISO 20347).

(15 kN = wirkende Kraft einer Auflast von 1500 Kg;
200 J = Energiemenge, die frei wird beim Aufprall einer stürzenden Masse von 20 Kg aus 1 m Höhe)

Sicherheitsschuhe, Schutzschuhe und Berufsschuhe gibt es, angepasst an die jeweiligen Gefährdungen, in den unterschiedlichsten Ausführungen.

Für die Schutzwirkung entscheidend sind:

  • die Form des Schuhs
  • seine sicherheitstechnische Ausrüstung
  • die Verwendung geeigneter Werkstoffe
Schwarzer Sicherheitsschuh mit feinem Profil
Sicherheitsschuh mit feinem Profil
Schwarzer Sicherheitsschuh hoch mit grobem Profil
Sicherheitsschuh hoch mit grobem Profil

Welche Kriterien sind bei der Auswahl des Fussschutzes wichtig?

Bei der Auswahl der Schuhe sind die Benutzerfreundlichkeit und etwaige Beeinträchtigungen oder Belastungen des Trägers bei der Arbeit zu berücksichtigen.

Weitere wichtige Kriterien für wirkungsvollen Fussschutz sind:

  • rutschfeste und trittsichere Laufsohle (Material und Profil), abgestimmt auf die Verhältnisse im Arbeitsbereich
  • Passform (Verhältnis der Fussbreite zur Fusslänge, Risthöhe)
  • dem Körpergewicht angepasste Trittdämpfung in der Sohle zur Schonung der Gelenke und des Bewegungsapparates
  • hochwertige Innenausstattung aus Leder oder Textilien für die Bequemlichkeit und ein angenehmes Klima im Schuh (geringe Schweissbildung) – allenfalls ergänzend geeignete Socken tragen
  • Möglichkeit, die Schuhe zu wechseln. Idealerweise stehen den Mitarbeitenden aus hygienischen Gründen zwei Paar Schuhe zur Verfügung, damit sie täglich wechseln können. Besonders nach Arbeiten bei hohen Temperaturen oder nach einer äusseren Nässeeinwirkung ist ein Schuhwechsel empfehlenswert.
  • leichte Pflege

Sicherheitsschuhe haben als Kennzeichnung ein S, Schutzschuhe ein P, Berufsschuhe ein O.

Weitere Eigenschaften wie besondere Schutzwirkungen, Schuhform oder Material sind mit zusätzlichen Symbolen in Form von Ziffern, Buchstaben oder Piktogrammen auf den Schuhen angegeben.

Jeder Sicherheitsschuh muss dauerhaft, zum Beispiel durch Einstanzen oder Prägen, mit folgenden Angaben gekennzeichnet sein:

  • Schuhgrösse
  • Zeichen des Herstellers
  • Typenbezeichnung des Herstellers
  • Jahr und mindestens Quartal der Herstellung
  • Nummer der erfüllten Norm
  • Symbol für die Schutzfunktion und, falls relevant, Ziffer der «Kategorie» (Schutzstufe)
Klassen

Sicherheitsschuhe, Schutzschuhe und Berufsschuhe werden (gemäss EN ISO 20345, 20346 und 20347) in 2 Klassen eingeteilt:

  • Elektrisch leitfähige Schuhe (Kennzeichnung C)
    Diese Schuhe sind erforderlich, wenn eine elektrostatische Aufladung so schnell wie möglich vermindert und abgeleitet werden soll. Voraussetzung ist, dass sich die Gefahr eines elektrischen Schlags durch ein elektrisches Gerät oder spannungsführende Teile vollkommen ausschliessen lässt.
  • Antistatische Schuhe (Kennzeichnung A)
    Diese Schuhe sind erforderlich, wenn eine elektrostatische Aufladung vermindert und abgeleitet werden soll und sich die Gefahr eines elektrischen Schlags durch ein elektrisches Gerät oder spannungsführende Teile nicht vollständig ausschliessen lässt.
  • Elektrisch isolierende Schuhe (Kennzeichnung I)
    Diese Schuhe müssen getragen werden, wenn die Gefahr eines elektrischen Schlags besteht, zum Beispiel durch beschädigte, unter Spannung stehende elektrische Geräte.

Bei Schuhen mit dem Symbol A für antistatische Schuhe, C für leitfähige Schuhe und I für elektrisch isolierende Schuhe muss mit jedem Paar Schuhe ein spezielles Merkblatt mit detaillierten Angaben mitgeliefert werden.

Tabelle mit verschiedenen Angaben zur Schutzwirkung von elektrisch leitfähigen, antistatischen und elektrisch isolierenden Schuhen.
Schutzwirkung von elektrisch leitfähigen, antistatischen und elektrisch isolierenden Schuhen.
Symbol Zusatzanforderung
WR Wasserdichtheit
M Mittelfussschutz
AN Knöchelschutz
WRU Wasserdruchtritt und Wasseraufnahme des Schuhoberteils
CR Schnittfestigkeit des Schuhoberteils
HRO Thermisches Verhalten der Sohle
FO Kraftstoffbeständigkeit der Laufsohle. Nur bei Berufsschuhen. Bei Sicherheits- und Schutzschuhen ist dies eine Grundanforderung
P Durchtrittsicherheit Ein bestimmter Werkstoff für die durchtrittsichere Einlage ist nicht vorgeschrieben. Die Prüfung erfolgt nach EN ISO 20344. Die Einlage darf ohne Zerstörung des Schuhs nicht entfernt werden können.
E Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich
Keine Konstruktion des Schuhoberteils
Keine Profilierte Flächen der Laufsohle, Profiltiefe und Dicke der profilierten Laufsohle
Elektrische Eigenschaften
C Leitfähige Schuhe. Das sind Schuhe, deren elektrischer Durchgangswiderstand bei Messungen nach dem in EN ISO 20344 beschriebenen Verfahren zwischen 102 Ohm und 105 Ohm liegt.
A Antistatische Schuhe. Das sind Schuhe, deren elektrischer Durchgangswiderstand bei Messungen nach dem in EN ISO 20344 beschriebenen Verfahren über 105 Ohm liegt und niedriger oder gleich 109 Ohm ist.
I Elektrisch isolierende Schuhe. Vermerk: Schuhe, die diese Zusatzanforderung erfüllen, sind als Zusatzschutz zu betrachten und ersetzen nicht die primären Massnahmen gegen Elektrisieren.
Beständigkeit gegen widrige Umwelteinflüsse
HI Wärmeisolierung des Sohlenkomplexes
CI Kälteisolierung des Sohlenkomplexes
Rutschhemmung
SRA Rutschhemmung auf Boden aus Keramikfliesen mit NaLS
SRB Rutschhemmung auf Stahlboden mit Glycerol
SRC Erfüllt die Rutschhemmung nach SRA und SRB
Bei welcher Arbeit sind nun tatsächlich welche Sicherheitsschuhe notwendig?

Welcher Sicherheitsschuh benötigt wird, hängt immer davon ab, welche Gefahren an einem Arbeitsplatz auftreten können. Entsprechend gibt es eine Vielzahl verschiedener Sicherheitsschuhe mit unterschiedlichen schützenden Bestandteilen.

Durch Auswählen der bei Ihnen vorkommenden Gefahren filtern Sie auf Sapros , dem Internet-Marktplatz für Sicherheitsprodukte, direkt die für Ihre Bedürfnisse passenden Schuhe heraus.

Worauf muss ich als Arbeitgeber/Vorgesetzter beim Thema Sicherheitsschuhe generell achten?
  • Setzen Sie nur sicherheitskonforme Sicherheitsschuhe (EN 20345) ein.
  • Beziehen Sie die Mitarbeitenden bei Evaluation und Kauf mit ein. Dies fördert die Tragakzeptanz.
  • Bestimmen Sie Verantwortliche für die Beschaffung und regelmässige Überprüfung der Sicherheitsschuhe.
  • Informieren und sensibilisieren Sie die Betroffenen regelmässig für die Gründe, warum Sicherheitsschuhe in Ihrem Betrieb notwendig sind.
  • Instruieren Sie die Mitarbeitenden für die Wartung und Pflege der Sicherheitsschuhe.
  • Kontrollieren Sie regelmässig, ob die Sicherheitsschuhe getragen werden.
Wer muss die Sicherheitsschuhe bezahlen? Wie steht es mit der orthopädischen Anpassung von Sicherheitsschuhen?

Das Gesetz schreibt vor, dass der Arbeitgeber erforderliche Schutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen hat. Wenn Sicherheitsschuhe aufgrund der vorkommenden Gefahren erforderlich sind, gehen die Kosten deshalb immer ganz zu Lasten des Arbeitgebers. Die Suva zahlt keine Beiträge an Sicherheitsschuhe.
Wer die Kosten einer orthopädischen Anpassung aufgrund einer Fussdeformation übernimmt, hängt von der Ursache dieser Deformation ab. Je nach Ursache können unterschiedliche Leistungsträger dafür in Frage kommen (Invalidenversicherung, Krankenkasse, Unfallversicherung). Klären Sie deshalb die Ursache einer Fussdeformation ärztlich ab und nehmen Sie danach Kontakt mit der zuständigen Versicherung auf.

Wie viele Sicherheitsschuhe muss der Arbeitgeber pro Jahr zur Verfügung stellen?

Dies hängt vom Gebrauch, der Abnutzung und der Hygiene ab. Ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet, müssen die Schuhe ersetzt werden. Sind die Schuhe defekt, müssen sie auf jeden Fall ersetzt werden. Wo Sicherheitsschuhe dauernd nasser Umgebung ausgesetzt und durchnässt werden, ist ein zweites Paar zur Verfügung zu stellen.

Muss ich Sicherheitsschuhe auch tragen, wenn ich ein Arztzeugnis habe, das dagegen spricht?

Ein Arztzeugnis entbindet nicht von der Sicherheitsschuh-Tragpflicht. Können Sicherheitsschuhe aufgrund einer vorübergehenden Behinderung nicht getragen werden, so ist ausschliesslich in Bereichen zu arbeiten, in denen das Tragen der Sicherheitsschuhe nicht notwendig ist.

Was, wenn ein Mitarbeiter sich weigert, Sicherheitsschuhe zu tragen?

Wenn alle Motivationsbemühungen scheitern, fehlt eine Voraussetzung für die weitere Beschäftigung des Mitarbeiters. Sofern keine Versetzung an einen Arbeitsplatz ohne Sicherheitsschuh-Tragpflicht möglich ist, ist eine Kündigung unter Umständen unumgänglich.

Darf ich bei der Arbeit auch private robuste Schuhe tragen? Wie steht es mit Sandalen oder Flip-Flops?

Solange am Arbeitsplatz keine Tragpflicht für Sicherheitsschuhe besteht, können natürlich private Schuhe getragen werden. Grundsätzlich entscheidet aber der Arbeitgeber, welche Schuhe bei der Arbeit getragen werden dürfen oder müssen.

Ich finde keine passenden Sicherheitsschuhe für meine besonders breiten oder langen Füsse. Was nun?

Wenden Sie sich an Schuhhersteller oder Lieferanten. Es gibt Hersteller, die Sonderausführungen anbieten oder die Möglichkeit haben, Sonderanfertigungen extra herzustellen.

Was ist der Unterschied zwischen Sicherheitsschuhen und Schutzschuhen? Und was sind Berufsschuhe?

Der Unterschied zwischen Sicherheitsschuhen (Kennzeichnung S, EN 20345) und Schutzschuhen (Kennzeichnung P, EN 20346) liegt bei einem geringeren Schutzniveau der Schutzschuhe für die Zehen (Schutzkappen). Schutzschuhe werden heute praktisch nicht mehr eingesetzt. Berufsschuhe (Kennzeichnung O, EN 20347) weisen gar keinen Zehenschutz auf. Sie besitzen hingegen mindestens einen anderen schützenden Bestandteil (z.B. Durchtrittsicherheit).

Muss ich als Pfleger/Pflegerin ebenfalls Sicherheitsschuhe tragen?

Die Notwendigkeit von Sicherheitsschuhen ergibt sich aus den am Arbeitsplatz vorhandenen Gefahren. Im Umgang mit Patienten kann beispielsweise ein guter Halt bzw. eine gute Rutschfestigkeit gefordert sein. Dem ist mit geeignetem Schuhwerk Rechnung zu tragen.

Normen zum Fussschutz
  • EN ISO 20345: Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe
  • EN ISO 20346: Persönliche Schutzausrüstung – Schutzschuhe
  • EN ISO 20347: Persönliche Schutzausrüstungen
Weiterführende Informationen

Sapros Internet-Markplatz für Sicherheitsprodukte: www.sapros.ch/fussschutz  

Verband Schweizer PSA-Anbieter: www.swiss-safety.ch 

Die Inhalte auf dieser Webseite ersetzen die aufgehobene Publikation «Alles, was Sie über PSA wissen müssen» (Bestell-Nr. 44091.D).