Person mit Schnittschutzhandschuhen bearbeitet mit einem Messer eine Kunststoffkante.

Handschutz, Armschutz und Hautschutz Das Wichtigste über Persönliche Schutzausrüstungen für Arm und Hand

  • Schutzhandschuhe bieten Schutz vor verschiedensten Gefahren. Entsprechend gross ist die Vielfalt der im Handel angebotenen Schutzhandschuhe.
  • Schutzhandschuhe müssen die Schutzanforderungen des jeweiligen Einsatzgebietes erfüllen, und zwar so, dass das höchstmögliche Schutzniveau bei unbehinderter Ausübung der jeweiligen Tätigkeit erreicht wird.
  • Hautschutzmittel sind kein Handschutz und schützen nur vor berufsbedingten Hautkrankheiten.

Erkenntnisse aus der Praxis

Die Hand ist den Gefahren der Arbeit oft am stärksten ausgesetzt. Schutzhandschuhe bieten diesem gleichzeitig so wertvollen Körperteil den notwendigen Schutz in verschiedensten Situationen. So verhindern Sie bei Arbeiten mit schädigenden Stoffen beispielsweise Hautkrankheiten an Händen und Unterarmen, bei Arbeiten mit scharfkantigen oder heissen Gegenständen beugen sie Schnittverletzungen oder Verbrennungen vor.

Schutzhandschuhe können auch fehl am Platz sein

Vorsicht: Bei der Arbeit an Maschinen mit drehenden Spindeln, Spannfuttern oder Walzen wie Bohren, Drehen oder Runden besteht die Gefahr, an den Handschuhen erfasst oder eingezogen zu werden. Das Tragen von Schutzhandschuhen ist bei diesen Arbeiten verboten.

Hautschutzmittel sind kein Ersatz für Handschuhe

Für gewisse Arbeiten sind spezielle Hautschutzmittel in Form von Cremen, Lotionen und Schäumen zweckmässig. Aber Achtung: Schutzcremen können Schutzhandschuhe nicht ersetzen! Schutzcremen bewähren sich nur für Arbeiten mit leichter Verschmutzung, für Feuchtarbeit und bei Einwirkung von UV-Strahlen. Eine gezielte Anwendung erhöht die Wirkung.

Gefährdungen: Wovor schützen Schutzhandschuhe?

Hand- und Armschutzmittel schützen vor:

  • mechanischen Einwirkungen (scharfe, spitze oder scharfkantige Werkstoffe)
  • thermischen Einwirkungen (Flammen, Hitze, Kälte)
  • chemischen und biologischen Einwirkungen (giftige, infektiöse, ätzende oder reizende Arbeitsstoffe)
  • Strahlungseinwirkungen
  • Einwirken von Schmutz
  • Einwirken elektrischer Energie
Fausthandschuhe
Fausthandschuhe eignen sich für schwere Arbeiten. Sie lassen sich im Notfall leicht ausziehen. Sie werden oft aus Leder, aber auch aus anderen Materialien wie zum Beispiel Baumwolle gefertigt. Fausthandschuhe eignen sich vor allem zum Schutz gegen mechanische Verletzungen wie etwa bei Transport-, Anschlag-, Rangier- und Reparaturarbeiten, beim Fassen und Halten rauflächiger oder scharfkantiger grosser Teile.
Fausthandschuh
Fünffingerhandschuhe

Fünffingerhandschuhe eignen sich, wenn höhere Anforderungen an die Fertigkeit und das Tastgefühl der Hände und Finger gestellt werden. Sie lassen sich im Notfall schwerer ausziehen.

Fünffingerhandschuhe bieten mehr Tastgefühl.
Dreifingerhandschuhe

Dreifingerhandschuhe eignen sich für Arbeiten, die den Gebrauch einzelner Finger in gewissem Umfang erfordern («Schlüsselgriff»). Dazu gehören zum Beispiel Schweissen, Schleifen und Reparaturarbeiten.

Dreifingerhandschuh

Alle diese Handschuhe sind auch mit Stulpen für einen zusätzlichen Unterarmschutz erhältlich.

Beispiele für besondere Ausführungen
Mann zieht einen Kettenhandschuh an.
Kettenhandschuh mit Wärme- und Hygieneeinsatz
Glaserhandschuh
Glaserhandschuh
Die folgende Übersicht zeigt, welcher Schutzhandschuhtyp gegen die verschiedenen Gefährdungen eingesetzt und welcher Norm die Handschuhe jeweils entsprechend müssen.

Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken (EN 388)

  • Abnutzung, insbesondere bei rauen oder abrasiven¹ Oberflächen
  • Scharfkantige Gegenstände
  • Schnitt- oder Stichverletzungsgefahr (Schneidewerkzeuge, Glas, Bleche, Splitter, Späne, Grate)
  • Schmutz

Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen (EN 374-1)

  • Hautkontakt mit Gefahrstoffen (Vollkontakt, Spritzkontakt)
  • kontaminierte Arbeitsmittel
  • Krankheitserreger

Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken (EN 407)

  • Hitze und Flammen
  • Kontakthitze, konvektive Hitze
  • Strahlungshitze
  • Schmelzmetallspritzer

Schutzhandschuhe gegen Kälte (EN 511)

  • Kontaktkälte
  • Konvektive² Kälte

¹ Haut abreibende Oberflächen

² Gefährdung durch Hitze- bzw. Kälteübertragung

Piktogramme für Schutzhandschuhe (gemäss EN 420)
Die Norm EN 420 formuliert die grundsätzlichen Anforderungen an Schutzhandschuhe und regelt deren Bezeichnung. Die einzelnen Piktogramme bedeuten:
Piktogramm Laborglas
Schutz gegen chemische Gefährdungen (EN 374-1)
Piktogramm Biologie
Schutz gegen bakteriologische Kontamination (EN 374-1)
Piktogramm Frost
Schutz gegen Kälte (EN 511)
Piktogramm Radioaktivität
Schutz gegen ionisierende Strahlen (EN 421)
Piktogramm Feuerwehr
Schutzausrüstung für Feuerwehrleute (EN 659)
Piktogramm Kettensäge
Schutz gegen Kettensägen (EN 381-7)
Piktogramm Chemie mit Fragezeichen
Schutz gegen geringe chemische Gefährdungen (EN 374-1)
Piktogramm Hammer
Schutz gegen mechanische Gefährdungen (EN 388)
Piktogramm Flamme
Schutz gegen Hitze und Flammen (EN 407)
Piktogramm radioaktive Partikel
Schutz gegen radioaktive Kontamination durch Partikel (EN 421)
Piktogramm Messer
Schutz gegen Schnitte und Stiche (EN 1082)
Piktogramm Buch
Bedienungsanleitung, Gebrauchsanleitung

Welche Kriterien sind bei der Auswahl von Schutzhandschuhen zu beachten?

Bei der Auswahl eines Hand- und/oder Armschutzes ist es wichtig, dass das höchstmögliche Schutzniveau bei ungehinderter Ausübung der Tätigkeit erreicht wird. Weitere wichtige Kriterien für wirkungsvollen Hand- und Armschutz sind:

  • ergonomische Passform
  • hochwertige Materialien und Verarbeitung
  • praxisgerecht in Bezug auf Tastgefühl, Greifvermögen, Rutschfestigkeit und Innenklima
  • Haltbarkeit, Standzeit
Kennzeichnung

Schutzhandschuhe müssen die CE-Kennzeichnung und zusätzlich die Kennzeichnung nach der jeweils zutreffenden europäischen Norm tragen. Diese Kennzeichnung muss mindestens folgende Angaben enthalten:

  • Name, Handelsmarke oder andere Erkennungsmerkmale des Herstellers oder Lieferanten
  • Typenangabe oder Modellnummer
  • Grössenangabe
  • Piktogramme mit Leistungsstufen

Die Kennzeichnung mit Piktogrammen allein genügt jedoch nicht, um die Verwender umfassend über die Schutzwirkung zu informieren. Wer Schutzhandschuhe verwendet, sollte auch die Zusatzinformationen des Herstellers lesen. Das Piktogramm für «Bedienungsanleitung, Gebrauchsanleitung» macht deutlich, dass die zusätzlichen Informationen des Herstellers ebenfalls zur Kenntnis genommen werden müssen.

Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen mechanische Gefahren mit Angaben zu den Leistungsanforderungen und Leistungsstufen
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen mechanische Gefahren mit Angaben zu den Leistungsanforderungen und Leistungsstufen

Schutzhandschuhe gegen mechanische Gefahren werden in Leistungsstufen eingeteilt nach der Norm EN 388. Diese Leistungsstufen sind von allgemeiner Bedeutung, denn die Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreissfestigkeit und Durchstichfestigkeit sind auch für andere Arten von Schutzhandschuhen relevant.

Vorsicht bei Injektionsnadeln!

Bei Schutzhandschuhen, welche die Anforderungen an Durchstichfestigkeit erfüllen, darf nicht davon ausgegangen werden, dass sie Schutz gegen spitze Objekte wie Injektionsnadeln bieten. Lesen Sie mehr dazu in der Broschüre «Verhütung blutübertragbarer Infektionen» (siehe Link ganz zuunterst auf dieser Seite).

Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen geringe chemische Gefährdungen.
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen geringe chemische Gefährdungen.
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen chemische Gefährdungen
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen chemische Gefährdungen.
Welcher Handschuh ist der richtige?

Falsch ausgewählte Chemikalienhandschuhe wiegen den Benutzer in falscher Sicherheit und können fatale Folgen haben.

Hinweise zum erforderlichen Handschuhmaterial beim Umgang mit Chemikalien und zur maximalen Tragedauer finden Sie in den Sicherheitsdatenblättern zu den verschiedenen Gefahrstoffen. Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Chemikalienhandschuhe erhalten Sie bei den Herstellern.

Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen Hitze und Flammen mit Leistungsanforderungen und Leistungsstufen
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen Hitze und Flammen mit Leistungsanforderungen und Leistungsstufen
Die Norm EN 407 legt die thermischen Eigenschaften von Handschuhen zum Schutz vor Hitze und/oder Feuer fest. Da diese Schutzhandschuhe meist in Bereichen mit mechanischer Belastung eingesetzt werden, müssen diese mindestens die Leistungsstufe 1 für Abrieb- und Reissfestigkeit der Norm EN 388 erfüllen.

In der Norm EN 407 werden keine spezifischen Anwendungen behandelt. So sind beispielsweise die Anforderungen für Hitzeschutzhandschuhe für die Brandbekämpfung in Norm EN 659 enthalten und die Anforderungen für Schweisserhandschuhe in Norm EN 12477.
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen Kälte mit Leistungsanforderungen und Leistungsstufen
Kennzeichnung für Schutzhandschuhe gegen Kälte mit Leistungsanforderungen und Leistungsstufen
Die Norm EN 511 gilt für alle Handschuhe, die für den Schutz gegen Konvektions- und Kontaktkälte bis –50°C vorgesehen sind. Zusätzlich müssen diese Handschuhe mindestens die Leistungsstufe 1 für Abrieb- und Reissfestigkeit der Norm EN 388 erfüllen.
Normen für Schutzhandschuhe
  • EN 388: Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken
  • EN 374-1: Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen – Teil 1: Terminologie und Leistungsanforderungen
  • EN 374-2: Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen – Teil 2: Bestimmung des Widerstandes gegen Penetration
  • EN 374-3: Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen – Teil 3: Bestimmung des Widerstandes gegen Permeation von Chemikalien
  • EN 407: Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken (Hitze und/oder Feuer)
  • EN 421: Schutzhandschuhe gegen ionisierende Strahlen und radioaktive Kontamination
  • EN 511: Schutzhandschuhe gegen Kälte
  • EN 659: Feuerwehrschutzhandschuhe
  • EN 60903: Arbeiten unter Spannung – Handschuhe aus isolierendem Material

Hautschutz

Der Einsatz von Hautschutzmitteln lohnt sich. Sie verhindern bei richtigem Einsatz berufsbedingte Hauterkrankungen. Der Hautreinigung wird häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Für die Hautreinigung sollen schonende und effektive Hautreinigungsmittel verwendet werden.

Erkenntnisse aus der Praxis

In der Praxis muss immer wieder auf folgende Punkte hingewiesen werden:

  • Hautschutzmittel sind so zu platzieren bzw. zur Verfügung zu stellen, dass sie auch angewendet werden.
  • Hautschutzmittel gehören in die Garderoben und/oder an den Waschplatz, Hautreinigungsmittel an den Waschplatz.
  • Hautpflegemittel an den Waschplatz und/oder Ausgang.
  • Hautschutzprodukte wie Cremen, Lotionen und Schäume können im Umgang mit gefährlichen Stoffen Schutzhandschuhe nicht ersetzen.
  • Die richtige Anwendung des Hautschutzes muss in regelmässigen Abständen instruiert werden.
Berufskrankheiten

Ein Fünftel aller Berufskrankheiten sind Hautschäden. Die Lebensqualität der von einer Hautkrankheit betroffenen Personen ist meist stark beeinträchtigt. Oft müssen sie sogar den Beruf wechseln.

Zu den häufigsten Berufskrankheiten der Haut zählen Reiz- und Abnützungsekzeme. Sie entstehen durch Kontakt mit Säuren, Laugen, Lösungsmitteln und anderen hautreizenden Substanzen. Häufig treten auch allergische Kontaktekzeme auf, die durch allergisierende Stoffe hervorgerufen werden.

Ein grosser Teil der berufsbedingten Hautkrankheiten kann durch richtiges Verhalten vermieden werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Motivation und Instruktion der Mitarbeitenden.

Wer ist angesprochen?

Besonders gefährdet sind Berufsleute im Bauhaupt- und Baunebengewerbe, in der Metallbearbeitung und in der chemischen Industrie. Wer viel Feuchtarbeit verrichtet, z. B. im Reinigungs- oder Coiffeurgewerbe, muss ebenfalls mit einem erhöhten Risiko rechnen. Hautschutz ist für diese Branchen ein zentrales Thema.

Weiterführende Informationen

Sapros Internet-Marktplatz für Sicherheitsprodukte:

Verband Schweizer PSA-Anbieter: www.swiss-safety.ch  

Website mit Kurs zur Verhütung von berufsbedingten Hauterkrankungen und Informationen zu geeigneten Schutzhandschuhen in verschiedenen Berufen: www.2haende.ch 

 

Die Inhalte auf dieser Webseite ersetzen die aufgehobene Publikation «Alles, was Sie über PSA wissen müssen» (Bestell-Nr. 44091.D).