Schnellwechseleinrichtungen bei Baumaschinen bergen Gefahren.

Vorsicht bei Schnellwechseleinrichtungen für Baumaschinen!

  • Eine Häufung schwerer Arbeitsunfälle in den letzten Jahren wirft ein kritisches Licht auf Schnellwechseleinrichtungen an Baumaschinen.
  • Mit solchen Einrichtungen können Baumaschinenführer selbständig verschiedene Anbaugeräte bis hin zu ganzen Bagger-Auslegerteilen an ihren Maschinen wechseln.
  • Wenn bei Unfällen im Zusammenhang mit Schnellwechseleinrichtungen Anbaugeräte von Baumaschinen herunterfallen, ist oft die Einrichtung bei der Arbeit nicht korrekt verriegelt.
  • Die Suva hat mehrere Verkaufsverbote für Schnellwechseleinrichtungen per 1. Januar 2016 verfügt. Ab 1. Januar 2020 wird die Suva das Verwenden problematischer Einrichtungen nicht mehr akzeptieren.

Schnellwechseleinrichtungen für Baumaschinen können gefährlich sein

Schnellwechseleinrichtungen für Baumaschinen sind praktisch, können jedoch tödliche Gefahren bergen. Sie erlauben es Baumaschinenführern, selbständig verschiedene Anbaugeräte bis hin zu ganzen Bagger-Auslegerteilen an ihren Maschinen zu wechseln. Diese Einrichtungen sind heute weit verbreitet. Doch unter anderem haben zwei tödliche Unfälle gezeigt, dass Anbaugeräte bei bestimmten Schnellwechseleinrichtungen allzu leicht herunterfallen und so Menschen gefährden.

Verkaufsverbote seit 2016

Aufgrund des Unfallgeschehens und von Mängeln bezüglich der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen für die Konstruktion und den Bau von Maschinen hat die Suva mehrere Verkaufsverbote für Schnellwechseleinrichtungen verschiedener Hersteller per 1. Januar 2016 verfügt.

Ein Grossteil der Inverkehrbringer entwickeln ihre bestehenden Schnellwechseleinrichtungen weiter oder bieten bereits weiterentwickelte Lösungen an.

Bundesgericht bestätigt Verkaufsverbote

Das Verkaufsverbot der Suva wurde in drei Fällen angefochten. Das Bundesverwaltungsgericht hiess diese Beschwerden zunächst in drei Urteilen vom 4. und 9. Dezember 2015 gut und hob die Verfügungen der Suva auf.

Nach einer Beschwerde der Suva hat jedoch das Bundesgericht am 10. April 2017 diesen Entscheid korrigiert und die drei angefochtenen Verkaufsverbote bestätigt. Sie sind somit rechtskräftig. Ebenso sind auch alle übrigen ausgesprochenen Verkaufsverbote rechtskräftig.

Verwendungsverbot ab 2020

Ab 1. Januar 2020 wird die Suva das Verwenden problematischer Schnellwechseleinrichtungen nicht mehr akzeptieren. Arbeitgeber dürfen ab dann nur noch Schnellwechseleinrichtungen einsetzen und verwenden lassen, die die Bestimmungen der Eidgenössischen Maschinenverordnung (MaschV ) für das Inverkehrbringen dieser Produkte einhalten (Verordnung über die Unfallverhütung VUV Art. 24 Abs. 2   sowie Art. 32a ).

Bis nichtkonforme Schnellwechseleinrichtungen durch sichere Produkte ersetzt sind, gilt es, Baumaschinenführer bezüglich der Gefahren zu sensibilisieren und für den korrekten Umgang mit den Schnellwechseleinrichtungen zu schulen, um weitere Unfälle zu vermeiden.

Ob Ihre Schnellwechseleinrichtungen betroffen sind und was den Baumaschinenführern zu instruieren ist, können Sie beim Lieferanten der Schnellwechseleinrichtungen in Erfahrung bringen.

Wenn bei Unfällen im Zusammenhang mit Schnellwechseleinrichtungen in den letzten Jahren Anbaugeräte von Baumaschinen herunterfielen, war meist die Schnellwechseleinrichtung bei der Arbeit nicht korrekt verriegelt. Dies hatte folgende Gründe:

  • Der Baumaschinenführer hatte das Gerät aus Bequemlichkeit oder unter Zeitdruck wissentlich angehoben, ohne den notwendigen Verriegelungsvorgang abzuschliessen.
  • Der Baumaschinenführer hatte vergessen, den Verriegelungsvorgang abzuschliessen (Ablenkung).
  • Dem Baumaschinenführer wurde nicht oder ungenügend angezeigt, dass die Schnellwechseleinrichtung nicht korrekt verriegelt war.
Absturz eines Anbauwerkzeugs
Absturz eines Anbauwerkzeugs (hier zur Illustration des Problems absichtlich durch Fehlmanipulation herbeigeführt)

Ein weit verbreitetes Funktionsprinzip von Schnellwechseleinrichtungen führt durch die Sequenzen aufnehmen – verriegeln – verschliessen:

  • Aufnehmen: Das Anbaugerät wird beispielsweise mit einer offenen Klaue der Schnellwechseleinrichtung an der Aufnahmeachse aufgenommen.
  • Verriegeln: Mit einem Keil oder Bolzen werden Anbaugerät und Schnellwechseleinrichtung mechanisch verbunden (Formschluss).
  • Verschliessen: Eine Steuerung – meistens eine Hydraulikschaltung – sorgt dafür, dass sich die Verriegelung nicht selbständig öffnen kann.

Je nach Produkt können folgende Probleme bestehen:

  1. Fehlanwendungen wie das Anheben von Anbaugeräten ohne Verriegelung sind grundsätzlich möglich und deshalb vorhersehbar.
  2. Die Anzeige des Verriegelungszustands an den Maschinenführer fehlt, ist falsch oder mangelhaft.
  3. Der Verriegelungszustand der Schnellwechseleinrichtung wird von der Steuerung falsch erkannt.

Alle diese Probleme können zum Herunterfallen von Anbaugeräten führen.

Mit diesen Massnahmen können Sie die Risiken im Umgang mit Schnellwechseleinrichtungen senken, bis diese durch neue, sichere Produkte ersetzt sind:

  • Arbeitgeber:
    - Beschaffen Sie nur noch sichere Produkte.
    - Informieren Sie sich bei den Lieferanten, ob die Produkte von den Mängeln betroffen sind.
    - Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden im Umgang mit den Schnellwechseleinrichtungen.
    - Instruieren Sie sie anhand der Betriebsanleitungen und befolgen Sie strikt die Anweisungen der Hersteller.
  • Baumaschinenführer: Führen Sie bei herkömmlichen Schnellwechseleinrichtungen nach jedem Wechsel eines Anbaugeräts einen Gegendrucktest (Bild) durch.
  • Instandhalter: Führen Sie die Instandhaltung strikt nach Angaben des Herstellers durch.
Baggerschaufel auf Kieshaufen
Gegendrucktest: Belasten Sie das Anbaugerät nach dem Aufnehmen am Boden. So prüfen Sie, ob die Schnellwechseleinrichtung richtig verriegelt ist.
Die Suva überwacht die Produktesicherheit

Die Suva beaufsichtigt für die Betriebe der Baubranche sowohl die Anwendung der Arbeitsmittel als auch deren Produktesicherheit. Gestützt auf diesen gesetzlichen Auftrag eröffnete die Suva sogenannte Produktkontrollverfahren für mehrere heute gängige hydraulische Schnellwechseleinrichtungen. Diese haben zum Ziel, Sicherheitsmängel an den Produkten zu beheben. Bei der Behebung dieser Mängel sind die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der europäischen Maschinenrichtlinie (Richtlinie 2006/42/EG, Anhang I) umzusetzen.

Im Laufe eines solchen Produktkontrollverfahrens verfügt die Suva ein Verkaufsverbot gegenüber dem Inverkehrbringer (= Verkäufer, Händler, Vermieter, Lieferant) eines mangelhaften Produkts. Gleichzeitig wird jedoch eine Frist eingeräumt, um ihm zu ermöglichen, in Zusammenarbeit mit dem Hersteller verbesserte Produkte auf den Markt zu bringen.

Verkaufsverbote angefochten – aber vom Bundesgericht bestätigt

Die Suva verfügte mehrere Verkaufsverbote per 1. Januar 2016. In drei Fällen wurden diese Verfügungen angefochten. Das Bundesverwaltungsgericht hob daraufhin die Verkaufsverbote in drei Urteilen vom 4. und 9. Dezember 2015 auf.

Nach einer Beschwerde der Suva hat jedoch das Bundesgericht am 10. April 2017 diesen Entscheid korrigiert und die drei angefochtenen Verkaufsverbote bestätigt. Sie sind somit rechtskräftig. Ebenso sind auch alle übrigen ausgesprochenen Verkaufsverbote rechtskräftig.

Weiterentwickelte Produkte auf dem Markt

Die Inverkehrbringer, die das Verkaufsverbot nicht angefochten hatten, haben unterdessen ihre bestehenden Schnellwechseleinrichtungen weiterentwickelt und können EU-Maschinenrichtlinien-konforme Lösungen anbieten.

Ebenso haben einige ausländische Hersteller die Suva kontaktiert, um ihre Schnellwechseleinrichtungen auf Mängel kontrollieren zu lassen. Auch sie haben danach ihre Produkte weiterentwickelt.

Verwendungsverbot ab 2020

Ab 1. Januar 2020 wird die Suva das Verwenden problematischer Schnellwechseleinrichtungen nicht mehr akzeptieren. Arbeitgeber dürfen ab dann nur noch Schnellwechseleinrichtungen einsetzen und verwenden lassen, die die Bestimmungen der Eidgenössischen Maschinenverordnung (MaschV ) für das Inverkehrbringen dieser Produkte einhalten (Verordnung über die Unfallverhütung VUV Art. 24 Abs. 2 sowie Art. 32a ). Die Eidgenössische Maschinenverordnung legt fest, dass eine Maschine, welche in der Schweiz in Verkehr gebracht wird, die Bestimmungen der Richtlinie 2006/42/EG (EU-Maschinenrichtlinie ) erfüllen muss.

Seit dem 1. Januar 2016 dürfen nur noch sichere Schnellwechseleinrichtungen in Verkehr gebracht werden. Die Verwender von problematischen Schnellwechseleinrichtungen haben bis zum 1. Januar 2020 Zeit, die betroffenen Einrichtungen in Zusammenarbeit mit dem Inverkehrbringer nach Herstellerangaben nachzurüsten oder zu ersetzen.