Arbeiter an Presse

Sichere Pressen

  • Trotz moderner Sicherheitstechnik ereignen sich immer wieder Unfälle mit Pressen und Stanzen.
  • Solche Unfälle lassen sich durch den Einsatz sicherer Pressen und durch regelmässige Schulung des Bedienungspersonals und der Einrichter wirksam vermeiden.

Sichere Pressen einsetzen

Pressen und Stanzen sind Maschinen mit hohem Gefahrenpotenzial. Sie dürfen nur betrieben werden, wenn wirksame Schutzeinrichtungen verhindern, dass in den Gefahrenbereich des Werkzeugs oder anderer bewegter Teile gegriffen werden kann.

An Pressen werden hauptsächlich folgende Schutzeinrichtungen eingesetzt (siehe auch Übersicht «Zulässige Handschutzeinrichtungen an Pressen»):

«Sichere Werkzeuge» eignen sich für das Bearbeiten von stangenförmigem Material oder von Bandmaterial. Sind an einer Presse keine weiteren Schutzeinrichtungen wirksam, darf sie nur mit sicheren Werkzeugen oder für Warmumformarbeiten eingesetzt werden. Solche Pressen müssen mit einem entsprechenden Warnkleber (siehe unten) gut sichtbar gekennzeichnet werden.

Anforderungen an sichere Werkzeuge

Schutzwirkung

Ein sicheres Werkzeug ist so gestaltet, dass die Gefahrenstellen mit den Händen und Fingern nicht erreicht werden können.

Mit trennender Schutzeinrichtung gesichertes Werkzeug für das Bearbeiten von Profilen.
Mit trennender Schutzeinrichtung gesichertes Werkzeug für das Bearbeiten von Profilen.
Mit trennender Schutzeinrichtung gesichertes Werkzeug für das Bearbeiten von Bandmaterial.
Mit trennender Schutzeinrichtung gesichertes Werkzeug für das Bearbeiten von Bandmaterial.
Sicherheitsanforderungen beim Verwenden sicherer Werkzeuge
Sicheres Werkzeug
Der Stempel des Oberwerkzeugs muss so in der Abstreiferplatte des Unterwerkzeugs versenkt sein, dass kein offener Schnittspalt entsteht, oder ...
Trennende Schutzeinrichtung
... grössere Werkzeugöffnungen sind mit einer trennenden Schutzeinrichtung (feste Verkleidung) so gesichert, dass nicht in die Gefahrenstelle gegriffen werden kann. Der Sicherheitsabstand sr von der Gefahrenstelle ist abhängig von der Weite und von der Form einer Öffnung. Die Masse e und sr sind unten stehender Tabelle zu entnehmen.
Sicheres Werkzeug mit Hubbegrenzung
... der Pressenhub wird so begrenzt, dass der offene Schnittspalt nicht mehr als 6 mm beträgt (Hubbegrenzung), oder ...

Werden Pressen ausschliesslich mit sicheren Werkzeugen betrieben (d.h. es stehen keine weiteren Schutzeinrichtungen zur Verfügung), so muss dies an der Presse deutlich sichtbar angeschrieben sein.

Sicherheitsabstände gemäss SN EN ISO 13857
Die Abmessungen der Öffnung e entsprechen der Seite einer quadratischen, dem Durchmesser einer kreisförmigen und der kleinsten Abmessung einer schlitzförmigen Öffnung. Die Abstände gelten für Personen ab 14 Jahren.
Fingerspitze
Grafik Finger in Öffnung mit Vermassung

Öffnung e

Sicherheits-Abstand sr

Schlitz

Quadrat

Kreis

e ≤ 4
sr ≥ 2 sr ≥ 2 sr ≥ 2
4 < e 6
sr 10 sr 5 sr 5
Finger bis Fingerwurzel oder Hand
Grafik Finger in Öffnung mit Vermassung
Grafik Hand in Öffnung mit Vermassung
Öffnung e Sicherheitsabstand sr
Schlitz
Quadrat Kreis
6 < e 8
sr 20
sr 15 sr 5
8 < e 10
sr 80 sr 25 sr 20
10 < e 12
sr 100 sr 80 sr 80
12 < e 20
sr 120 sr 120 sr 120
20 < e 30
sr 850* sr 120 sr 120

* Wenn die Länge einer schlitzförmigen Öffnung ≤ 65 mm ist, wirkt der Daumen als Begrenzung, sodass der Sicherheitsabstand auf 200 mm reduziert werden kann.

Arm bis zum Schultergelenk
Grafik Arm bis Schultergelenk in Öffnung mit Vermassung
Schlitz Quadrat Kreis
Öffnung e

Sicherheits-Abstand sr

30 < e 40
sr 850 sr 200 sr 120
40 < e 120
sr 850 sr 850 sr 850
Mindestabstände gemäss EN 349
Im Werkzeugraum dürfen keine sogenannten Sekundärquetschstellen vorhanden sein, z. B. zwischen Spannschrauben und Stössel oder zwischen Stössel und Stanzeinheit. Die erforderlichen Mindestabstände zwischen festen und bewegten Teilen sind einzuhalten oder es sind feste Verkleidungen anzubringen.
Kopf
Grafik Öffnung im Kopf
Mindestabstand 300mm
Hand, Faust
Grafik Hand in Öffnung
Mindestabstand 100 mm
Quetschstelle zwischen Stössel und Stanzeinheit
Quetschstelle zwischen Stössel und Stanzeinheit
Arm
Grafik Arm in Öffnung
Mindestabstand 120 mm
Finger
Grafik Finger in Öffnung
Mindestabstand 25 mm
Quetschstelle zwischen Stössel und Spannschraube
Quetschstelle zwischen Stössel und Spannschraube

Diese Schutzeinrichtung (z. B. Schutztüre) wird häufig an automatisch betriebenen Pressen eingesetzt. Für Handeinlegearbeiten eignet sie sich nur bedingt.

Der Werkzeugraum der Presse muss vollständig geschlossen sein. In den Werkzeugraum zu greifen darf nur möglich sein, wenn die Schutztüre geöffnet und damit die Presse sicher stillgesetzt ist.

Für Handeinlegearbeiten, bei denen bei jedem Arbeitsgang in das offene Werkzeug gegriffen werden muss, sind sogenannte bewegliche Abschirmungen geeignet (steuernde trennende Schutzeinrichtungen mit Zuhaltung). Der Werkzeugraum der Presse muss vollständig geschlossen sein. In den Werkzeugraum zu greifen darf nur möglich sein, wenn die Hubtüre geöffnet und damit die Presse sicher stillgesetzt ist.
Bewegliche Abschirmung
Bewegliche Abschirmung (Quelle: OSHA)

Folgende Lieferanten bieten steuernde, trennende Schutzeinrichtungen mit Zuhaltung an:

Die Verwendung eines Lichtvorhangs setzt voraus, dass der Pressenhub in allen Hubpositionen stillgesetzt werden kann. An Pressen mit formschlüssigen Kupplungen (z. B. Drehkeilkupplungen) sind diese Schutzeinrichtungen deshalb nicht zulässig. Details siehe «Sicherheitsanforderungen an berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen an Pressen».
Die Verwendung einer Zweihandschaltung setzt voraus, dass der Pressenhub in allen Hubpositionen stillgesetzt werden kann. An Pressen mit formschlüssigen Kupplungen (z. B. Drehkeilkupplungen) sind Zweihandschaltungen deshalb nicht zulässig. Zweihandschaltungen an Pressen müssen spezielle Anforderungen erfüllen (siehe Checklisten zur Gefahrenermittlung und Massnahmenplanung unter «Weiteres Material»).

Betriebspersonal instruieren

Neben den pressenspezifischen Sicherheitsvorschriften gemäss Betriebsanleitung sind auch allgemein geltende Sicherheitsregeln einzuführen und durchzusetzen. Die Einrichter und die Bediener der Pressen sind sowohl über die pressenspezifischen Vorschriften als auch die allgemeinen Regeln zu instruieren. Diese Instruktionen sind zu dokumentieren. Die «Sicherheitsregeln für Pressen» finden Sie unten.

Pressen instand halten

Pressen müssen periodisch – mindestens einmal jährlich – durch Fachpersonal geprüft und instand gehalten werden. Dazu gehört auch die periodische Inspektion und Wartung der Sicherheitseinrichtungen. Die Instandhaltungen sind zu dokumentieren. Details dazu finden Sie unten im Merkblatt «Instandhaltung planen und überwachen».

Periodische Sicherheitsinspektionen durchführen

Prüfen Sie regelmässig, ob alle Pressen im Betrieb sicher eingesetzt werden. Treffen Sie beim Feststellen von Mängeln die nötigen Massnahmen. Dafür eignen sich die Checklisten zur Gefahrenermittlung und Massnahmenplanung unter «Weiteres Material».

Rechtliche Grundlagen

Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV):

  • Art. 6  Information und Anleitung der Arbeitnehmer
  • Art. 8  Vorkehren bei Arbeiten mit besonderen Gefahren
  • Art. 28   Schutzeinrichtungen und Schutzmassnahmen
  • Art. 32b   Instandhaltung von Arbeitsmitteln