Sportunterricht

Aufwärmen, Fairplay und richtige Schuhe für weniger Unfälle im Sportunterricht Tools und Tipps für Sportlehrerinnen und Sportlehrer an Berufsschulen

  • Sport und Bewegung sind wichtig, um während der Berufslehre fit und ausgeglichen zu bleiben.
  • Doch aufgepasst: Jeder siebte Berufsunfall von Lernenden passiert im Sportunterricht – davon mehr als die Hälfte in den Ballsportarten.
  • Korrektes Aufwärmen, das richtige Schuhwerk und Fairplay helfen, Unfälle zu vermeiden.

Sport und Bewegung sind gerade während der Berufslehre wichtig. Fit und ausgeglichen sind Lernende den Herausforderungen dieser besonderen Zeit besser gewachsen. Dank dem Sportunterricht entwickeln sie wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen, die im Berufsalltag hilfreich sind. Heute geschieht allerdings auch jeder siebte Berufsunfall von Lernenden beim Sportunterricht. Im Sportunterricht ist das Unfallrisiko so 7-mal höher als während einer Arbeitsstunde im Lehrbetrieb.

Das muss aber nicht sein.

Tools und Tipps für den Sportunterricht

Auf dieser Seite haben wir Tools und Tipps für Sportlehrerinnen und Sportlehrer zusammengestellt, um das Unfallrisiko im Sportunterricht zu reduzieren. Die Suva hat diese praxisorientierten Tools in Zusammenarbeit mit Sportlehrpersonen entwickelt, als gemeinsamer Effort für weniger Unfälle und gesunde fitte Lernende.

Wesentlich sind diese Themen:

Kennen Sie das auch? Die Sportstunde beginnt. Die Lernenden möchten am liebsten sofort mit dem Spielen anfangen. Aufwärmen wird da oft als lästige Pflicht wahrgenommen, bei der man nur halbherzig mitmacht. Aber Ihnen als Sportlehrperson ist natürlich klar, wie wichtig kontrolliertes Aufwärmen ist. Ein mobilisierendes Warm-up bereitet die Lernenden nicht nur körperlich, sondern auch psychisch für die körperliche Aktivität vor. Gerade bei kälteren Temperaturen im Winter und bei einer intensiven Belastung ist es besonders wichtig, sich richtig aufzuwärmen.

Hier deshalb ein paar Tipps zum Aufwärmen im Sportunterricht:
  • Passen Sie das Warm-up den vorgesehenen Aktivitäten im Unterricht an: je intensiver die Belastung danach, desto länger das Warm-up.
  • Passen Sie das Warm-up auch der Tageszeit an: je früher am Morgen, desto länger.
  • Eine klare Instruktion reduziert das Verletzungsrisiko beim Warm-up selbst.
  • Wählen Sie für das Warm-up mobilisierende Übungen aus (siehe Video).

Dieses Video zeigt Ihnen geeignete Aufwärmübungen:

Um Verletzungen im Sportunterricht zu reduzieren, spielt Fairplay eine wichtige Rolle.

Das bedeutet Fairplay auf dem Spielfeld
  • Die Gegenspieler respektieren.
  • Sich an die Regeln halten.
  • Die Gegenspieler so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
  • Einen kühlen Kopf bewahren, auch in spielentscheidenden Situationen.
  • Nicht die eigene Gesundheit oder die der anderen durch rücksichtsloses Einsteigen gefährden.
  • Die Gesundheit auch nicht für einen Sieg aufs Spiel setzen.

Wertvolle weitere Informationen zum Thema Fairplay finden Sie zum Beispiel auf der Webseite «Cool and clean»  von Swiss Olympic.

Fairplay-Check

Der «Fairplay-Check» ist ein Hilfsmittel, das Sie als Sportlehrerin oder Sportlehrer dabei unterstützt, Fairplay im Unterricht zu thematisieren. Es handelt sich um ein Formular, das sie hier herunterladen und ausdrucken können. Während einer Sportlektion können damit sowohl die Lehrpersonen als auch die Lernenden Situationen beobachten, auf dem Papier festhalten und durch Ankreuzen der entsprechenden Spalten bewerten: Wird zu passiv oder zu aggressiv agiert oder gerade richtig? So nehmen Sie die Lernenden in die Pflicht. Sie erlauben Ihnen damit aber auch, eine Aussenperspektive einzunehmen.

Und so funktioniert’s
  • Ankreuzen Mitte-links (gelb) bis links (rot – P) = zu passiv. Die Lernenden machen nicht richtig mit.
  • Ankreuzen in Mitte (grün – F): Fairplay perfekt. Die Lernenden verhalten sich motiviert und respektvoll.
  • Ankreuzen Mitte-rechts (gelb) bis rechts (rot - A) = zu aggressiv. Die Lernenden nehmen keine Rücksicht aufeinander.
So können Sie den «Fairplay-Check» zum Beispiel einsetzen
  • Besprechen Sie das Thema Fairplay mit der Klasse.
  • Erklären Sie den «Fairplay-Check»
  • Fordern Sie die Lernenden auf, selber mindestens drei Situationen mit dem Tool zu bewerten. So sehen Sie, wie die Lernenden unterschiedliche Situationen wahrnehmen.
  • Besprechen Sie die Resultate an beispielhaften Situationen und sagen Sie der Klasse, welche Verhaltensänderung Sie erwarten.
  • Wenn bei gewissen Schülern das Verhalten besonders auffällig ist, besprechen Sie dies in einem bilateralen Gespräch.
  • Setzen Sie den «Fairplay-Check» zu einem späteren Zeitpunkt wieder ein.
  • Vergleichen Sie mit der Klasse die Resultate und thematisieren Sie die Veränderungen.

Vielleicht können Sie Ihre Klasse so oder ähnlich auf das Thema «Richtige Schuhe für den Sportunterricht» ansprechen: «Habt Ihr schon mal einen Marathonläufer mit Flip-Flops rennen sehen? Und welchen Schuh trägt ein Forstwart bei der Arbeit im Wald? Jede Tätigkeit erfordert den passenden Schuh. Sei es für die Arbeit oder in der Freizeit.»

Keine Lifestyle-Schuhe für den Hallensport

Für den Sportunterricht gilt natürlich dasselbe. Hier gibt es ständig schnelle Richtungswechsel. Das andauernde «Stop-and-go» beansprucht den Fuss enorm. Deshalb ist es wichtig, dass die Lernenden nicht ihre Lieblings-Lifestyle-Schuhe als Indoor-Turnschuhe zweckentfremden. Denn damit rutschen sie aus. Ihre Fussgelenke knicken um. Und sie strapazieren wegen der mangelhaften Dämpfung ihr Skelett.

Erklären Sie Ihrer Sportklasse, welche Kriterien ein passender Indoor-Turnschuh erfüllen muss:

  • rutschfestes Schuhprofil
  • optimale Dämpfung
  • gutes, festes Obermaterial
  • gute Stabilität
  • geschnürt

Erklären Sie Ihrer Klasse auch, dass die Qualität eines Indoor-Turnschuhs sich am besten bei der Anprobe zeigt. In einem Fachgeschäft gibt es zudem eine kompetente Beratung dazu.

Mit unserem Kleinplakat «Keine gute Idee: Lifestyle-Schuhe beim Hallensport» können Sie auf eine andere Weise auf diese Thematik aufmerksam zu machen.

Plakat jetzt bestellen  

50 Franken für die Gesundheit

Ein guter Allround-Turnschuh kostet etwa 150 Franken. Falls der Schuh nur im Sportunterricht getragen wird, hält er über die ganze Lehrzeit. Somit kostet der Schuh zum Beispiel während einer dreijährigen Lehrzeit pro Jahr nur 50 Franken. Eine gute Investition in die Gesundheit.

Fitness bietet Schutz vor Verletzungen und bildet die Basis für eine gute Technik in den einzelnen Sportarten. Deshalb ist es wichtig, an der eigenen Fitness zu arbeiten. Um die Fortschritte der Lernenden im Sportunterricht festzuhalten, bietet sich eine Standortbestimmung zu Beginn der Lehre an.

Fitnesstest für die Standortbestimmung

Haben Sie bereits eine solche Standortbestimmung in Ihren Unterricht eingebaut? Falls nicht, empfehlen wir Ihnen dafür den Fitnesstest der Suva.

Der Fitnesstest besteht aus 5 Testübungen und dauert etwa 10 Minuten. Ihre Klasse kann den Test zum Beispiel auf ihren persönlichen Smartphones durchführen. Geben Sie ihnen dazu die Adresse zur Eingabe im Webbrowser weiter:

Fitnesstest: www.suva.ch/fitnesstest  

Anschliessend erhalten die Lernenden eine persönliche Auswertung mit Vorschlägen für Übungen, um ihre Fitness gezielt zu verbessern.

Einzelne Übungen können bestens im Sportunterricht integriert werden. Motivieren Sie die Lernenden aber, ihre Übungen auch in der Freizeit zu machen.

Um den Trainingseffekt der Übungen zu überprüfen, empfehlen wir, den Fitnesstest nach 2 bis 3 und 4 bis 5 Monaten erneut durchzuführen.

Fit-Programm zur Verbesserung der Fitness

Ein weiteres Angebot der Suva, um die Fitness zu verbessern, ist das Fit-Programm für Sportler. Auch dieses können Sie bestens in Ihren Unterricht integrieren.

Den Link zum Fit-Programm finden Sie ganz unten auf dieser Seite unter «Weiteres Material».

Tests für Schneesport und Fussball

Je nach Saison bietet sich der Einbezug weiterer Tools der Suva in den Sportunterricht an.

Im Winter kann mit der App «Slope Track» gemessen werden, was der eigene Körper während des Schneesports aushalten muss.

Im Sommer können die Lernenden mit dem Fussballtest das eigene Verletzungsrisiko beim Fussballspielen ausloten.

Links zu beiden Angeboten finden Sie ganz unten auf dieser Seite unter «Weiteres Material».

Weitere Informationen zur Gesundheitsförderung an Berufsschulen finden Sie zum Beispiel bei der Sport Academy Zürich. Diese hat ein ausführliches Konzept zur strukturierten Gesundheitsförderung an Berufsschulen erstellt. Die Inhalte reichen vom «Nutzen von Ausdauertraining» über «Rauchen» bis hin zu «Lehrzeit = Stresszeit?».

Zur Sport Academy  

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Weitere spannende Informationen finden Sie auch auf der Seite Sport in der Schule der bfu  .