Kleiner Altar mit heiliger Barbara – Schutzpatronin der Bergleute

Verhütung und Bekämpfung von Bränden bei Hydraulikanlagen im Untertagbau

  • Sind bei Bränden hydraulisch betriebene Maschinen betroffen, kann dies zu starker Rauchentwicklung und grosser Hitze führen.
  • Durch Öl-Lecks und Zündquellen können gefährliche Brände unter Tage entstehen.
  • Ergreifen Sie nach Ausbruch sofort Massnahmen zur Bekämpfung des Brands, damit nicht Gefahr für Leib und Leben entsteht.

Bedrohliche Situationen durch Feuer

Brände im Tunnelbau sind sehr gefährlich. Bei Brandausbruch sind Personen im Bereich der Brandentstehung unmittelbar gefährdet. Bei einer Verpuffung von Ölnebel können sie durch die direkte Einwirkung der Flammen verletzt und durch einen Folgebrand zwischen Ortsbrust und Brandstelle eingeschlossen werden.

Gelingt es nicht, den Brand rasch zu löschen, entstehen starker Rauch und grosse Hitze. Es ist zu erwarten, dass sich der Rauch ausbreitet. Dies gefährdet auch Personen weit ab von der Brandstelle.

Nach Bauarbeitenverordnung Art. 66  müssen deshalb geeignete Massnahmen getroffen werden, um Brandfälle zu verhindern und in Brandfällen allfällige Folgen für die Gesundheit der Arbeitnehmenden zu vermeiden.

Mögliche Brandarten bei Hydraulikanlagen

Bei Hydraulikanlagen können zwei Arten von Bränden auftreten:

Brandart 1: Schlagartige Entzündung als Stichflamme

Öl tritt durch ein feines Leck und unter hohem Druck aus und wird vernebelt. Der Ölnebel entzündet sich zu einem beliebigen Zeitpunkt schlagartig an einer heissen Oberfläche oder einer anderen Zündquelle (Sprühfeuer).

Das Feuer bleibt als Stichflamme (wie bei einem Ölbrenner) erhalten, bis der Druck im Hydrauliksystem auf null zurückgeht. Die intensive, oft weitreichende Flamme entzündet alles brennbare Material in der Umgebung. Die Stichflamme erlischt, sobald der Öldruck zusammenbricht. Das Feuer kann weiterbrennen, wenn Stoffe in der Umgebung bereits entzündet sind oder wenn noch Öl nachfliesst. Ein solcher Folgebrand geht dann in die unten beschriebene Brandart 2 über.

Brandart 2: Langsame Brandentstehung

Öl (Hydraulik/Diesel/Getriebe) tritt aus einem Leck aus, tropft oder fliesst auf eine heisse Oberfläche und entzündet sich. Diese Brandart kann auch Folge eines Elektrobrands, einer Kollision oder des Brands eines Drittfahrzeugs sein.

Ein solcher Brand entsteht tendenziell eher langsam. Er kann sich vorerst durch Rauchentwicklung bemerkbar machen. Das Feuer beginnt klein und entwickelt sich durch die entstehende Hitze immer stärker. Es entsteht starker Rauch.

In der ersten Phase wird die Grösse des Feuers durch die Menge (Schläuche, Kabel, veröltes Dämmmaterial, Kunststoffabdeckungen, nachfliessendes Öl) und die Brennbarkeit (Flammpunkt des Öls) des Brennstoffs in der Umgebung des Brandherds bestimmt.

Erst in der zweiten Phase spielt es eine Rolle, wie gross der Vorrat an Brennstoff ist (starke Erhitzung des Öls über Flammpunkt, Tankgrösse, weitere Lecks durch Feuerwirkung).

Mit den auf Grossgeräten eingesetzten Löschanlagen können solche Brände in der Regel in der Entstehungsphase gelöscht werden. Wenn die Ölzufuhr auf die heisse Oberfläche nicht unterbunden wird, kann jedoch eine Nachzündung erfolgen.

Die wichtigsten Massnahmen im Brandfall

Massnahmen bei Brandausbruch
  • Schalten Sie die Maschine ab (druck- und energiefrei machen)
  • Alarmieren Sie die Feuerwehr und lösen Sie die Evakuation aus
  • Versuchen Sie, das Feuer durch Auslösen der Löschanlage oder mit einem Handfeuerlöscher zu stoppen
  • Bergen Sie allfällig Verletzte aus dem Gefahrenbereich
  • Tragen Sie während der Evakuation einen SSR (Sauerstoff-Selbstretter) auf sich, für den Fall dass sich der Rauch ausbreitet
  • Lassen Sie den Brandherd durch spezialisierte Ereignisorganisation löschen und kontrollieren
Achtung

Falls der Brand in der Entstehungsphase nicht gelöscht werden kann, müssen sich die betroffenen Personen in einen sicheren Bereich zurückziehen. Das Löschen eines Vollbrands ist in der Regel nur durch dafür ausgerüstete Ereignisdienste wie die professionelle Feuerwehr möglich.

Vorbeugende Massnahmen am Beispiel eines Bohrjumbos

Verhüten oder bekämpfen Sie Brände an Bohrjumbos mit folgenden Massnahmen:

Technische Massnahmen
  • Die Maschine ist grundsätzlich CE-konform (u. a. SN EN 13478+A1 [2008-07], Sicherheit von Maschinen – Brandschutz). Sie wurde sowohl elektrisch wie auch hydraulisch nach dem Stand der Technik konstruiert. Überprüfen Sie die Konformitätserklärung und verifizieren Sie das integrierte Brandmelde- und Löschsystem sowie die Not-Stopp- Schaltung der Maschine.
  • Die Risikobeurteilung bei der Konstruktion ist erfolgt und dokumentiert (SN EN 13478+A1 [2008-07], Kap. 5). Nehmen Sie eventuell Rücksprache mit dem Hersteller.
  • Technische Brandschutzmassnahmen, beispielsweise die Verwendung schwer entflammbarer Hydraulikflüssigkeit, sind umgesetzt (SN EN 13478+A1 [2008-07], Kap. 6.2). Dies verringert die Gefahr des Entzündens an heissen Oberflächen deutlich, schliesst ein Sprühfeuer jedoch nicht aus. Schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeiten (nach VDMA 24317, DIN 24320, SN EN ISO 12922) werden in der Schweiz u.a. durch die Firmen Shell (Irus DU), Motorex (Oekosynt HFDU), Castrol (Anvol SWX) und PANOLIN (PANOLIN SYNTHSAFE) vertrieben und kommen auch bei Bergbaumaschinen zum Einsatz.
    Achtung: Sprechen Sie sich mit dem Maschinenhersteller und dem Schmierstofflieferanten ab, um die Verträglichkeit der Komponenten und die Einsatz- und Betriebsbedingungen abzustimmen.
  • Die Maschine verfügt über ein integriertes Brandmelde- und Löschsystem (SN EN 13478+A1 [2008-07], Kap. 6.3).
  • Es wurden zusätzliche Massnahmen für eine Not-Stopp-Schaltung der Maschine mit Abtrennung der Energiezufuhr getroffen (SN EN 13478+A1 (2008-07), Kap. 6.4). Diese schaltet auch einen laufenden Dieselmotor ab. Die Betätigung des Not-Stopp-Schalters macht das Hydrauliksystem der Maschine – so rasch als möglich und soweit wie nötig – drucklos (Sprühstellen an Schläuchen, Leitungen oder Verschraubungen stillsetzen), ohne neue Gefährdungen zu erzeugen (Lasthalteventile Ladekorb, Bohrlafetten).
  • Not-Stopp-Taster und Auslöser der Löschanlage sind in der Kabine, bei Zugängen und am Heck angebracht. Die Auslösung der Löscheinrichtung ist mit der Not-Stopp-Schaltung gekoppelt (aber nicht umgekehrt).
  • Es sind Handfeuerlöscher verfügbar (mind. zwei 6-kg-Handlöscher auf der Maschine).
  • Die Selbstrettung aus dem Ladekorb ist sichergestellt (Rettungsseil oder Notabsenkung).
  • Wenn die Maschine nicht über ein integriertes Brandmelde- und Löschsystem sowie eine Not-Stopp-Schaltung mit Drucklos-Schaltung verfügt, ist davon auszugehen, dass die Anforderungen an die technischen Brandschutzmassnahmen für Maschinen nach (SN EN 13478+A1 [2008-07], Kap. 6), nicht erfüllt sind.
Organisatorische Massnahmen
  • Die Massnahmen im Rahmen des Sicherheitskonzepts der Baustelle sind umgesetzt (siehe Bauarbeitenverordnung Art. 62, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzept und Art. 66, Explosions- und Brandschutz).
  • Geeignete Löschmittel (z. B. CAFS, Compressed Air Foam System) sind in genügender Menge in der Nähe bereitgestellt (für sekundären Löschangriff).
  • Qualifiziertes Personal stellt die systematische Instandhaltung (im Rahmen des Q-Systems) sicher und dokumentiert diese auch. Dies gilt insbesondere für folgende Anlageteile:
    - Elektrosystem
    - Hydrauliksystem
    - Isolationen heisser Teile
    - Löschanlage
  • Es werden Original-Ersatzteile oder gleichwertige verwendet.
  • Es werden Betriebsstoffe gemäss Spezifikation eingesetzt.
  • Ein dafür geschulter Jumbo-Mechaniker/-Maschinist überprüft die Anlage täglich auf offensichtliche Mängel (z. B. sichtbare Lecks, Ölverlust, Beschädigung von Schläuchen, defekte Scheinwerfer und Kabel)
  • Die Maschine wird wöchentlich gereinigt (abdampfen).
  • Eine qualifizierte Fachperson überprüft die Anlage wöchentlich auf sicherheitsrelevante Mängel wie Abnützung, Verschleiss, mangelhaftes Verlegen von Schläuchen und Elektrokabeln.
Personenbezogene Massnahmen

Die Ausbildung zum Bohrjumbo-Maschinisten beinhaltet folgende Punkte:

  • Betriebsanleitung des Bohrjumbo
  • Elementare Kenntnisse bezüglich Energiequelle (Ölnebel) und Zündquellen (Elektrodefekt, heisse Oberflächen, Rauchen)
  • Funktion und Wirkungsweise von Löschanlage und Not-Stopp-Schaltung (inkl. Druckentlastung)
  • Verhalten im Brandfall, unmittelbar bei Branderkennung und erste Brandbekämpfung, Selbstschutz und Selbstrettung
  • Täglicher Check der Maschine
  • Erkennen und Melden sicherheitsrelevanter Defekte und Störungen, fehlerhafter Funktionen

Die Ausbildung des Instandhaltungspersonals des Bohrjumbo beinhaltet folgende Punkte:

  • Betriebsanleitung, fundierte Kenntnisse der Sicherheitsfunktionen
  • Umsetzung der Checklisten für die Instandhaltung
  • Erkennen von brandrelevanten Verschleisserscheinungen
  • Bestellung und Auswahl von Ersatzteilen
  • Korrekter Einbau der Ersatzteile
  • Elementare Kenntnisse bezüglich Energiequelle (Ölnebel) und Zündquellen (Elektrodefekt, heisse Oberflächen, Rauchen)