Zunfhaus zur Schneidern Luzern

Von der Zunftstube in die Fluhmatt

Als die «Schweizerische Unfallversicherungsanstalt in Luzern» gegründet wurde, hatte sie ihren Sitz zwar in Luzern, aber noch keine eigenen Räumlichkeiten. In den ersten Jahren richtete sie sich in einem alten Zunfthaus in der Altstadt von Luzern ein.

Die erste Verwaltungsratssitzung der neuen Unfallversicherungsanstalt fand am 2. Oktober 1912 statt ‒ neun Monate nach der erfolgreichen Abstimmung über das Kranken- und Unfallversicherungsgesetz. Ort der Versammlung war der Grossratssaal von Luzern, Vorsitzender war Edmund Schulthess. Schulthess war erst im Juli 1912 in den Bundesrat gewählt worden ‒ für den verstorbenen Vorbereiter des Sozialversicherungswerks, Adolf Deucher.

Der eigentliche Architekt des Versicherungsgesetzes war aber Paul Usteri, Präsident der ständerätlichen Kommission und Direktor der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt. Er hatte in den parlamentarischen Beratungen für die organisatorische Eigenständigkeit der neuen Unfallversicherungsanstalt gekämpft, gleichzeitig für Realitätssinn in den Finanzierungsrechnungen gesorgt. Nun gab er seine berufliche Stellung auf, um der erste Verwaltungsratspräsident der neuen Anstalt zu werden.

Erste Adresse in Zürich

Die erste Adresse der Suva lautete denn auch: «Schweizerische Unfallversicherungsanstalt in Luzern, Bureau Zürich, Fraumünsterstrasse 27». Es war das Büro von Paul Usteri. Er und seine zwei Mitarbeitern kümmerten sich um die Geschäfte ‒ um die Erarbeitung von Reglementen, um Stellenausschreibungen oder um die Suche eines Domizils in Luzern.

Bereits am 16. Januar 1913 beschloss der Bautenausschuss des Verwaltungsrates, das Zunfthaus zu Schneidern, direkt an der Reuss in der Altstadt von Luzern gelegen, zu mieten. Es gehörte der Stadt Luzern, die es 1907 von den Gebrüdern Raeber gekauft hatte. Diese wiederum hatten es 1863, als sich die Zunft auflöste, als Standort für ihre Druckerei gewählt. In dem Gebäude stand die erste Zeitungsrotationsmaschine von Luzern, auf der bis 1907 das konservative «Vaterland» gedruckt wurde.

Als die Mietverträge unterzeichnet wurden, hatte die Stadt Luzern bereits mit dem Umbau begonnen. Auf den 1. Mai 1913 sollte der Sitz bezugsbereit sein. In unmittelbarer Nähe befand sich das Rathaus, wo der Verwaltungsrat tagte.

Hauswart mit Sonderstellung

Umgebaut wurden sechs Büroräume mit Platz für 30 bis 35 Angestellte. Die meisten Arbeitsplätze wurden in zwei Grossraumbüros zu je 100 Quadratmeter entlang den reussseitigen Fensterfronten im Erdgeschoss und im ersten Stock eingerichtet. Wichtig war der Anstalt, einen eigenen Hauswart zu bestimmen, denn die «Interessen der Anstalt verlangen eine vertrauenswürdige Persönlichkeit als Abwart». Dieser hatte seine Wohnung im Dachstock des Zunfthauses.

Die ersten Kadermitarbeiter der Versicherungsanstalt wurden noch an der alten Adresse in Zürich angestellt: Der erste Direktor der Anstalt, Alfred Tzaut, ebenso der erste Statistiker, Paul Nabholz, nahmen ihre Arbeit am 1. April 1913 auf. Praktisch plangemäss zog die Verwaltung am 17. Mai 1913 in das umgebaute Zunfthaus an der Reuss. Die neue Adresse lautete nun: «Schweizerische Unfallversicherungsanstalt in Luzern, Brandgässli 13, Luzern».

Dort blieb die Anstalt bis am 3. Dezember 1915, als sie ihr definitives Domizil auf der Fluhmatt bezog. Mittlerweile war die Belegschaft bereits auf 11 Mitarbeiterinnen und 18 Mitarbeiter angewachsen.

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