New Case Management zeigt positive Wirkung

Innerhalb von zwei Jahren sind die Neurenten bei der Suva um rund 20 Prozent zurückgegangen. So konnten 190 Millionen Franken an Versicherungskosten gespart werden. An einer Medienkonferenz in Bern betonte die Suva die wichtige Rolle der Arbeitgeber bei der Wiedereingliederung Verunfallter. Gleichzeitig stellte sie ein neues Konzept zur Betreuung von Schleudertrauma-Patienten vor.

Vor drei Jahren startete die Suva mit dem New Case Management (NCM), einem innovativen Ansatz bei der Schadenerledigung und der Betreuung Verunfallter. Mit dem New Case Management trägt die Suva dem Umstand Rechnung, dass fünf Prozent der Unfälle 80 Prozent der Kosten verursachen. Die stärkere Einbindung der Informatik bei Bagatellunfällen setzte Ressourcen frei, welche das NCM nun zugunsten von Verunfallten in schwierigen Situationen einsetzt.

Im Zentrum des NCM stehen Verunfallte, welche nach einem schweren Unfall in eine schwierige berufliche, familiäre, finanzielle oder soziale Situation geraten. Fast 100 Case Manager in allen 19 Agenturen der Suva betreuen diese Verunfallten individuell mit dem Ziel, sie in den Arbeitsprozess zurückzuführen. Angestrebt wird ein Ausbau auf 130 Case Manager. Es sind Versicherungsspezialisten mit einer hohen Sozialkompetenz.

Noch liegt die Kostenwirksamkeitsstudie nicht vor, doch die Trends sind erfreulich. Bereits im Jahr 2004 gingen die Neurenten um 134 oder vier Prozent zurück. Im vergangenen Jahr betrug der Rentenrückgang sogar 16,2 Prozent. 521 Verunfallte konnten so im Arbeitsprozess bleiben, welche sonst in der Invalidität gelandet wären. Insgesamt entspricht dies einer Kosteneinsparung von rund 190 Millionen Franken in zwei Jahren.

Die Zahl der neuen Invalidenrenten hängt von verschiedenen Faktoren ab: von den Unfallzahlen, der Unfallschwere und der Arbeitsmarktsituation. Dr. Willi Morger, Mitglied der Geschäftsleitung der Suva: „All diese Elemente haben sich in den letzten 2 bis 3 Jahren jedoch nicht wesentlich verändert. Deshalb dürften die guten Resultate weitgehend dem New Case Management zu verdanken sein.“
Berufliche Wiedereingliederung durch Unfallversicherer
An der heutigen Medienkonferenz in Bern äusserte sich Geschäftsleitungsmitglied Willi Morger auch zur 5. IVG-Revision. Dabei bezeichnete er die Abgrenzung zwischen Unfallversicherung und Invalidenversicherung als Systemfehler. Dies führe zu Doppelspurigkeiten. Der Suva erscheine es sinnvoll, ihr auch die Durchführung aller beruflichen Massnahmen für verunfallte Personen anzuvertrauen. Dabei nannte Willi Morger das Militärversicherungsgesetz, wo es sich bewährt habe, dass die berufliche Wiedereingliederung Sache der Militärversicherung ist. Zudem lägen in den meisten Ländern Europas Rehabilitation, Wiedereingliederung und die Geldleistungen beim gleichen Versicherungsträger.
Arbeitgeber bei Wiedereingliederung unentbehrlich
Entscheidend bei der Wiedereingliederung Verunfallter in den Erwerbsprozess sind die Arbeitgeber. Ernst Meier von der internen Personal- und Sozialberatung bei Siemens Schweiz betonte, dass einige Unternehmen bereits erkannt haben, wie wichtig es ist, Verunfallte und erkrankte Mitarbeitende nicht einfach in die Invalidität abzuschieben. Letztlich schlage es auf das Unternehmen und die ganze Wirtschaft zurück, wenn hohe Rentenkosten via höhere Prämien finanziert werden müssten.
Neue Ansätze bei der Betreuung von HWS-Patienten
Im Jahr 2004 verzeichnete die Suva gegen 11'000 Schleudertrauma-Unfälle mit Kosten von rund 270 Millionen Franken. Jede neunte Neurente ging auf die Diagnose HWS-Schleudertrauma zurück. Dazu gehören Zerrungen und Verstauchungen der Halswirbelsäule – meist hervorgerufen durch Auffahrunfälle –, die zu lang dauernden Behandlungen und schwierigen Heilungsverläufen führen.

Aus diesem Grund wendet die Suva seit diesem Jahr die NCM-Methode konsequent auch bei HWS-Unfällen an. Neben einer Früherfassung dient neu ein ambulantes medizinisches Assessment dazu, den Behandlungsverlauf noch besser festzulegen. Wenn nötig, betreuen Case Manager der Suva den Verunfallten mit dem Ziel, ihn wieder in den Erwerbsprozess zurückzuführen.

Thomas Mäder, Leiter der Abteilung Versicherungsleistungen, wies den Vorwurf zurück, die Suva habe bei Schleudertrauma-Patienten eine verschärfte Praxis eingeführt. Auch der Bundesrat attestiert der Suva, sie halte sich an die Rechtssprechung. In der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss schreibt er, die Suva habe keine Praxisänderung vorgenommen. So fielen im vergangenen Jahr 50 von 56 HWS-Urteilen am Eidgenössischen Versicherungsgericht, d.h. 90 Prozent, zugunsten der Suva aus.
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Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts versichert die Suva rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet nicht gewinnorientiert und erhält keine Subventionen. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten. Die Suva wurde 2004 mit dem Esprix für Kundenorientierung und dem Innovationspreis der Schweizer Assekuranz für das New Case Management und die wirkungsvolle Wiedereingliederung Verunfallter ausgezeichnet.