MP3-Geräte können das Gehör schädigen

Die Suva hat den Schallpegel von MP3-Geräten gemessen und festgestellt, dass die in der Schweiz erhältlichen Musikwiedergabegeräte gehörschädigende Lautstärken von deutlich über 100 Dezibel erreichen können, obwohl die europäische Norm einen Maximalpegel von 100 Dezibel festlegt.

Seit 40 Jahren setzt sich die Suva für die Verhütung lärmbedingter Gehörschäden an allen Arbeitsplätzen ein - mit nachweisbarem Erfolg. Weil die Gehörbelastung in der Freizeit zugenommen hat, engagiert sich die Suva seit über 20 Jahren auch hier: "Musikgenuss statt Tinnitus!" heisst die Devise.
Schallpegel einer Motorkettensäge
Nun hat die Suva überprüft, ob die populären MP3-Geräte für das Gehör der Benützer gefährlich werden können. Zuerst wurden Geräte gemessen, die bereits im Alltagseinsatz stehen. Mit der auf den Geräten gespeicherten Musik, den Original-Ohrhörern und bei maximaler Lautstärkeeinstellung wurden Dauerschallpegel bis 103 dB(A) (Dezibel) gemessen. Dies bedeutet gegenüber 100 dB eine Verdoppelung der Schallenergie, entspricht dem Schallpegel einer Motorkettensäge und darf dem Gehör wöchentlich nur während einer Stunde zugemutet werden, wenn man nicht einen bleibenden Hörverlust oder Tinnitus in Kauf nehmen will. Die kurzzeitigen Maximalpegel erreichten bis 109 dB(A). Als noch brisanter erwies sich ein MP3-Player mit einem nachgerüsteten Ohrhörer: Hier wurde ein Dauerschallpegel von 109 dB(A) und Maximalpegel bis 116 dB(A) gemessen. Die hohen Schallpegel waren kaum mit Verzerrungen verbunden, welche die Benützer abschrecken und zum Zurückschrauben der Lautstärke bewegen würden. Diese Resultate sind bedenklich - und überraschend, weil die europäische Norm 50332 nur einen Maximalpegel von 100 dB(A) zulässt, der in Frankreich sogar gesetzlich festgelegt ist.
Musik ist lauter als das Testgeräusch
Deshalb hat die Suva für die TV-Konsumentenmagazine "Kassensturz" und "A bon entendeur" zehn der in der Schweiz meistverkauften MP3-Geräte nach der Euronorm 50332 getestet. Acht der zehn Geräte hielten mit dem Testgeräusch den Grenzwert ein. Mit aktueller Musik von Robbie Williams, Green Day oder Tokio Hotel erreichten aber auch diese Geräte Dauerschallpegel von über 100 dB(A). Die Erklärung liegt in der Norm, die ein standardisiertes Testgeräusch statt Musik verwendet. Die Norm geht davon aus, dass der Dauerschallpegel von Musik rund 10 dB unter dem Pegel des Testgeräusches liege, was früher auch zutraf. Aktuelle Musik wird aber so aufbereitet, dass sie möglichst laut wirkt und die digitale Aufzeichnung voll ausnützt. So erreicht diese Musik sogar höhere Dauerschallpegel als das Testgeräusch.
Hördauer und Lautstärke reduzieren
Die hohen Schallpegel belasten das Gehör stark und können bereits nach wenigen Stunden Hördauer pro Woche zu bleibenden Hörschäden führen, wie beispielsweise Höreinbussen oder Tinnitus. Die Suva empfiehlt deshalb, Musik bei voll aufgedrehter Lautstärke zu vermeiden oder nur kurzzeitig zu hören. Wichtig ist, nicht nur dem MP3-Player zuzuhören, sondern auch den eigenen Ohren. Rauscht oder pfeift da was? Oder höre ich das Ticken einer Uhr nach dem Musikhören weniger gut als vorher? Das sind Anzeichen einer Gehörüberlastung. Dann muss die Lautstärke unbedingt zurückgeschraubt werden.
Weitere Informationen zu MP3-Playern
Mehr zu den Messungen an MP3-Playern heute abend um 21.05 Uhr im KonsumentInnenmagazin „Kassensturz“ auf SF 1.
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Dr. sc. techn. ETH Beat Hohmann
Bereich Physik, Suva, Rösslimattstrasse. 39, 6002 Luzern,
Tel. 041/419 54 94, Fax 041/419, 62 13
E-Mail: beat.hohmann@suva.ch 

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Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts versichert die Suva rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet nicht gewinnorientiert und erhält keine Subventionen. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten. Per 1. Juli 2005 wurde der Suva auch die Führung der Militärversicherung übertragen.