Round-Table-Gespräch der Suva zum Thema Asbest

Damit auch heimgekehrte italienische Arbeiter bei Verdacht auf eine Asbest bedingte Berufskrankheit umfassend über die ihnen zustehenden Leistungen Bescheid wissen, lud die Suva Arbeitnehmervertreter aus Italien und der Schweiz zu einem Gedankenaustausch nach Lugano ein.

Bestimmte asbestbedingte Berufskrankheiten haben eine lange Latenzzeit. Italienische Arbeitnehmer, welche früher in der Schweiz beruflich mit Asbest in Kontakt kamen, erkranken zum Teil erst lange nach der Rückkehr in ihre Heimat. Diese Betroffenen haben bei Vorliegen asbestbedingter Berufskrankheiten ebenfalls Anspruch auf Versicherungsleistungen der Suva. Darüber hinaus können sie in den Genuss von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen kommen. Da die Mitarbeitenden eines Betriebes kollektiv beim Arbeitnehmer gegen Unfälle und Berufskrankheiten versichert sind, kennt die Suva die einzelnen versicherten Personen nicht namentlich. Bei Arbeitnehmern, die in der medizinischen Vorsorge standen, sind zwar die Namen, nicht aber deren Wohnadresse bekannt. An die Arbeitnehmerorganisationen erging deshalb der Aufruf, mögliche Betroffene zu informieren und so den Kontakt mit der Suva herzustellen.

Obwohl zu zahlreichen betroffenen Personen in Italien Kontakte bestehen – z.B. über die erwähnten medizinischen Vorsorgeuntersuchungen oder auch die italienische Unfallversicherung Istituto Nazionale per l’Assicurazione contro gli Infortuni sul Lavoro (INAIL) -, kann nicht ausgeschlossen werden, dass nicht alle ehemals in der Schweiz Asbest exponierten italienischen Arbeitnehmer über die möglichen Leistungen und das Angebot der medizinischen Vorsorge der Suva informiert sind. Um diese Lücke zu schliessen, hat die Suva heute zu einer Informationsveranstaltung nach Lugano eingeladen.
Gemeinsam nach Lösungen suchen
Neben Vertretern von italienischen und schweizerischen Arbeitnehmerorganisationen sowie der italienischen Unfallversicherung INAIL waren am Round-Table-Gespräch in Lugano auch Vertreter von weiteren Fachorganisationen sowie Betroffenen-Vereinigungen anwesend. Spezialisten der Suva informierten die Teilnehmer über den Werkstoff Asbest und seine Risiken sowie über die arbeitsmedizinische Vorsorge. Es wurde erklärt, welche Leistungen durch die Versicherung bestehen und welche Rechte jemand hat, der wegen einer früheren Asbestexposition erkrankt. Im Falle des bösartigen Brustfellkrebs (Mesotheliom) wies die Suva auf die neue Regelung bei der Integritätsentschädigung hin. Betroffene erhalten demnach die Hälfte der Entschädigung als Vorschuss bereits sechs Monate nach Ausbruch der Krankheit. Nach weiteren 12 Monaten haben sie Anspruch auf die ganze ihnen zustehende Integritätsentschädigung.

Mit der Informationsveranstaltung nimmt die Suva ihre Verantwortung beim Arbeitnehmerschutz wahr. Für Edouard Currat, Mitglied der Geschäftsleitung, erfüllt der Anlass ein weiteres zentrales Anliegen: „Der Dialog am runden Tisch zeigt den Willen aller Beteiligter, gemeinsam unvoreingenommen nach Lösungen zu suchen.“ Die tragischen Umstände, die bei vielen Personen zu einer Asbestexposition führte, lassen sich nicht mehr ungeschehen machen. War es früher die Aufgabe des Arbeitgebers, seine Beschäftigten umfassend auf die Gefahren am Arbeitsplatz aufmerksam zu machen, so mag dieses Wissen über die Rechte bei den ehemals Asebest exponierten Personen heute in Vergessenheit geraten sein. Die Suva engagiert sich deshalb, die Folgen zu mildern und dafür zu sorgen, dass die betroffenen Arbeitnehmer zu ihrem Recht kommen. Hierbei spielt die Information - über die Grenzen hinweg - eine zentrale Rolle. Die heutige Informationsveranstaltung in Lugano war für alle Beteiligten ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Fakten und Zahlen zu Asbest
Asbest bezeichnet eine Gruppe von mineralischen Fasern, die in bestimmten Gesteinen vorkommen. Dank seiner einzigartigen Eigenschaften wurde Asbest in Industrie und Technik vielfältig eingesetzt, z.B. für Brandschutzanwendungen und Isolationen. Seit 1990 gilt in der Schweiz ein Asbestverbot.

1939 anerkannte die Suva erstmals die Asbestose als Berufskrankheit. Bis heute sind in der Schweiz 1635 Personen an Asbest bedingten Berufskrankheiten erkrankt, darunter 750 am besonders gefährlichen Mesotheliom. Jährlich werden der Suva zwischen 60 und 70 Fälle von ehemals Asbest exponierten Arbeitnehmenden gemeldet, die an einem Mesotheliom erkrankt sind. Seit 1984 – dem Inkrafttreten des Unfallversicherungsgesetzes – hat die Suva für Asbest bedingte Berufskrankheiten Versicherungsleistungen an Betroffene in der Höhe von über 377 Millionen Franken ausgerichtet.

Weitere Informationen zum Thema Asbest 
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Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts versichert die Suva rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet nicht gewinnorientiert und erhält keine Subventionen. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten. Per 1. Juli 2005 wurde der Suva auch die Führung der Militärversicherung übertragen.