Fachtagung der Suva zum Thema New Case Management

Von einer erfolgreichen Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess nach einem Unfall profitieren alle: Der Verunfallte und sein persönliches Umfeld, der Arbeitgeber, aber auch die Unfallversicherung. Zur Win-win-Situation kommt es jedoch nur, wenn sich alle Beteiligten für dieses Ziel einsetzen. Dies zeigte eine Fachtagung der Suva in Olten.

Es war eine kleine Unaufmerksamkeit, doch die Folgen sind für Beat Rickli fatal: Eine schwere Schnittverletzung am Oberarm im Sommer 2005 führt zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust. Nach der Erstversorgung durch die Betriebssanitäter und das Regionalspital Langenthal wird der Verunfallte ins Inselspital Bern geflogen und dort operiert. Für Beat Rickli ist sofort klar, dass er die Arbeit bei Glas Trösch Swisslamex in Bützberg unbedingt wieder aufnehmen will. Er macht zu Hause selbständig Beweglichkeitsübungen und leichtes Krafttraining.

Schon sehr früh nimmt Brigitte Fluri, Case Managerin der Suva Solothurn, Kontakt mit dem Verunfallten und seinem Arbeitgeber auf. Dieser signalisiert von Beginn an seine Bereitschaft zur Wiedereingliederung. Es ist ihm wichtig, den langjährigen und erfahrenen Mitarbeiter nicht zu verlieren. Heute arbeitet Beat Rickli wieder zu 100 Prozent in seinem bisherigen Umfeld.
Case Management ist Teamarbeit
Dieses Beispiel zeigt, wie das Case Management - die ganzheitliche Betreuung - zum Erfolg führt: Arbeitnehmer, Arbeitgeber, behandelnde Ärzte und die Suva suchen nach der optimalen Lösung. Ziel ist die Wiederaufnahme der Arbeit. So haben alle einen Nutzen. Eine entscheidende Rolle bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess spielen die Arbeitgeber. Nicht immer ist ihnen bewusst, welche Folgekosten ein Unfall verursacht. Denn neben den Ausfallkosten, welche durch die Unfallversicherung gedeckt sind, entstehen erhebliche indirekte Kosten. Verunfallte hinterlassen Lücken am Arbeitsplatz, das Know-how fehlt, Ersatz muss teuer eingekauft werden, Lieferengpässe können die Folge sein, eventuell stehen Kundenbeziehungen auf dem Spiel. All das übersteigt die reinen Unfallkosten um ein Mehrfaches.
Alle müssen am selben Strick ziehen
Die Fachtagung in Olten zeigte eines: Wiedereingliederung kann nur erfolgreich sein, wenn der Wille aller Beteiligten vorhanden ist und diese am gleichen Strick ziehen. Die Suva hat schon vor längerer Zeit erkannt, dass ein kleiner Teil der Unfälle nicht nur zu grossem menschlichen Leid führt, sondern auch besonders kostenintensiv ist. Fünf Prozent der Unfälle machen 80 Prozent aller Versicherungskosten aus. Im Jahr 2003 hat sie deshalb das New Case Management (NCM) eingeführt. Der Schwerpunkt liegt bei der Betreuung von Verunfallten, welche aus beruflichen, familiären oder sozialen Gründen in eine schwierige Situation geraten. Oft ist hier ohne zusätzliche Unterstützung eine Wieder-aufnahme der Arbeit nicht möglich.
Case Manager als Drehscheibe
Eine zentrale Rolle spielen die Case Manager, speziell ausgebildete Versicherungsspezialisten der Suva. Sie sind die zentrale Drehscheibe und koordinieren die Wiedereingliederungsbemühungen. Entscheidend beim NCM ist ein rascher Erstkontakt mit dem Verunfallten und dessen Arbeitgeber. Im gemeinsamen Gespräch eröffnen sich so die besten Lösungen. „Das Wichtigste bei der Wiedereingliederung ist der Wille und die Motivation des Versicherten“, sagt Brigitte Fluri, Case Managerin der Suva Solothurn. „Zudem ist die Mitarbeit des Arbeitgebers von grosser Bedeutung, vor allem dessen Einsicht, dass ein Verunfallter auch eingesetzt werden kann, wenn er noch nicht voll leistungsfähig ist.“
Wiedereingliederung nützt allen
Immer mehr wächst die Einsicht, dass auch das Unternehmen einen Gewinn hat, wenn der verunfallte Arbeitnehmer seine Arbeit im angestammten Betrieb wieder aufnehmen kann. Kurt Holenweg, Produktionsleiter der Firma Glas Trösch AG Swisslamex: „Es hat sich beim Fall Beat Rickli eindeutig gezeigt, dass durch schnelle Eingliederung des Mitarbeiters alle Parteien profitieren, konnte er doch bereits nach einem Monat wieder leichtere Arbeiten im Betrieb ausführen.“

Vielversprechend sind auch die Zahlen. Wie Willi Morger, Mitglied der Geschäftsleitung Suva darlegte, sind die Neurenten bei der Suva in den Jahren 2004 und 2005 um insgesamt rund 20 Prozent gesunken. Die positive Tendenz hat sich auch in den ersten Monaten des Jahres 2006 fortgesetzt. So konnten zahlreiche Verunfallte dank Bemühungen zur Wiedereingliederung im Arbeitsprozess bleiben.
Die Suva Solothurn
Die Suva Solothurn ist eine von 19 Agenturen der Suva. Das Einzugsgebiet umfasst den westlichen Teil des Kantons Solothurn und Teile des Kantons Bern. Die Suva Solothurn versichert 4'000 Unternehmen mit rund 54'000 Arbeitnehmenden. Die 40 Mitarbeitenden unter der Leitung von Kilian Bärtschi bearbeiten jährlich 14'000 Unfälle. Davon sind 130 Verunfallte, die aus beruflichen, familiären oder sozialen Gründen in eine schwierige Situation geraten und deshalb eine umfassende Betreuung nach dem Ansatz des New Case Management erhalten. Die Suva Solothurn richtet pro Jahr 84 Millionen Franken Versicherungsleistungen aus (Heilkosten, Taggelder, Renten).
Weitere Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Erich Wiederkehr, Public Relations, Suva, Fluhmattstrasse 1, 6002 Luzern,
Tel. 041 419 56 23, Fax 041 419 60 62, E-Mail: erich.wiederkehr@suva.ch 

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Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts versichert die Suva rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet nicht gewinnorientiert und erhält keine Subventionen. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten. Per 1. Juli 2005 wurde der Suva auch die Führung der Militärversicherung übertragen.