Die Unternehmenskultur im Mittelpunkt

Das 5. Nationale Diskussionsforum über berufsassoziierte Gesundheitsstörungen legte das Hauptgewicht auf eine oftmals vernachlässigte Führungsverantwortung: die Unternehmenskultur.

Die berufsassoziierten Gesundheitsstörungen sind komplex und vielschichtig: Sie hängen von den Arbeitsbedingungen ebenso wie den persönlichen Umständen ab. Es handelt sich deshalb nicht um Berufskrankheiten im klassischen Sinne. Die Fachleute stimmen darin überein, dass es unmöglich ist, diese Störungen einer spezifischen Ursache kausal zuzuordnen.

Sind meine Nackenschmerzen auf meine schlechte Körperhaltung und auf die durch Zeitdruck ausgelöste Anspannung oder auf meinen Schlafmangel und meine privaten Sorgen zurückzuführen? Das Beantworten dieser Frage führt in eine medizinische, rechtliche und versicherungstechnische Sackgasse, was anlässlich der ersten Foren klar zum Ausdruck kam. Es stellte sich folglich die einfache Frage: „Was kann ich, insbesondere an meinem Arbeitsplatz, zur Vorbeugung dieser Störungen beitragen?“
Wie gelingt die Rückkehr zur Arbeit?
Um auf dieses Thema einzugehen, lud die Suva Präventions- und Gesundheitsförderungsspezialisten, Versicherer und Sozialpartner zum 5. Nationalen Forum ein, welches am vergangenen 29. November in Bern im Zentrum Paul Klee, einem wegen seiner Symbolik gewählten Ort, stattfand.

Der anlässlich dieses Forums zitierte Professor Gordon Waddel sagt, dass „die Gesundheitsfachleute die Arbeit eher als ein Problem denn als Lösungsziel oder Teil der Lösung ansehen. Das ist offensichtlich falsch! Im Allgemeinen wirkt Arbeit therapeutisch und stellt einen wichtigen Teil der beruflichen Wiedereingliederung dar“. Diese Aussage steht im Zentrum der Studie „Chronische Rückenschmerzen und Arbeit: Wie gelingt die Rückkehr zur Arbeit?“, die an der Tagung präsentiert und vom Schweizerischen Nationalfonds für die wissenschaftliche Forschung und der Suva finanziert wurde.

Sowohl Ivars Udris, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich, als auch der Arzt Thomas Läubli betonten, dass „das Arbeitsklima und die Kommunikation zwischen den Leuten von zentraler Bedeutung sind.“ Denn die Unternehmenskultur ist massgebend für die Beseitigung der negativen Belastungen, die sich aus der subtilen Kombination biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren ergeben. Wie? Indem ein Gleichgewicht zwischen den Fähigkeiten des Arbeitnehmers und den Arbeitsanforderungen gefunden wird.
Quick Analyse
Für KMU bestimmt, ist „Quick Analyse“ ein einfaches und schnelles Präventions-instrument, ein „Messinstrument der Unternehmenskultur“. Die Analyse verlangt von den Mitwirkenden ehrlich zu sein und das Kind beim Namen zu nennen: Keine Wertungen, aber Wahrnehmungen, die Emotion und Objektivität miteinender verbinden. Sie zeigt die Übereinstimmungen und Gegensätzlichkeiten zwischen der Geschäftsleitung und dem Personal auf, hebt Einigkeit oder Uneinigkeit bei den Zielsetzungen hervor und ermöglicht das Festlegen von Prioritäten mit dem folgenden obersten Ziel: „Bei uns gibt es keine berufsassoziierten Gesundheitsstörungen!“.

Von der Suva finanziert und von Thomas Braun (Institut für angewandte Morphologie IAM) entwickelt, zeigt die Analyse bereits Wirkung, so bei Romag AG in Düdingen, Hess Druck in Märstetten, Nutriswiss AG in Lyss und dem Bauamt der Stadt Bern, um nur einige Firmen zu nennen.
www.stressnostress.ch
Ein weiteres Instrument, das Betrieben und Privaten zur Verfügung steht, ist die Internetadresse www.stressnostress.ch , welche eine Selbstbeurteilung der Stresswahrnehmung ermöglicht. Nebst Informationen über die Ursachen und Signale dieses Anspannungszustandes liefert die Website zwei Checklisten (eine persönliche und eine für Führungsverantwortliche) zum Stressabbau und zur Stressprävention am Arbeitsplatz. Der höchst subjektive Begriff Stress kann sowohl mit Über- als auch mit Unterforderung, mit zu viel oder zu wenig Verantwortung, mit Handlungsfreiraum oder seinem Gegenteil in Verbindung gebracht werden, kurz: die Arbeitszufriedenheit hängt vom Betriebsklima ab!

Gesundheit bedeutet offensichtlich nicht nur das Fehlen von Krankheit oder krankmachendem Stress.
Rolle der Sozialpartner
Schliesslich stellte Prof. Dr. Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, das umfangreiche Projekt der Gesundheitsprävention bei den rund 40'000 Bundesangestellten vor und unterstrich dabei, dass „die psychischen Beanspruchungen momentan die grösste Herausforderung darstellen“.

Die Absenzen infolge Unfall oder Krankheit kosten die Eidgenossenschaft jedes Jahr an die 50 Millionen Franken. Bei mehr als jeder dritten Krankheit werden psychische Störungen diagnostiziert. Das Personal der Bundesverwaltung gibt die folgenden häufigsten Gründe dafür an: Stress, Unsicherheit im Zusammenhang mit Veränderungen, Arbeitsklima, Arbeitsbedingungen und Belästigung.

Die Programmziele sind legitim: Verbesserung von Gesundheit und Arbeitszufriedenheit, Optimierung der Lebensarbeitszeit und Senkung der Abwesenheiten um 10% bis ins Jahr 2010. Um dies zu erreichen ist die Rolle der Sozialpartner massgebend. Bei berufsassoziierten Gesundheitsstörungen soll der Dialog an die Stelle der Konfrontation treten.

Das diesjährige Forum hat es in vielfacher Hinsicht klar aufgezeigt: berufsassoziierte Gesundheitsstörungen senken zu wollen bedeutet, ein offenes Ohr für sein Personal - das wichtigste Kapital des Betriebs - zu haben. Mit anderen Worten: die Kultur seines Unternehmens zu pflegen.
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Henri Mathis, Suva, Public Relations Suva Westschweiz, Fribourg
Tel. 026 350 37 80, Natel 079 321 89 33, E-Mail: henri.mathis@suva.ch 

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Die Suva ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Im Auftrag des Bundes führt sie auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet selbsttragend, ohne Subventionen. Gewinne kommen den Versicherten zugute. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten.