Suva-Studie zeigt erstmals, wie MP3-Geräte angewendet werden

Vor einem Jahr hat die Suva MP3-Geräte getestet und festgestellt, dass sie Lautstärken von deutlich über 100 Dezibel erreichen. Wer über längere Zeit Musik in dieser Lautstärke hört, gefährdet sein Gehör. Eine Studie der Suva zeigt nun erstmals, wie die Benutzer mit dem MP3-Player umgehen.

MP3-Player wie z.B. iPod, iRiver, Creative Zen usw. sind mehr als simple Musikwiedergabegeräte: es sind technische Wunderwerke auf Kleinstformat. Sie zeichnen sich nicht nur durch ein modernes Design aus, sie sind ultra-kompakt und verfügen über eine hohe Speicherkapazität; und dies bei einer hohen Klangqualität und einer langen Betriebsdauer. Wenn da nur eines nicht wäre: der zu hohe Schallpegel in den Ohrhörern.

Vor einem Jahr hat die Suva verschiedene MP3-Player getestet, die auf dem Schweizer Markt erhältlich sind. Dabei wurde festgestellt, dass die Geräte mehrheitlich der europäischen Norm entsprechen. Trotzdem erreicht der Musikschallpegel deutlich über 100 Dezibel, was etwa dem Lärm einer Motorkettensäge entspricht. Solche Lautstärke darf dem Gehör nur während einer Stunde pro Woche zugemutet werden. Der geringe Stromverbrauch und der grosse Musikvorrat ermöglichen jedoch viel längere Abspielzeiten, als dies einst mit Walkman- oder Discman-Geräten der Fall war. Entscheidend für die Gefährdung des Gehörs ist aber nicht alleine die Leistungsfähigkeit der Geräte, sondern vor allem auch das Hörverhalten der Benutzer. Deshalb testete die Suva erstmals, wie laut und wie lange Jugendliche heute Musik mit ihrem MP3-Player hören.
Nur wenig Jugendliche hören viel zu laute Musik
In Zürich¹, in Ftan im Engadin und im waadtländischen Payerne wurden in den letzten Monaten rund 450 Schüler befragt. Dabei wurde auch ihr bevorzugter Schallpegel beim Musikhören gemessen. Dies analog zur Walkman-Studie der Suva von 1996. Die Resultate sind verblüffend: die Jugendlichen wählen mehrheitlich „vernünftige“ Schallpegel um 80 Dezibel, was leicht unter den Werten von 1996 liegt. Hingegen hat sich die durchschnittliche Hördauer mit rund 100 Minuten pro Tag gegenüber 1996 verdoppelt. Beat Hohmann, Leiter Bereich Physik bei der Suva, erklärt: „Insgesamt gehen die MP3-Benutzer heute etwa dasselbe Risiko ein wie ihre Vorgänger mit dem Walkman vor zehn Jahren. Nur gerade sieben Prozent der Befragten - darunter doppelt so viele Jungen wie Mädchen - hören mit ihrem MP3-Gerät so lange und so laut Musik, dass sie mit einem Lärmexpositionspegel über 85 dB(A) ihr Gehör aufs Spiel setzen. Der Einzelne kann nur schwer abschätzen, ob er zur gefährdeten Gruppe gehört.“
Spitzenprodukte mit Schwächen
Gerade hier versagen nämlich die hoch entwickelten MP3-Spieler. Mit ihren rudimentären Lautstärkeanzeigen – grafische Balken ohne Skala oder willkürliche Ziffern von 1 bis 20 – lassen sie den Benutzer im Ungewissen über den Schallpegel im Ohr. Dabei könnten sie - ähnlich dem Bordcomputer im Auto - den Durchschnittspegel errechnen und warnen, bevor die Reserven des Gehörs zur Neige gehen.

¹ Oliver Wietlisbach: Gehörgefährdung durch MP3-Player, Institut für Umweltwissenschaften, Uni Zürich
Damit es nicht ins Ohr geht: die Tipps der Suva
Die Suva hat die Lautstärkeregler verschiedener Geräte gemessen und die je nach Einstellung zulässige Hördauer ermittelt. Bei einem MP3-Gerät nach Euro-Norm mit Originalhörern und mit aktueller, auf maximale Lautstärke getrimmter Musik gelten folgende Anhaltswerte. Wobei anzumerken ist, dass klassische Musik gehörverträglicher ist.
Einstellung pro maximale Hördauer
  • bei Maximallautstärke (100 %) 1 Stunde pro Woche
  • bei 9/10 (90 %) der Lautstärkeanzeige 3 Stunden pro Woche
  • bei 4/5 (80 %) der Lautstärkeanzeige 10 Stunden pro Woche
  • bei 3/5 (60 %) der Lautstärkeanzeige beliebig lang

Das heisst zum Beispiel, dass mit einem MP3-Spieler, dessen Lautstärkeskala von 0 bis 20 reicht, in der Einstellung 16 während zehn Stunden pro Woche Musik gehört werden kann, ohne dass das Gehör darunter leidet. Abschliessend empfiehlt Beat Hohmann „Wichtig ist, nicht nur dem MP3-Player zuzuhören, sondern auch den eigenen Ohren. Rauscht oder pfeift da etwas? Dann muss die Lautstärke unbedingt zurückgeschraubt werden.“

Weitere Auskünfte an Medienschaffende erteilen:

Dr. sc. techn. ETH Beat Hohmann, Leiter Bereich Physik, Suva, Rösslimattstrasse 39, 6002 Luzern,
Tel. 041/419 54 94, Fax 041 419 62 13, beat.hohmann@suva.ch 

Angela Zobrist, Public Relations, Suva, Fluhmattstrasse 1, 6002 Luzern,
Tel. 041 419 54 76, Fax 041 419 60 62, angela.zobrist@suva.ch 

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Die Suva ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Im Auftrag des Bundes führt sie auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet selbsttragend, ohne Subventionen. Gewinne kommen den Versicherten zugute. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten.