ETH/HSG: Suva wegweisend in der Prävention

Studie sieht Versicherungen als optimale Risikomanager. Eine gemeinsame Studie der ETH und der HSG belegt: Versicherungen verfügen dank bestehenden Vertriebskanälen über eine ideale Ausgangslage für die Vermittlung von Präventionsinhalten. Besonders gut positioniert ist die Suva, die als grösste Unfallversicherung der Schweiz 1,8 Millionen Arbeitnehmende versichert. Die Pionierin bei der Umsetzung von Unfall-Präventionsprogrammen gilt als Best Practice im In- und Ausland.

Eine Studie des Insurance Lab – einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der ETH Zürich und der Universität St. Gallen – hat im Auftrag der Suva das Zusammenspiel von Versicherung und Prävention im Schweizer Versicherungsmarkt untersucht. Dies vor dem Hintergrund, dass aufgrund sinkender Kosten für präventive Interventionen professionelle Prävention zunehmend in den Fokus der Versicherer gerät.

Für die Studienleiter Stefan Zanetti und Mario Bernasconi ist klar: «Für die Versicherten ist es nachweislich logisch, dass sich ihr Versicherer auch mit Prävention befasst». Gemäss der Studie stellen die Versicherer eine Art Frühwarnsystem sicher. Ihr konkretes Wissen über das laufende Schadengeschehen kann als zentraler Wettbewerbsvorteil hinsichtlich Prävention beurteilt werden. Darüber hinaus verfügen Versicherungen über die erforderlichen Vertriebskanäle, um Präventionsinhalte effizient zu übermitteln.

Suva ist Benchmark

Was die Suva anbelangt, kommt die Studie zum Schluss, dass diese seit Jahren demonstriere, wie Prävention und Versicherung optimal zum Nutzen aller Anspruchsgruppen verbunden werden können. Die Suva sieht denn auch im Produktemix aus Prävention, Versicherung und Rehabilitation einen ihrer grössten Erfolgsfaktoren.

Anders als reine Präventionsdienstleister verfügt die Suva als Versicherer über einen direkten Kontakt zu ihren Kunden und über die entsprechenden Vertriebskanäle. Der Zugang zu über 100’000 Unternehmen mit rund 1,8 Millionen Arbeitnehmenden in der ganzen Schweiz ermöglicht Effektivitätsgewinne beim Transfer der Präventionsinhalte.

Dank laufender Analyse der Entwicklung von Schadenfällen sind Versicherungen in der Lage, die Wirksamkeit von Präventionsmassnahmen regelmässig zu überprüfen. Dadurch, dass die Schadenbewältigungskosten und die Gestaltung von Präventionsprogrammen bei derselben Trägerschaft angesiedelt sind, ist gemäss der Studie ein wesentlicher Erfolgsfaktor erfüllt, damit die in die Prävention investierten Gelder kostenbewusst und zielgerichtet eingesetzt werden.

Besonders gut schneiden in diesem Punkt die beiden öffentlich-rechtlichen Institutionen Gebäudeversicherung und Suva ab.

Suva ist Risikomanagement-Dienstleister

Die Autoren der Studie zeigen auch auf, welche weiteren Erfolgsfaktoren berücksichtigt werden müssen und welche Herausforderungen sich bei der Implementierung von Präventionsprogrammen via Versicherer ergeben. Sie weisen im Speziellen darauf hin, dass bezüglich der Wirksamkeitsmessung präventiver Massnahmen bei allen Versicherern noch Optimierungspotenzial vorhanden ist.

Insgesamt kommt die Studie jedoch zum Schluss, dass die Suva in praktisch allen erfolgsrelevanten Dimensionen bezüglich Prävention mehr Ressourcen, mehr Fähigkeiten und professionellere Strukturen einsetzt als die übrigen Schweizer Versicherer. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Suva vom Versicherer zum innovativen, integrierten Risikomanagement-Dienstleister entwickelt. Im Bereich der Prävention setzt die Suva einen Benchmark in der Versicherungswirtschaft und übernimmt eine Vorreiterrolle, wenn es um Positionierungsfragen rund um Prävention und die wirkungsvolle Umsetzung von Präventionsprogrammen geht.

Die Autoren der Studie empfehlen der Suva, die heutigen Erfahrungen in der Prävention systematisch um neue Präventionspotenziale zu ergänzen. Mit ausgeklügelteren Messinstrumenten könnte die Wirksamkeit von Präventionsprogrammen noch gezielter gesteuert werden. Aus Sicht übergeordneter Ziele der Prävention wäre zu prüfen, die Suva-Präventionsprogramme zu standardisieren und anderen Versicherern in der Schweiz und im Ausland zur Verfügung zu stellen.

Wirkung der Prävention

Die Suva ist auf den verschiedensten Gebieten in der Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten aktiv Beispiele für die Prävention und ihre Wirkung:

  • Die Atemwegserkrankungen durch Isocyanate sind seit Anfang der 1990er-Jahre um 45 Prozent zurückgegangen
  • Die Berufskrankheiten der Haut generell gehen zurück. Seit Anfang der 1990er-Jahre beträgt der Rückgang 43 Prozent
  • Vergiftungen durch Blei oder Quecksilber sind praktisch verschwunden
  • Hatten 1973 noch 40 Prozent der untersuchten Arbeitnehmenden, welche beruflich starkem Lärm ausgesetzt waren, eine beruflich bedingte Lärmschwerhörigkeit, sind dies heute – dank systematischer Kontrolle im Audiomobil der Suva und dem Einsatz von Gehörschutz noch zehn Prozent.
  • Eine Sicherheitskampagne nach dem Sturm Vivian im Jahr 1990 liess die Unfälle bei Forstarbeitern von ehemals fast 450 jährlichen Unfällen pro 1000 Vollbeschäftigte auf unter 300 Unfälle zurückgehen, d.h. um rund einen Drittel.
  • Bei Grümpelturnieren, welche die Suva unterstützt (u.a. mit ausgebildeten Schiedsrichtern) ereignen sich halb so viele Unfälle wie bei den übrigen Turnieren.
  • Seit Beginn der gemeinsam mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) durchgeführten Velohelmkampagne vor 20 Jahren ist die Helmtragquote auf fast 40 Prozent gestiegen, die Zahl der schweren Kopfverletzung hingegen ist zurückgegangen. Die Suva geht von jährlichen Einsparungen bei den Versicherungsleistungen von gegen 50 Millionen Franken aus.

(Daten: Suva-Statistiken)

Insurance Lab

Das Insurance Lab (I-Lab, www.i-lab.ch) ist eine Forschungseinheit des Departements Management, Technologie und Ökonomie und des Instituts für Pervasive Computing der ETH Zürich sowie des Instituts für Technologiemanagement und des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen (HSG). Die in sog. «Labs» organisierten gemeinsamen Forschungseinheiten arbeiten seit Jahren im Auftrag von Industriepartnern. Die Labs sind in ein weltweites Netzwerk renommierter Forschungsorganisationen eingebunden, zu denen das MIT (USA), die Universität Cambridge (GB) sowie weitere Partner in Asien und Australien zählen.

Kontakt für Medienschaffende:

Suva:

Erich Wiederkehr, Public Relations, Suva, Fluhmattstrasse 1, 6002 Luzern, Tel. 041 419 56 23, erich.wiederkehr@suva.ch

Studienersteller:

Stefan Zanetti, I-Lab, Departement MTEC, ETH Zürich SOW, Sonneggstrasse 63, 8092 Zürich, Tel. 079 635 61 00

 

Die Suva ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,8 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Im Auftrag des Bundes führt sie auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet selbsttragend, ohne Subventionen. Gewinne kommen den Versicherten zugute. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten.

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