Unfallrisiko im Tunnelbau: minus 40 Prozent

Dank der verstärkten Sicherheitsbemühungen aller Beteiligten ist das Unfallrisiko im Untertagbau seit 1996, dem Start der Arbeiten für den Gotthard-Basistunnel, um 40 Prozent gesunken; trotz der Komplexität dieses Projektes und der grossen Gefährdungen. Dies wurde an einer Medienkonferenz der Suva auf der Baustelle des Gotthard-Basistunnels in Erstfeld bekannt gegeben.

Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern, Arbeitnehmenden, Bauherrschaft und der Suva zeigt Wirkung: Obwohl sich die Zahl der Beschäftigten im schweizerischen Tunnelbau seit Beginn der NEAT-Projekte 1996 verdoppelt hat, ist die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle nicht angestiegen. Seit dem Projektstart vor zwölf Jahren ereigneten sich zwölf Todesfälle, sieben davon im Zusammenhang mit Pneu- und Schienenfahrzeugen. Das Unfallrisiko im Tunnelbau sank von damals ca. 400 Unfällen pro 1000 Beschäftigte und Jahr auf 229 im Jahr 2007. Dies bedeutet eine Reduktion um mehr als 40 Prozent. Damit hat sich das Unfallrisiko im Tunnelbau dem Durchschnitt des allgemeinen Baugewerbes angenähert, die Unfälle haben jedoch immer noch deutlich schwerere Folgen als auf normalen Baustellen.

Grosse Herausforderungen im Untertagbau

Die Liste der Gefahren, denen Tunnelbauer bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind, ist lang. An erster Stelle stehen Unfälle mit Fahrzeugen und Maschinen. Gefürchtet sind aber auch Gesteinsniederbrüche oder Brände mit Rauchentwicklung. Weitere Gesundheits-gefährdungen entstehen durch Quarzstaub, Russpartikel aus Dieselmotoren, Sprengschwaden, Bauchemikalien, aber auch durch Lärm, Vibrationen, körperliche Beanspruchung und Schichtarbeit.

Eine besondere Herausforderung im Untertagbau ist die Hitze, denn im Gotthard-Basistunnel - bis zu 2000 Meter unter der Erdoberfläche - werden Gebirgstemperaturen um die 50 Grad erwartet. Maschinen, Fahrzeuge und die Abbindewärme des Betons geben zusätzlich Wärme ab. Zusammen mit dem Bergwasser bewirkt dies ein feuchtwarmes Klima. Um die Arbeitnehmer keinem erheblichen Gesundheitsrisiko auszusetzen, darf die Temperatur am Arbeitsplatz im Untertagbau 28 Grad nicht überschreiten. Dies erfordert aufwändige und technisch anspruchsvolle Kühlmassnahmen.

Arbeitssicherheit als Teil der Planung

Die Gefährdungen im Tunnelbau verlangen umfassende Massnahmen zum Schutz der Arbeitnehmenden. Gemäss Unfallversicherungsgesetz ist der Arbeitgeber für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeitenden verantwortlich. Beim komplexen Bauprojekt NEAT wurden die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz bereits in der Planung berücksichtigt. Zudem suchten Bauherrschaft und Suva frühzeitig die Zusammenarbeit. Werner Zeder, stellvertretender Leiter Tunnel- und Trasseebau der AlpTransit Gotthard AG bestätigt: «Wir haben die Suva von Anfang an als kompetente und professionelle Partnerin wahrgenommen. Die Suva hat uns und die Unternehmer dabei unterstützt, die Risiken für die Mitarbeitenden zu senken.»

Mit dem Bauprojekt des Gotthard- Basistunnels wurde in verschiedener Hinsicht Neuland betreten, da noch nie ein Verkehrstunnel in dieser Länge und Komplexität realisiert wurde. Gut ausgebildete Sicherheitsbeauftragte der beteiligten Unternehmen haben eine zentrale Funktion. Voraussetzung ist allerdings eine Sicherheitskultur, die sich entwickeln muss und nicht einfach verordnet werden kann. Hier setzt auch die Präventionsarbeit der Suva an, wie Edouard Currat, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Departements Gesundheitsschutz der Suva, betont: «Arbeitssicherheit ist eine Haltung, die in erster Linie von der Unternehmensleitung gelebt werden muss. Nur so kann in der Prävention eine nachhaltige Wirkung erzielt werden.» Dies bedeutet weniger Unfälle, was den Unternehmen und deren Versicherten in Form von weniger Leid und tieferen Prämien zugute kommt.

Duale Sicherheitsstrategie

Um Berufsunfälle und -krankheiten zu verhüten, verfolgt die Suva eine duale Strategie. Einerseits setzt sie auf technische (z.B. Partikelfilter für Dieselmotoren, Lüftung), organisatorische (z.B. Arbeitsorganisation, Führung) und personenbezogene Massnahmen (z.B. Warnkleidung, Selbstretter-Ausrüstung, Schutzmasken). Andererseits ist sie zuständig für die arbeitsmedizinische Vorsorge. Damit werden Arbeitnehmende mit individuellen Risikofaktoren und einer damit verbundenen erhöhten gesundheitlichen Gefährdung erfasst bzw. Berufskrankheiten – wie z.B. Silikose, Allergien durch Zement etc. – so früh wie möglich erkannt.

Die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung umfasst unter anderem eine Lungenfunktionsprüfung, ein Röntgenbild von Lunge und Herz, eine Belastungsprüfung mit Elektrokardiogramm und einen Gehöruntersuch. Die Arbeitnehmenden der AlpTransit-Baustellen werden bei Stellenantritt und danach in regelmässigen Zeitabständen untersucht. Damit die Fachärzte der Arbeitsmedizin beurteilen können, ob der Versicherte seine Arbeit fortsetzen kann, müssen sie nebst den medizinischen Befunden auch die Arbeitsplatzverhältnisse auf den verschiedenen Baustellen beurteilen können und sind deshalb regelmässig vor Ort. Die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen werden bis zum Abschluss der Bauarbeiten weitergeführt. Sie gestatten es, Arbeitnehmende mit individuellen Risikofaktoren und einer damit verbundenen erhöhten Gefährdung zu erkennen und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen.

Die arbeitsmedizinische Vorsorge der Suva

Gemäss der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten waren 2007 in der Schweiz rund 22 000 Betriebe mit gut 280 000 Arbeitnehmenden der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung unterstellt. Die Suva bestimmt die Art der Untersuchung und überwacht deren Durchführung. Die Fachärztinnen und –ärzte für Arbeitsmedizin der Suva beurteilen, ob die Arbeitnehmenden gefährdet sind. Im Jahr 2007 hat die Suva 81 000 Arbeitnehmende untersucht

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Barbara Salm, Unternehmenskommunikation, Suva, Fluhmattstrasse 1, 6002 Luzern,
Tel. 041 419 50 25, barbara.salm@suva.ch 

Die Suva ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 100'000 Unternehmen bzw. 1,9 Millionen Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Im Auftrag des Bundes führt sie auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Ihre Kunden können kompetente, ergebnisorientierte Arbeit und eine faire, zuvorkommende Behandlung erwarten. Die Suva arbeitet selbsttragend, ohne Subventionen. Gewinne kommen den Versicherten zugute. Im Verwaltungsrat sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund vertreten.

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