Suva: Gut geschlagen trotz schwierigem Umfeld

Die schwierige Lage an den Finanzmärkten wirkte sich auf das Geschäftsergebnis der Suva aus: Die Jahresrechnung 2008 schloss mit einem Verlust von 149,4 Millionen Franken ab. Dennoch sind alle künftigen Leistungen zu 100Prozent gedeckt. Die Nettoprämien können auf den 1.1.2010 sogar um 2 Prozent in der Berufsunfallversicherung bzw. 6 Prozent in der Nichtberufsunfallversicherung gesenkt werden. Wegen des ungenügenden Kapitalertrags muss hingegen der Teuerungszuschlag für die Renten um 4 Prozentpunkte angehoben werden. Insgesamt bleiben damit die Prämien stabil. Der Werkplatz Schweiz wird im derzeitig schwierigen wirtschaftlichen Umfeld nicht durch höhere Prämien belastet.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch die Suva getroffen. Für das Jahr 2008 weist sie eine Performance von –12,2 Prozent auf den Kapitalanlagen (Vorjahr +3,3 Prozent) aus. Die Erträge aus Geld- und Kapitalanlagen sanken von 2,050 Milliarden auf noch 448 Millionen Franken. Insgesamt resultierte im Jahr 2008 aus der Kapitalertragsrechnung ein Negativsaldo von 1423,0 Millionen Franken. Das Anlagevermögen schrumpfte von 31,6 auf 29,3 Milliarden Franken. Die Gesamtrechnung der Suva schloss mit einem Verlust von 149,4 Millionen, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 355 Millionen Franken erzielt worden war.

Anlagestrategie vergleichbar mit Pensionskassen
Aufgrund der Verbindlichkeiten und des Charakters als Sozialversicherung sind die Rahmenbedingungen für die Anlagetätigkeit der Suva mit jenen für Pensionskassen vergleichbar, nicht jedoch mit jenen für Privatversicherungen. Die Anlagestrategie zielt auf eine breite Diversifikation und beinhaltet neben festverzinslichen Papieren einen relativ hohen Anteil von 24 Prozent kotierter Aktien, 12 Prozent Immobilien sowie 14Prozent Alternativanlagen.

Ansprechendes Resultat im Vergleich zum Pictet BVG-Index plus
Die im schwierigen Anlagejahr 2008 ausgewiesene Performance von –12,2 Prozent auf dem Anlagevermögen ist unter Berücksichtigung des hohen strategischen Anteils an Aktien und Sachwertanlagen ansprechend ausgefallen. Der Vergleich mit den Pictet BVG-Index plus Indizes (BVG 25 plus und BVG 40 plus), zwischen denen das Suva-Risikoprofil positioniert ist, verdeutlicht: die Suva konnte beinahe die Performance des Pictet BVG 25 Index plus von –11,5 Prozent erzielen. Damit schnitt sie deutlich besser ab als der Pictet BVG 40 Index plus mit einer Performance von –20,7 Prozent.

Vermögen sichert Renten
Die Suva bezahlt an über 100 000 Personen Invaliden- und Hinterbliebenenrenten. Das Anlagevermögen dient der Sicherung dieser Renten. Die Anlageerträge sorgen für eine angemessene Verzinsung des Deckungskapitals und finanzieren den Teuerungszuschlag, der die Kaufkraft der Renten erhält. Wegen der langen Laufzeit dieser Renten kann die Suva ihr Vermögen langfristig anlegen und erhebliche Wertschwankungen in Kauf nehmen.

Finanzielle Sicherheit dank strategischem Risikomanagement
Dank umsichtiger Anlagetätigkeit und disziplinierter Äufnung von Wertschwankungsreserven in den guten Anlagejahren vor 2008 bleibt die Suva trotz des negativen Anlageergebnisses solide finanziert. Der finanzielle Deckungsgrad, d.h. das Verhältnis von Vermögen zu Verpflichtungen, betrug per Ende 2008 immer noch 107,8 Prozent.

Risikorechnung mit hohem Gewinn
Im Gegensatz zur Kapitalertragsrechnung schloss die Risikorechnung mit einem hohen Plus von 1259,8 Millionen Franken ab. Dies ist unter anderem eine Folge der vorsichtigen Berechnung der Vorjahre und des straffen Kostenmanagements. Zudem mussten im Jahr 2008 dank der grossen Anstrengungen für eine erfolgreiche Wiedereingliederung Verunfallter deutlich weniger Neurenten gesprochen werden.
Verwaltungskostenrechnung im Plus
Die Verwaltungskostenrechnung schliesst bei Einnahmen von 441,3 Millionen Franken mit einem Überschuss von 13,8 Millionen Franken.

Gesamtrechnung mit vertretbarem Verlust
Aus der Verwaltungskostenrechnung (+13,8 Millionen Franken), der Risikorechnung (+1259,8 Millionen Franken) und der Zinsrechnung (-1423,0 Millionen Franken) ergibt sich ein Gesamtverlust von 149,4 Millionen Franken.

Erneute Senkung der Nettoprämien, aber höherer Teuerungszuschlag
Die Finanzierung und der momentan noch gute Risikoverlauf erlauben es der Suva, die Nettoprämien zum dritten Mal hintereinander zu senken. Die Prämienreduktion in der Berufsunfallversicherung beträgt durchschnittlich 2 Prozent, in der Nichtberufsunfallversicherung durchschnittlich 6 Prozent, wobei der Risikoverlauf der Branche bzw. des einzelnen Betriebs massgebend ist.

Wegen der schlechten Lage auf den Kapitalmärkten reicht jedoch der Ertrag aus dem Anlagevermögen nicht aus, den gesetzlich vorgeschriebenen Teuerungsausgleich auf den Renten zu garantieren. Aus diesem Grund muss der auf der Nettoprämie erhobene Teuerungszuschlag von derzeit 3 Prozent auf 7 Prozent angehoben werden. Diese Massnahme ist vorerst auf drei Jahre befristet. Insgesamt bleiben also die Prämien für die bei der Suva versicherten Unternehmen stabil. Der Werkplatz Schweiz wird in der momentan schwierigen Zeit nicht zusätzlich durch höhere Prämien belastet.

Wirksame Prävention
Das Risiko, einen tödlichen Arbeitsunfall zu erleiden, ist in der Schweiz nach wie vor relativ hoch. Deshalb hat sich die Suva mit der Vision «250 Leben» das Ziel gesetzt, das Todesfallrisiko zu senken. Dadurch soll nicht nur Leid verhindert, sondern es können auch Kosten gespart werden, was den Versicherten in Form tieferer Prämien zugute kommt. Einen wichtigen Beitrag leistet unter anderem die Kampagne «Sichere Arbeitsgerüste».

Bei der Prävention von Berufskrankheiten bleibt die Asbestfrage zentral. Die Suva setzt nicht nur die Information für ehemals in der Schweiz asbestexponierte italienische Arbeitnehmende fort, sondern verstärkt auch die Information von Verbänden und Arbeitnehmenden, die bei ihrer beruflichen Tätigkeit mit Asbest in Kontakt kommen können. Auch bei den neuen Risiken ist die Suva am Ball. So hat sie zusammen mit einer Fachhochschule ein neuartiges Nanopartikel-Messgerät entwickelt, mit dem auf einfache Weise in den Betrieben die Belastung der Arbeitnehmenden durch Nanopartikel nachgewiesen werden kann.

New Case Management weiterhin auf Erfolgskurs
Im Jahr 2008 ging die Zahl der neuen Invalidenrenten um 10,9 Prozent auf 2210 zurück und sank damit auf einen historischen Tiefststand. Die Kosten reduzierten sich um 7,3 Prozent, was 50 Millionen Franken entspricht. Dieses gute Resultat ist auch der wirksamen Wiedereingliederungsmethode, dem New Case Management, zu verdanken. 120 Case Manager betreuen jährlich gegen 4000 Menschen, die nach einem Unfall in eine schwierige Lage geraten sind, auf dem Weg zurück in den Arbeitsprozess. Im Jahr 2009 will die Suva das Schadenmanagement weiter optimieren, um komplexe Fälle noch früher zu erkennen und so das Wiedereingliederungsergebnis zusätzlich zu verbessern.

UVG-Revision: Suva gut gerüstet
Die Revision des Unfallversicherungsgesetzes ist für die Beratung im Nationalrat auf den 11. Juni 2009 traktandiert. Sie ist in zwei Teile gegliedert: in Vorlage I «Unfallversicherung und Unfallverhütung» und Vorlage II «Organisation und Nebentätigkeiten der Suva». Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates (SGK-N) empfiehlt dem Nationalrat Nichteintreten auf Vorlage I und Eintreten auf Vorlage II. Mit diesen Empfehlungen befürwortet die SGK-N namentlich die Anpassung der Führungsstrukturen der Suva an die Regeln der Good Corporate Governance und die gesetzliche Verankerung klar umschriebener Nebentätigkeiten.

Vorlage II ist mit Vorlage I thematisch nicht verknüpft. Es wäre vorteilhaft, sie separat von Vorlage I zu beraten und umzusetzen, um relativ rasch die nötige Modernisierung der Unternehmensstruktur der Suva einzuführen und die Nebentätigkeiten im Gesetz zu verankern. Diese entsprechen den Kernkompetenzen der Suva, sind selbsttragend, stehen mit der Bundesverfassung im Einklang und verzerren den Markt nicht. Dies trifft z.B. auf die Führung von Rehabilitationskliniken zu. Der wesentliche Vorteil der beiden Rehakliniken der Suva ist die integrale Schadenabwicklung nach dem Unfall bis zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Die Kliniken stehen auch nicht Suva-Versicherten offen und sind ein wichtiger Pfeiler im schweizerischen Gesundheitssystem.

Die Fallabwicklung für andere Versicherer durch die Suva liegt im öffentlichen Interesse, wie das Bundesamt für Justiz in seinem Gutachten zu Handen der SGK-N vom September 2008 festgestellt hat. Sie trägt dazu bei, die Unfallkosten zu reduzieren, denn die Suva ist dank ihrer Grösse und ihrem Know-how – namentlich im umfassenden Case Management vom Unfall bis zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess – in der Lage, die Schadenfälle günstig abzuwickeln. Vor allem kleinere Versicherer sind interessiert, die Abwicklung der Fälle gegen Entgelt der Suva zu übertragen, um keine eigene Infrastruktur dafür aufbauen zu müssen.

Die Suva gehört seit Jahren zu den führenden Entwicklern von Sicherheitsprodukten, weil sie über ein umfassendes Wissen bezüglich der Unfallhergänge im Berufs- und Freizeitbereich verfügt. Über den Internet-Marktplatz der Suva wird der Verkauf von persönlichen Schutzausrüstungen und technischen Sicherheitsprodukten unterschiedlicher Anbieter ermöglicht, die definierten Qualitätsanforderungen entsprechen. Die Suva konzentriert sich dabei auf Bereiche, in denen andere Anbieter zunächst kein Interesse zeigen.

Seit mehreren Jahren bietet die Suva Weiterbildungen und Schulungen in betrieblicher Gesundheitsförderung und Absenzenmanagement an. Die Kunden können die Arbeitssicherheit und die Beratung in der betrieblichen Gesundheitsförderung aus einer Hand beziehen. So kommt es für die Unternehmen zu einer Vereinfachung. Mit dieser Nebentätigkeit kann auf die mittel- und langfristige Prämienentwicklung Einfluss genommen werden.

Aussichten für das laufende Jahr
Die nach wie vor unsichere wirtschaftliche Lage wird sich auch auf die Suva auswirken. Erfahrungsgemäss steigt in Zeiten der Rezession die Zahl der Invaliditätsfälle an. Zudem wird sich die rückläufige Beschäftigtenzahl auf die Gesamtlohnsumme auswirken, aufgrund derer die Unfallversicherungsprämien erhoben werden. Die vorausschauende Tarifierung der vergangenen Jahre macht es jedoch möglich, dass die Prämien in Zeiten der Rezession nicht erhöht werden müssen. Damit trägt die Suva dazu bei, den Werkplatz Schweiz zu erhalten und zu stärken. Dank ihrem einmaligen Produktemix mit Prävention, Versicherung und Rehabilitation leistet die Suva einen wichtigen Beitrag im öffentlichen Interesse.

Vollständige Mediendokumentation
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Erich Wiederkehr, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 56 23, erich.wiederkehr@suva.ch 

Fotos zur Bilanzmedienkonferenz finden Sie ab 13.00 Uhr unter www.photopress.ch/image/Suva 

Die 1918 gegründete Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 2800 Mitarbeitende. Sie ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 110 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,4 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - und der Bund vertreten.

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