Temporärarbeitende: Prävention auf dem richtigen Weg

Die Präventionsbemühungen bei den Temporärarbeitenden sind auf dem richtigen Weg. Dies bestätigt eine Pilotstudie, welche die eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS in Auftrag gegeben hat. Wichtige Einflussfaktoren auf das Unfallrisiko bei Temporärarbeitenden sind Anstellungsdauer, Ausbildung und Beruf.

Der Personalverleih ist auch in der Schweiz im Trend. Der Anteil der Temporären an allen Arbeitnehmern hat sich in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt. Umgerechnet beschäftigte die Personalverleihbranche im Jahr 2008 fast 75 000 Vollbeschäftigte, von denen ein Grossteil in der Baubranche tätig ist.

Unklar blieben bisher die Gründe für das hohe Unfallrisiko in der Personalverleihbranche. Ob temporär Beschäftigte an besonders gefährlichen Orten eingesetzt werden oder ob sie wegen schlechterer Ausbildung und mangelnder Erfahrung mehr Unfälle erleiden, darüber waren nur Mutmassungen möglich.

Im Hinblick auf eine massgeschneiderte Prävention gab die EKAS bei der Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung (SSUV) eine Untersuchung über das Unfallgeschehen im Personalverleih in Auftrag.

Aktivitäten in der Prävention
Die Studienergebnisse sind aufschlussreich und zeigen, dass die EKAS mit ihren Massnahmen im Bereich der Temporärarbeit auf dem richtigen Weg ist. So geht es unter anderem darum, sowohl für die Einsatz- als auch für die Verleihbetriebe die nötigen Hilfsmittel bereitzustellen, welche ihnen bei der Suche und Vermittlung der optimal qualifizierten Arbeitskräfte helfen. Dazu gehört der persönlichen Sicherheitspass in Papierform, der die Qualifikationen und Instruktionen der Temporärarbeitenden enthält. Zu den bereits angelaufenen Massnahmen gehört auch die Sicherheitskampagne der Suva «Temporärarbeit in Produktionsbetrieben». Eine wichtige Erkenntnis ist aber auch, dass in der Personalverleihbranche grundsätzlich die gleichen Gebote der Arbeitssicherheit gelten wie in den übrigen Branchen. Diese gemeinsamen Bemühungen will die EKAS deshalb mit dem Verband der Personaldienstleister swissstaffing und den Sozialpartnern der Einsatzbranchen fortsetzen.

Unterschiede zwischen der Bau- und der Temporärbranche
Der erste Teil der Studie untersucht die Unterschiede zwischen der Gesamtheit der verunfallten Bauarbeiter und der verunfallten Temporärarbeitenden. Die beiden Kollektive unterscheiden sich recht deutlich. So sind die verunfallten Temporärarbeitenden durchschnittlich jünger als die verunfallten Bauarbeiter, und der Anteil an Ausländern, vermutlich insbesondere von Neuzuzügern, ist höher als in der Baubranche. Ausserdem gibt es unter den Temporärarbeitenden naturgemäss kaum Lernende und Kaderleute.

Höheres Unfallrisiko wegen mangelnder Erfahrung
In einem zweiten Teil der Studie wurde eine Vollerhebung bei zwei grossen Personalvermittlern durchgeführt. Die Daten umfassten Angaben zu 80 000 Einsätzen und 20 Millionen Einsatzstunden. Haupterkenntnis ist hier, dass die unterschiedlichen Unfallrisiken von temporär Beschäftigten und Festangestellten zu einem guten Teil durch die kurze Dauer des Beschäftigungsverhältnisses mitverursacht werden. Konkret heisst das, dass mangelnde Kenntnis des neuen Arbeitsplatzes zu einem erhöhten Unfallgeschehen in der ersten Woche führt. Die Studie zeigt ferner auf, dass Hilfskräfte ein mehr als doppelt so hohes Unfallrisiko wie ausgebildete Arbeitskräfte haben.

Beim Heilungsverlauf entscheiden auch soziale Faktoren
In einem dritten Teil beleuchtet die Studie den Schadenverlauf von temporär Beschäftigten. Dabei zeigte sich, dass die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitsdauer bei Temporärarbeitenden nach einem Unfall um bis zu 19 Prozent höher ist als in der Baubranche. Sowohl in der Temporär- wie in der Baubranche gilt, dass die Arbeitsunfähigkeitsdauer stark vom Alter, vom Verletzungstyp und von den Anforderungen des Arbeitsplatzes abhängt. Dazu kommen weitere Faktoren aus dem psycho-sozialen Bereich, die die Arbeitsunfähigkeit ebenfalls beeinflussen, darunter Zivilstand, Beschäftigungsverhältnis und Migrationshintergrund. Allgemein scheint zu gelten: Je besser die soziale Einbindung der Verunfallten, um so kürzer die Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Die Versicherer nutzen diese Erkenntnis seit Jahren im Rahmen des Case Managements für die berufliche Wiedereingliederung.

Die Studie ist als PDF verfügbar unter www.ekas.ch(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet)

Adresse für Rückfragen:
Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS:
Dr. Serge Pürro, Geschäftsführer EKAS, Tel. 041 419 51 59, serge.puerro@ekas.ch 

Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung UVG (SSUV):
Dr. Stefan Scholz-Odermatt, Suva Bereich Statistik, Tel. 041 419 56 16, stefan.scholz@suva.ch 

Aufgaben der EKAS
Die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS fungiert im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz als Drehscheibe: Sie sorgt für die einheitliche Anwendung der Sicherheitsvorschriften in den Betrieben, die koordinierte Verteilung finanzieller Mittel und für eine partnerschaftliche, effiziente Zusammenarbeit von kantonalen Arbeitsinspektoraten, SECO, Suva und Fachorganisationen. Den Vorsitz über die 11-köpfige Kommission, in der auch die Delegierten der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen mitwirken, hat die Suva. Mehr Informationen unter www.ekas.ch(Link wird in einem neuen Fenster geöffnet) .