Freizeit macht dem Gehör zu schaffen

Anders als bei der Arbeit ist das Gehör in der Freizeit häufig ungeschützt hohen Lärmpegeln ausgesetzt und entsprechend gefährdet. Zum Tag gegen Lärm vom 28. April präsentiert die Suva eine Dezibelparade der lautesten Freizeitaktivitäten.

Wer wissen will, wie laut es in einem Beruf oder bei der Arbeit mit einer Maschine ist, besorgt sich eine der 60 Lärmtabellen bei der Suva. Dort sind nicht nur die typischen Schallpegel aufgelistet, sondern auch die erforderlichen Schutzmassnahmen, zum Beispiel Information der Mitarbeiter, Lärmbekämpfungsmassnahmen und Gehörschutz. Und das funktioniert je länger desto besser: Die Suva stellt einen deutlichen Rückgang der berufslärmbedingten Hörschäden von 37 Prozent vor 30 Jahren auf 9 Prozent heute fest. Anders verhält sich dies in der Freizeit, wo der Schallpegel oft unbekannt und Gehörschutz kaum ein Thema ist. Die Suva hat den Lärm von lauten Freizeitaktivitäten gemessen und präsentiert Resultate und Tipps.
Feuerwerk und die Folgen
Wer Feuerwerk falsch anwendet, gefährdet sich und andere. Der «Flashing Thunder» zum Beispiel erreicht in einem Abstand von einem Meter 165 Dezibel (dB) Spitzenpegel – wie ein Sturmgewehrschuss. Solche Knaller dürfen nur in der Luft und niemals bei Personen detonieren, sonst folgt dem Knall der Gehörschadenfall.
Schiessen tut weh
Spitze sind die Sportschützen, denn ihre Gewehre erreichen am Ohr Spitzenpegel von über 160 dB allerdings nur während weniger als einer Tausendstelsekunde. Schützen wissen seit langem, dass sie ihr Gehör schützen müssen. Mehr Mühe damit bekunden Jäger, die bei der Pirsch auf den Hirsch jedes Knacksen hören wollen. Zwar sind Jagdwaffen weniger laut. Trotzdem kann es passieren, dass der Jäger statt dem Bock einen Tinnitus davon trägt.
Viel Lärm um den Fussball
Im Vorfeld der Fussball-WM sind die südafrikanischen «Vuvuzelas» populär geworden: Plastiklärmtröten mit dem Sound eines empörten Elefanten. Fans mit Vuvuzelas blasen zwar nicht die gegnerische Mannschaft vom Platz, dafür aber ihren Kollegen einen Hörschaden, denn es werden 108 dB gemessen – nach wenigen Minuten ist die zulässige Wochendosis erreicht. Die Schweizer «Trichlen» sind keineswegs harmloser, im Gegenteil: 110 dB werden mitten in einer Fangruppe gemessen. Die Lärminstrumente werden nicht nur kurzzeitig eingesetzt: In der Muttenzerkurve im Basler St. Jakobsstadion haben Fans 105 dB Dauerschallpegel auf den Ohren – und hoffentlich Gehörschutzpfropfen in den Ohren!
Basel gegen Luzern 110 zu 105
Die Fasnacht in Basel mag gesitteter erscheinen als in Luzern. Aber sie bleibt nicht ohne Risiko für das Gehör der «Pfyffer», denn ihr rechtes Ohr wird vom Piccolo mit 110 dB beschallt. Wenn die Fasnacht «nur» drei Tage in den Ohren nachpfeift, bedeutet das schon fast einen Glücksfall. Eine «Guggemusig» in Luzern «schränzt» traditionell mit 105 dB. Richtige Fasnächtler haben sich schon längst mit speziellen Gehörschutzpfropfen ausgerüstet. Anders die jugendlichen «Geislechlöpfer». Sie selbst sind zwar unermüdlich, nicht aber ihre Ohren, die bei Spitzenpegeln bis zu 145 dB die Grenze der Belastbarkeit nach einer Minute erreicht haben.
Musik in den Ohren
Wenn es um Gehörgefährdung in der Freizeit geht, werden gerne Discos und MP3-Player angeführt. Musikveranstaltungen sind in der Schweiz seit 1996 auf 100 dB begrenzt, und auch für MP3-Player gilt ein Grenzwert von 100 dB. Zwar erreichen die Geräte mit moderner, auf Lautstärke getrimmter Musik ein paar Dezibel mehr, aber die grosse Mehrheit der Benutzer bleibt mit weniger als 85 dB Wochenpegel auf der sicheren Seite. So gesehen sind die MP3-Benutzer vernünftiger als ihre Geräte. In einer Blasmusik oder Big Band sind bei Proben und Auftritten Schallpegel um 95 dB zu erwarten. Der Schutz des Gehörs wird also zum Thema. Noch mehr gilt dies bei Pop- oder Rockmusik, wo im Übungslokal 100 dB üblich sind. Die Schallisolation gegen aussen schützt die Nachbarn, die Schallabsorption gegen innen entlastet das Gehör der Musiker.
Löcher im Beton – und im Innenohr
«Do it yourself» sagen sich viele Männer und immer mehr Frauen. Aber Schlagbohrmaschinen und Kreissägen schaffen nicht nur Beton und Hartholz, sondern mit 95 dB auch die Sinneszellen im Innenohr. Gut, wenn im Fachmarkt gleich neben den Elektrowerkzeugen der Gehörschutz zu kaufen ist.
Mobil und laut

Motorradfahren ist populär – und laut: nicht nur für die Anwohner beliebter Töffstrecken, sondern auch für die Motorradfahrer selbst. Unter dem Helm werden auf der Autobahn 100 dB gemessen. Motorradfans wissen das und verwenden für grössere Touren Schaumstoffpfropfen. Im offenen Cabriolet ist überland mit 75 und auf der Autobahn mit 85 dB zu rechnen. Im Tunnel steigt der Pegel auf 90 oder – wenn gleichzeitig Lastwagen oder Motorräder darin unterwegs sind – auf 95 dB.

  • Alle Dezibelwerte in dB(A), das heisst gehörrichtig bewertet.
  • Gemessen wurde jeweils der Dauerschallpegel Leq während der Aktivität; bei Knallen ist der Spitzenpegel LPeak angegeben.
Leistungen durch UVG-Revision in Gefahr

Die Suva ist bestens finanziert und sie bezieht keine Subventionen vom Staat. Bei der laufenden Revision des Unfallversicherungsgesetzes hat die vorberatende Kommission des Nationalrats beschlossen, die Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung abzubauen. Sie hat die Versicherungsdeckung um rund 20 Prozent gesenkt. Neu sollen nur noch Löhne bis rund 100 000 Franken von der Grundversicherung abgedeckt sein gegenüber aktuell 126 000 Franken. Der Mindestinvaliditätsgrad soll von 10 auf 20 Prozent erhöht werden. Heute vereinfachen die Kleinrenten unter 20 Prozent die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Mit der Erhöhung werden haftungsrechtliche Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zunehmen und die Wiedereingliederung erschwert. Dieser Leistungsabbau ist umso fragwürdiger, als die Unfallversicherung ausgezeichnet funktioniert, solide finanziert ist und keinen Sanierungsbedarf aufweist.

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Helene Fleischlin, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 65 14, helene.fleischlin@suva.ch 

Die 1918 gegründete Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 2900 Mitarbeitende. Sie ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 110 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,4 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - und der Bund vertreten.