Vom WM-Public Viewing in die Arztpraxis

Wenn an der Fussball-WM die Tore fallen, haben die Ärzte Hochkonjunktur: Denn es ereignen sich mehr Freizeitunfälle als üblich. An den Spieltagen steigt die Unfallhäufigkeit nach Spielende um 18 Prozent, an den Abenden unter der Woche sogar um 40 Prozent, wenn die eigene Mannschaft auf dem Rasen stand. Dies belegt eine Studie der Suva.

Sportliche Grossereignisse wie die Fussball-WM ziehen Menschen über mehrere Wochen in ihren Bann: Der Tagesablauf wird auf den Anpfiff ausgerichtet. In Gaststätten oder so genannten Public Viewing-Zonen gehen die Emotionen hoch. Wie eine Studie der Suva belegt, liegt die Unfallhäufigkeit direkt nach EM- und WM-Fussballspielen deutlich über dem Durchschnitt: An den Abenden von Spieltagen während der Woche ist mit bis zu zehn zusätzlichen Unfällen pro Stunde zu rechnen. Über die gesamte Dauer der diesjährigen WM entspricht dies mehreren 100 Unfällen allein von Suva-Versicherten. Diese Unfälle verursachen Kosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Franken.
Mehr Unfälle nach den Spielen
Die Suva hat das Unfallgeschehen während der Fussball-EM 2008 beziehungsweise -WM 2006 analysiert. Dabei hat sie die Freizeitunfälle an Spieltagen mit dem Unfallgeschehen an spielfreien Tagen verglichen. Während einer EM oder WM sind die Unfälle tagsüber bis zum Anpfiff unauffällig. Doch nach Spielende steigt die Unfallhäufigkeit für den Rest des Tages um 18 Prozent. Wenn die «eigene» Mannschaft spielt, liegt die Unfallhäufigkeit in den Stunden nach dem Spiel sogar um fast 40 Prozent höher. Ob die «eigene» Mannschaft Erfolg hat oder nicht ist ebenfalls entscheidend: Hat sie gewonnen, werden der Suva 30 Prozent mehr Unfälle gemeldet, bei einer Niederlage 50 Prozent. Bis zu den Finalspielen steigt die Unfallhäufigkeit um weitere 15 Prozent an. Betroffen sind mehrheitlich Männer.
Vorwiegend Unfälle im Verkehr und im Ausgang
Zu den Unfällen, die speziell nach der Fussball-EM bzw. -WM geschehen, zählen vorwiegend Verkehrsunfälle sowie Unfälle im Ausgang (d.h. nicht in den eigenen vier Wänden). Im Vergleich zu fussballfreien Abenden sind Unfälle bei Raufereien und Streit nach den Spielen nicht sonderlich auffällig. Aus der Studie geht nicht hervor, ob Alkohol im Spiel war. Deutlich weniger Unfälle (-25 Prozent) geschehen während der Spiele einer EM oder WM beim aktiven Ausüben von Sport. Die Turniere haben dagegen keinen Einfluss auf die Berufsunfallhäufigkeit. Im Vergleich zum gesamten Freizeitunfallgeschehen ist die Anzahl dieser zusätzlichen Unfälle während der Fussball-EM bzw. -WM gering. Obwohl jeder Unfall ein Unfall zu viel ist und menschliches Leid und Kosten verursacht, kommt die Suva deshalb zum Schluss, dass sich für ihre Versicherten keine spezifischen Präventionsmassnahmen zur Vermeidung von Unfällen nach den Fussball-WM-Spielen aufdrängen.
Ein Präventionstipp von Gilbert Gress gefällig?
Unter www.gress-cam.ch spricht Trainerlegende Gilbert Gress via Webcam zur Internetgemeinde. Wer zusätzlich seine Telefonnummer eingibt, erhält einen Anruf von Gress mit weiteren Präventionstipps. Die Suva setzt auf das Web, um mit ihren Botschaften zur Unfallverhütung auch die Generation Internet anzusprechen. Per Mausklick lässt sich die Gress-Cam via Mail, Facebook, Twitter oder Buzz an Freunde und Bekannte weiterleiten.
Leistungen durch UVG-Revision in Gefahr
Die Suva ist bestens finanziert und bezieht keine Subventionen vom Staat. Bei der laufenden Revision des Unfallversicherungsgesetzes hat die vorberatende Kommission des Nationalrats beschlossen, die Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung abzubauen. Sie hat die Versicherungsdeckung um rund 20 Prozent gesenkt. Neu sollen nur noch Löhne bis rund 100 000 Franken von der Grundversicherung abgedeckt sein gegenüber aktuell 126 000 Franken. Der Mindestinvaliditätsgrad soll von 10 auf 20 Prozent erhöht werden. Heute vereinfachen die Kleinrenten unter 20 Prozent die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Mit der Erhöhung würden haftungsrechtliche Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zunehmen und die Wiedereingliederung erschwert. Dieser Leistungsabbau ist umso fragwürdiger, als die Unfallversicherung ausgezeichnet funktioniert, solide finanziert ist und keinen Sanierungsbedarf aufweist.
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Helene Fleischlin, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 65 14, helene.fleischlin@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.