Erste Hilfe ohne Verbandskasten

Bei einem schweren Arbeitsunfall steht ausser Frage, dass die Verletzten medizinische Hilfe brauchen. Was ist aber mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in einen Unfall involviert waren oder ihn mit ansehen mussten? Mit der neuen Broschüre «Seelische Nothilfe» hat die Suva ein nützliches Hilfsmittel für Arbeitgeber und Sicherheitsverantwortliche geschaffen.

Was tun, wenn im Betrieb ein schwerer Unfall geschieht? «Die Arbeitnehmer stehen unter Schock und oft ist auch der Vorgesetzte mit der Situation überfordert», weiss Suva-Arbeitspsychologe Ruedi Rüegsegger. Der Geschäftsführer wisse nicht, wie er mit jenen Mitarbeitern umgehen soll, die den Unfall beobachtet haben oder gar beteiligt waren. Es tauchen sofort viele Fragen auf: Was mache ich am Unfalltag mit der Belegschaft? Wann soll die Arbeit wieder aufgenommen werden? Müssen die Leute ausgetauscht werden?
Das Trauma erfolgreich verarbeiten
«Die psychologische Betreuung durch ein professionelles Care Team ist der Idealfall», sagt der Suva-Arbeitspsychologe. Diese ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich organisiert. Nicht in jedem Fall sei gewährleistet, dass die Personen, die unverletzt blieben, den Unfall aber miterlebt haben, psychologisch betreut würden. Die Suva hat nun mit der Broschüre «Seelische Nothilfe: Was tun nach einem schweren Unfall am Arbeitsplatz» ein Hilfsmittel erarbeitet, das dazu beitragen soll, dass die psychologische Erste Hilfe für Unternehmen in Zukunft genauso selbstverständlich ist, wie die medizinische Hilfe. Die neue Publikation wendet sich an Arbeitgeber und Sicherheitsverantwortliche und zeigt auf, worauf es bei der psychologischen Nothilfe nach einem Unfall am Arbeitsplatz ankommt. Neben der Beschreibung der wichtigsten Massnahmen, die im Betrieb sowohl vorsorglich als auch im Ereignisfall getroffen werden können, erhalten die Unternehmen auch Tipps zum Umgang mit den Medien. Zudem gibt es Informationen für Betroffene, Angehörige und Freunde. «Der Arbeitgeber und das Umfeld können mithelfen, dass betroffene Mitarbeitende traumatisierende Situationen verarbeiten und unbeschadet in ihr Arbeitsumfeld zurückkehren können», erklärt Rüegsegger.
Psychosomatik in der Unfall-Rehabilitation
Den seelischen Verletzungen nach einem Unfall schenken auch die beiden Suva-Rehakliniken Bellikon und Sion grosse Beachtung. Obwohl mit der Unfallrehabilitation vor allem Physiotherapie, Gehtraining und Anpassung von Prothesen in Verbindung gebracht werden, sind für viele Betroffenen die seelischen Wunden mindestens so belastend wie die körperlichen. Deshalb wird bereits in den ersten Tagen der Unfallrehabilitation abgeklärt, ob und in welchem Ausmass die Psyche des Patienten angeschlagen ist und welche Hilfe er braucht. Ist die körperliche Unfallrehabilitation abgeschlossen, vermitteln die Rehakliniken den Patienten - falls nötig - ausserhalb der Klinik an Psychiater oder Psychologen.
Leistungen durch UVG-Revision in Gefahr
Die Suva ist bestens finanziert und bezieht keine Subventionen vom Staat. Bei der laufenden Revision des Unfallversicherungsgesetzes hat die vorberatende Kommission des Nationalrats beschlossen, die Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung abzubauen. Sie hat die Versicherungsdeckung um rund 20 Prozent gesenkt. Neu sollen nur noch Löhne bis rund 100 000 Franken von der Grundversicherung abgedeckt sein gegenüber aktuell 126 000 Franken. Der Mindestinvaliditätsgrad soll von 10 auf 20 Prozent erhöht werden. Heute vereinfachen die Kleinrenten unter 20 Prozent die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Mit der Erhöhung würden haftungsrechtliche Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zunehmen und die Wiedereingliederung erschwert. Dieser Leistungsabbau ist umso fragwürdiger, als die Unfallversicherung ausgezeichnet funktioniert, solide finanziert ist und keinen Sanierungsbedarf aufweist.
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Helene Fleischlin, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 65 14, f3h@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.