Unfallstatistik: Achtung vor dem Montagmorgen

Wer am Montagmorgen zur Arbeit geht, hat ein erhöhtes Unfallrisiko. Dies zeigt eine Untersuchung der Suva. Besonders häufig sind am Montagmorgen Stolper- und Sturzunfälle, allerdings nicht nur bei der Arbeit, sondern auch zuhause und auf dem Arbeitsweg. Die Kosten dieser zusätzlichen Montagsunfälle belaufen sich für die Suva auf jährlich über 10 Millionen Franken.

An Werktagen verzeichnet die Suva rund 700 Berufsunfälle pro Tag, die unregelmässig über den Tag verteilt sind. Während die Spitze am Vormittag zwischen 9 und 10 Uhr liegt, ist sie am Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr. Die Unfallhäufigkeit hängt aber auch vom Wochentag ab. Besonders hoch ist das Unfallrisiko am Montagmorgen. Zwischen 6 und 10 Uhr geschehen im Vergleich zu den übrigen Werktagen deutlich mehr Berufsunfälle, zwischen 7 und 8 Uhr sogar um 40 Prozent. Dies hat eine Untersuchung der Suva über den Unfallzeitpunkt ergeben. Ausgewertet wurden die Unfälle von Suva-versicherten Arbeitnehmenden – rund der Hälfte aller Beschäftigten – in den Jahren 1999 bis 2008.
Erholung nach der Znünipause
Sind die ersten Arbeitsstunden am Montag noch überdurchschnittlich gefährlich, ist nach zehn Uhr keine namhafte Abweichung gegenüber den anderen Wochentagen mehr zu beobachten. Das bedeutet auch, dass nicht die Anzahl der exponierten Personen für die Überhöhung der Unfallzahlen ausschlaggebend ist, sondern das Unfallrisiko. Am stärksten überhöht ist das Unfallrisiko bei den Berufsunfällen zwischen sieben und acht Uhr, also unmittelbar nach Arbeitsbeginn. Eine mögliche Erklärung wäre, dass zu Beginn der Arbeitswoche andere, risikoreichere Tätigkeiten ausgeübt werden als sonst. Dagegen spricht die Statistik. Diese zeigt, dass es am Montagmorgen nicht nur während der Arbeit, sondern auch bei Freizeitbeschäftigungen zu mehr Unfällen kommt. Frauen wie Männer jeden Alters sind beim Aufenthalt zu Hause, auf dem Arbeitsweg und bei der Arbeit von diesem Montagmorgeneffekt betroffen. Stolperunfälle, Misstritte und Stürze treten zwischen sechs und acht Uhr sogar um 80 bis 90 Prozent häufiger auf.
Der Schlafforscher kennt die Gründe
Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung, warum es am Montagmorgen häufiger zu Unfällen kommt, liefert der deutsche Professor Jürgen Zulley vom schlafmedizinischen Zentrum Regensburg. Er sieht den Grund in der Verschiebung der inneren Uhr, da viele Menschen am Wochenende den Tag-Nacht-Rhythmus verändern. Somit stehen sie für ihre Verhältnisse am Montag zu früh auf, die Leistungsfähigkeit ist dann noch nicht auf dem gewohnten Stand. Am besten könnte dieses «Montagsloch» in Grenzen gehalten werden, wenn man am Wochenende ungefähr um die gleiche Zeit schlafen geht und aufsteht wie unter der Woche.
Montagsunfälle kosten zusätzlich über 10 Millionen
Die Montagsunfälle schlagen auch finanziell zu Buche. Die gegenüber Dienstag bis Freitag durchschnittlich zusätzlichen 45 Berufsunfälle jeden Montag kosten die Suva pro Jahr mehr als 10 Millionen Franken. Der Ratschlag, seinen Schlafrhythmus am Wochenende beizubehalten, dürfte sich als präventive Massnahme nur schwer umsetzen lassen. Erhöhtes Risikobewusstsein zum Wochenstart lautet deshalb das Rezept, etwa für Stolper- und Sturzunfälle. Gegen 300 000 dieser Stolper- und Sturzunfälle ereignen sich jährlich in der Schweiz. Allein die Unfälle der Erwerbstätigen kosten die Unfallversicherer jedes Jahr gegen eine Milliarde Franken. Zudem gehen zwei von fünf Invalidenrenten auf einen Stolper- oder Sturzunfall zurück. Die Suva hat deshalb im Frühjahr 2010 die Kampagne «stolpern.ch» lanciert. Ziel ist es, die Unfallzahlen bis ins Jahr 2014 um 5Prozent zu senken und damit neben dem Verhindern von menschlichem Leid über 80 Millionen Franken einzusparen, was wiederum den Versicherten in Form günstigerer Prämien zugutekommt.
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Erich Wiederkehr, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 56 23, erich.wiederkehr@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115'000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.