Chancen und Risiken der Nanotechnologie

Nanotechnologie gilt als die Zukunftstechnologie schlechthin. Statt «immer höher, immer weiter» lautet ihr Motto «immer kleiner, immer schneller». Am 4. und 5. Oktober erläutern Fachpersonen aus Europa an einem Kolloquium in Luzern Chancen und Risiken der neuen Technologie. Veranstalterin ist die Sektion Chemie der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS).

Am Kolloquium im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) nehmen rund 180 Unternehmer, Verantwortliche für Sicherheit und Gesundheitsschutz sowie Vertreter von Institutionen teil, die sich mit dem Thema Nanotechnologie befassen oder davon betroffen sind. Während zwei Tagen erörtern mehr als 20 international anerkannte Fachpersonen aus Europa und den USA die verschiedensten Aspekte der Nanotechnologie. Die IVSS möchte in diesem Kolloquium sowohl auf die Chancen der neuen Technologie beispielsweise im industriellen und medizinischen Bereich als auch auf die Risiken und Gefahren hinweisen. Unter anderem werden in Luzern bedeutsame wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt. Zudem werden zukunftweisende gesetzliche Regelungen diskutiert, die für eine wirksame Prävention eine zentrale Rolle spielen.
Auswirkungen beobachten
Die Nanotechnologie beinhaltet die Herstellung, Untersuchung und Anwendung kleinster Strukturen. Diese zeigen teilweise unerwartete Eigenschaften und eröffnen neue technische Anwendungen. Wie bei jeder neuen Technologie müssen aber auch hier mögliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sorgfältig beobachtet werden. Durch die geringe Grösse können nämlich Nanoteilchen - ihr Durchmesser beträgt weniger als ein Tausendstel des Durchmessers eines menschlichen Haares - über die Lunge, teilweise auch über den Magen-Darm-Trakt oder die Haut, vom menschlichen Körper aufgenommen werden. Noch sind bei den betroffenen Betrieben in der Regel wenig Informationen über diese neue Technologie vorhanden. Der Aus- und Fortbildungsbedarf ist deshalb hoch.
Fachwissen bündeln
«Nur Wissen schützt vor einer falschen Anwendung neuer Technologien», sagt Erwin Radek, Präsident der IVSS Sektion Chemie mit Blick auf die Themen, die an der Tagung behandelt werden. Das Kolloquium soll denn auch ermöglichen, das derzeit vorhandene Fachwissen zu bündeln und den Austausch zwischen den Experten zu vertiefen. «Denn die zunehmende Bedeutung der Nanotechnologie stellt uns vor neue Herausforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz», so Erwin Radek.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stellt sicher, dass die gesetzlichen und präventiven Rahmenbedingungen mit der Entwicklung in der Nanotechnologie Schritt halten können. Der international besetzte Anlass wird mithelfen, dass die neue Technologie verantwortungsvoll eingesetzt wird und mögliche Risiken besser erkannt und minimiert werden können. Nur so kann ein zweites Asbest-Drama verhindert werden. Allein in Europa dürften gemäss Schätzungen von EU-Experten in den kommenden 20 Jahren zehntausende Menschen an den Folgen von Krankheiten sterben, die auf die einstige Wunderfaser zurückzuführen sind.
Suva als Vorreiterin
Die Veranstaltung wird in enger Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Unfallversicherung Suva durchgeführt. Diese ist in Fragen der Nanotechnologie bereits seit Jahren sehr aktiv und spielt in dieser Thematik gesamteuropäisch eine Vorreiterrolle. Unter anderem hat sie im Rahmen ihres gesetzlich verankerten Präventionsauftrags die Entwicklung eines Messgeräts gefördert, das die Belastung durch Nanopartikel am Arbeitsplatz messen kann. Zudem ist sie in nationalen und internationalen Gremien tätig, die sich mit dem Thema Nanotechnologie befassen.
IVSS Sektion Chemie
Die IVSS Sektion Chemie wurde vor 40 Jahren gegründet. Sie setzt sich dafür ein, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der chemischen und verwandten Industrie umgesetzt werden. Zudem engagiert sie sich dafür, dass sich Experten und Unternehmen auf internationaler Ebene vernetzen. Mitglieder der IVSS Sektion Chemie sind nebst der Schweizerischen Unfallversicherung Suva deren Pendants in Österreich und Deutschland (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)) sowie das französische Institut National de Recherche et de Sécurité (INRS).

Weitere Informationen und Bilder des Anlasses  
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Angela Zobrist, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 54 76, angela.zobrist@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.