Achtung Umbau: In vielen Gebäuden lauert Asbest

Eine repräsentative Umfrage der Suva zeigt: Das Allgemeinwissen über die Gefährlichkeit von Asbest ist heute vorhanden. Hingegen sind sich die wenigsten bewusst, wie allgegenwärtig die Gefahr bei Umbau- und Renovationsarbeiten ist und dass es für Asbest eine Ermittlungspflicht vor der Ausführung solcher Arbeiten gibt. Denn in den meisten Häusern, die vor 1990 gebaut wurden, ist Asbest noch immer in unterschiedlichsten Anwendungsformen vorhanden. Aus diesem Grund investiert die Suva in die Sensibilisierung mit einer Informationskampagne und in Kontrollaktivitäten.

In der Schweiz sterben jährlich rund 100 Personen, die zum Teil vor Jahrzehnten beruflich mit Asbest in Kontakt kamen, an einer asbestbedingten Berufskrankheit. Wegen der grossen Gesundheitsgefahr ist die Verwendung von Asbest in der Schweiz seit 1990 verboten. Denn eingeatmete Asbestfasern können bereits in geringen Mengen die Entstehung von Lungen-, Brust- oder Bauchfellkrebs fördern.

Bis zum Asbestverbot im Jahr 1990 wurde Asbest für unterschiedlichste Anwendungen eingesetzt, etwa in Fassadenverkleidungen, Dacheindeckungen, Wand- und Bodenbelägen, Elektrotableaus, Rohrisolationen, Deckenplatten, in Elektrospeicheröfen, im Fensterkitt oder als Hitzeschutz beim Kochherd. Bei Umbauarbeiten und Renovationen ist deshalb Vorsicht angebracht, denn die wenigsten der vor 1990 erstellten Gebäude sind bereits asbestfrei und es muss immer mit Asbestvorkommen gerechnet werden. Deshalb wurde in der Bauarbeitenverordnung eine entsprechende Ermittlungspflicht vor Umbau-, Renovations- und Rückbauarbeiten eingeführt.
Asbestwissen vorhanden, aber zu wenig umgesetzt
Wie eine repräsentative Umfrage der Suva vom Oktober 2010 zeigt, ist das Wissen über Asbest weit verbreitet. 90 Prozent der befragten Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Architekten und Hausbesitzer sind sich bewusst, dass von Asbest eine Gefahr ausgeht. Allerdings erwähnen weniger als 15 Prozent der Befragten Asbest als eine der grössten Gefahren, wenn sie auf eine konkrete Umbausituation in einem älteren Gebäude angesprochen werden – Asbest wird offenbar nicht als eine grosse oder allgegenwärtige Gefahr in solchen Arbeitssituationen wahrgenommen. Mehr als 60 Prozent der Interviewten wissen, dass das Tragen einer Atemschutzmaske eine mögliche wirksame Schutzmassnahme beim Umgang mit Asbest ist. Hingegen erwähnen bei der Frage nach möglichen Massnahmen weniger als 10% der befragten Arbeitnehmer und Arbeitgeber und nur 21% der Architekten und Hausbesitzer die Ermittlung von Asbest vor Arbeitsbeginn als Massnahme. Diese gesetzlich vorgeschriebene und sehr wirksame Massnahme bei Umbau- und Renovationsarbeiten scheint noch wenig im Bewusstsein verankert zu sein.

Aus diesem Grund verstärkt die Suva einerseits die Information und kontrolliert anderseits vermehrt die Einhaltung der in der EKAS-Richtlinie zum Thema Asbest festgehaltenen Vorschriften.
Begehbares Asbesthaus im Kleinformat
Wo überall in älteren Gebäuden Asbest vorkommen und in welchen Situationen der ehemals hochgelobte Werkstoff zur Gefahr für die Gesundheit werden kann, zeigt die Suva in einem speziell angefertigten 16 Quadratmeter grossen Modellhaus auf, das an der Messe «ArbeitsSicherheit Schweiz» am 17./18. November in Basel und später an anderen Orten gezeigt wird.

Ausgestattet ist das Modellhaus mit Touchscreens, auf denen die Besucher mehr über die Materialien und die Gefährdung durch Asbest erfahren. So können Elektrotableaus oder Bodenbeläge Asbest enthalten. Solange diese nicht beschädigt sind oder bearbeitet werden, gelangen die Asbestfasern üblicherweise nicht in die Luft und stellen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr dar. Problematisch wird es dann, wenn ein Umbau oder eine Renovation unsachgemäss ausgeführt wird. Im Asbesthaus erfährt man auch, bei welchen Arbeiten an den Materialien grosse Mengen Asbestfasern freigesetzt werden können. Diese Arbeiten müssen durch anerkannte Sanierungsprofis ausgeführt werden. «Mit dem Asbesthaus wollen wir Architekten, Planer und Baufachleute sensibilisieren, ohne zu dramatisieren», sagt Edgar Käslin, Bereichsleiter Chemie der Suva. «Ein korrekter Umgang mit dem Material Asbest verhindert, dass Arbeitnehmer später an einer asbestbedingten Berufskrankheit erkranken». «Die grosse Herausforderung ist es deshalb, Vorgesetzte und Arbeitnehmende umfassend zu informieren, um sie zum richtigen Handeln zu motivieren und so vor einer unnötigen Asbestbelastung zu schützen», meint Edgar Käslin weiter.

Das Asbesthaus ist ein Element einer breit angelegten Sensibilisierungskampagne. Es wird zunächst an Fachmessen zu sehen sein und wird später auch für Schulungen eingesetzt. Mit Inseraten, die gezielt auf das Asbestrisiko bei Umbauarbeiten hinweisen, informiert die Suva in Fachzeitschriften insbesondere Bauherren, Architekten und betroffene Berufsgruppen.
Asbest und Versicherungsleistungen der Suva
Die Suva hat seit 1939 insgesamt 2559 asbestbedingte Berufskrankheiten anerkannt. 1301 Personen sind an den Folgen der Krankheit verstorben, davon 1086 Personen mit der Diagnose «Mesotheliom» (Bauch- bzw. Brustfellkrebs). Für die Folgen der asbestbedingten Berufskrankheiten entrichtete die Suva an Betroffene und deren Angehörige Versicherungsleistungen in der Höhe von über 600 Millionen Franken (Heilkosten, Taggelder, Integritätsentschädigungen sowie Renten). Den weitaus grössten Teil mit rund 80 Prozent der Kosten machen dabei die Hinterlassenenrenten aus.

Die Informationskampagne zielt primär darauf ab, in Zukunft asbestbedingte Berufskrankheiten zu verhindern und so menschliches Leid zu vermeiden. Als positiver Nebeneffekt verringern sich auch die Kosten. Diese Minderkosten führen bei der Suva zu Prämiensenkungen, da sie als nicht gewinnorientiertes Unternehmen Ertragsüberschüsse in Form von tieferen Prämien an ihre Kunden zurückgibt.
Leistungen durch UVG-Revision in Gefahr
Bei der laufenden Revision des Unfallversicherungsgesetzes hat die vorberatende Kommission des Nationalrats beschlossen, die heutigen Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung zu verschlechtern und gleichzeitig zu verteuern. Dieser Leistungsabbau ist umso fragwürdiger, als die Unfallversicherung ausgezeichnet funktioniert, solide finanziert ist und keinen Sanierungsbedarf aufweist. In der Herbstsession 2010 hat der Nationalrat die Revision an den Bundesrat zurückgewiesen. Ob der Ständerat zum selben Schluss kommt, ist noch offen.
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Erich Wiederkehr, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 56 23, erich.wiederkehr@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.