Hören Jugendliche wirklich schlechter als früher?

«Die Zahlen sind alarmierend: Jugendliche hören immer schlechter.» Solche Aussagen lassen immer wieder aufhorchen. Eine Studie der Suva zum Tag gegen Lärm vom 27. April zeigt nun aber: Lernende in Industrie und Gewerbe hören immer besser.

Gründe für das angeblich desolate Hörvermögen Jugendlicher sind meist schnell gefunden: Die Jugend von heute hört immer länger und immer lauter Musik und ruiniert so ihr Gehör. «Lauter ist nicht besser!» heisst denn auch das Motto des Tags gegen Lärm vom 27. April. Doch stimmt die pauschale Aussage, dass sich das Hörvermögen Jugendlicher unaufhaltsam verschlechtert? Die Suva wollte es genau wissen und hat die Daten der jährlich rund 1000 Lernenden in Suva-versicherten Betrieben ausgewertet, deren Hörvermögen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (siehe Infobox) seit 1971 in den Audiomobilen geprüft wird. Die Zahlen zeigen Erstaunliches: Diese Jugendlichen hören nicht etwa schlechter, sondern besser als früher. Lag der Anteil von Lernenden mit auffälligem Hochtonhörvermögen vor 1975 noch über 40 Prozent, so beträgt er in den letzten Jahren ca. 13 Prozent. Mitbeteiligt daran waren sicher die verfeinerte Audiometrie und die Strategie der Suva, durch präzisere Messungen allfällige Hörschäden bei Lernenden frühzeitig aufzudecken und Massnahmen zu ergreifen. Aber auch nach 1998, als Methodik und Technik der Hörprüfungen nicht mehr verändert wurden, bleibt die Tendenz positiv.

Andere Länder, andere Lautstärken

Dieses Ergebnis mag auf den ersten Blick überraschen. «Aber ausländische Studien, die bei Jugendlichen eine Verschlechterung des Hörvermögens gefunden haben, sind nicht unbesehen auf die Schweiz zu übertragen», sagt Beat Hohmann, Leiter des Bereichs Physik bei der Suva. So kennen die USA keine Lautstärke-Begrenzung für MP3-Player, während in Europa verkaufte Geräte auf 100 dB(A) limitiert sind. Und in der Schweiz gilt für Musikveranstaltungen und Musiklokale – nicht zuletzt auf Initiative der Suva – seit 1996 ein Grenzwert von 100 dB(A). «Auch die bessere Gesundheitsversorgung hilft mit – Ohrerkrankungen werden heute bei uns erkannt und behandelt», so Beat Hohmann. «Und wo die Arbeit laut wird, ist der Gehörschutz für Lernende inzwischen selbstverständlich.»

Frauen sind vernünftiger

Zwar handelt es sich beim grössten Teil der jährlich rund 1000 untersuchten Lernenden um Männer, die bei ihrer beruflichen Tätigkeit gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt sind. Beat Hohmann geht jedoch davon aus, dass die Resultate bei jungen Frauen keinesfalls schlechter ausfallen, denn diese drehen die Lautstärke beim Musikhören weit weniger auf als junge Männer. Dies zeigte eine Suva-Studie aus dem Jahr 2007. Damals wurde das Hörverhalten von 450 Jugendlichen untersucht. Die Resultate waren verblüffend: Die Jugendlichen wählten mehrheitlich unschädliche Schallpegel um 80 Dezibel, nicht höher als in der Walkman-Studie der Suva von 1996. Allerdings hörten sieben Prozent der Befragten – darunter doppelt so viele Jungen wie Mädchen – mit ihrem MP3-Gerät so lange und so laut Musik, dass sie einen Tinnitus oder einen Hörschaden riskierten. Deshalb zeigt die Suva-Schrift «Musik und Hörschäden», welche Musik dem Gehör in welcher Lautstärkeeinstellung wie lange zugemutet werden darf.

Neuauflage der UVG-Revision

Im März 2011 hat das Parlament nach kontroversen Debatten die Revision des Unfallversicherungsgesetzes an den Bundesrat zurückgewiesen. Damit wurde eine grundlose Destabilisierung der gut funktionierenden Unfallversicherung vermieden. Das Parlament verlangt, dass sich die Neuauflage der Revision auf das Notwendigste beschränken und insbesondere das Problem der Überentschädigung im AHV-Alter lösen soll. Für die Suva notwendig ist zudem die Anpassung der Unternehmensstruktur und die Verankerung ihrer Nebentätigkeiten ohne Reduktion des Marktanteils. Angesichts der grossen Herausforderungen im Gesundheitswesen ist es angezeigt, das erfolgreiche und effiziente Sozialversicherungsmodell zu stärken – für den Werkplatz Schweiz und für die Versicherten.

Jährlich 40 000 Untersuche

Seit 40 Jahren untersucht die Suva im Rahmen ihrer Vorsorgeuntersuchungen in ihren Audiomobilen das Hörvermögen von Personen, die am Arbeitsplatz hohen Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Jährlich werden in den Audiomobilen der Suva rund 40 000 Personen untersucht. Dabei stellt die Suva einen deutlichen Rückgang der berufslärmbedingten Hörschäden von 37 Prozent vor 30 Jahren auf 9 Prozent heute fest. Damit verbunden ist auch eine beträchtliche Einsparung, kostet doch ein einziger Hörschaden die Versicherung rund 14 000 Franken. Das dadurch eingesparte Geld kann die nicht gewinnorientierte Suva in Form tieferer Prämien direkt an die versicherten Unternehmen weitergeben.

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Roland Hügi, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 65 14, roland.huegi@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.