Verhängnisvoller Musikgenuss auf dem Velo

Musikhören beim Velofahren ist gefährlich: Akustik-Experten der Suva haben errechnet, dass oft zu wenig Zeit zum Reagieren bleibt, wenn die Umgebungsgeräusche im Strassenverkehr durch Musik in den Ohren übertönt werden.

Für viele sind iPod und MP3-Player nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Ob beim Joggen, im Bus, beim Einkaufen oder eben beim Velofahren: Musik begleitet durch den Tag. Untersuchungen haben ergeben, dass jeder fünfte Jugendliche mit Kopfhörer oder Ohrstöpseln Musik hört, wenn er zu Fuss oder auf dem Fahrrad unterwegs ist. Doch wenn im Strassenverkehr die Umgebungsgeräusche von Musik übertönt werden, ist das eine tödliche Gefahr.

0,3 Sekunden Zeit für Reaktion

Akustik-Experten der Suva haben errechnet, dass ein Fahrradfahrer ohne Kopfhörer ein mit 50 Stundenkilometer von hinten nahendes Fahrzeug auf 16 Meter Distanz wahrnimmt und ihm so zwei Sekunden Reaktionszeit bleibt. Trägt der Velofahrer aber einen Kopfhörer und hört mit 80 Dezibel Musik, was der üblichen Lautstärke entspricht, nimmt er das Fahrzeug erst auf drei Meter Distanz wahr; ihm bleiben lediglich 0,3 Sekunden für eine Reaktion. Oft zu kurz, um der Gefahr zu entkommen. «Diese Resultate belegen, dass auch mit vernünftiger Lautstärke das Tragen von Kopfhörern im Strassenverkehr fatale Konsequenzen haben kann», sagt Beat Hohmann, Leiter des Bereichs Physik der Suva.

Rechtliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen

Der Fahrzeugführer muss seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden, besagt Art. 31 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes. Er darf beim Fahren keine Verrichtung vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert. Er hat ferner dafür zu sorgen, dass seine Aufmerksamkeit insbesondere durch Tonwiedergabegeräte sowie Kommunikations- und Informationssysteme nicht beeinträchtigt wird. Wenn also ein Fahrradfahrer mit aufgesetzten Kopfhörern in einen Unfall verwickelt wird, trägt er eine Mitschuld. Im Sinne der Prävention ist von Musikhören beim Velofahren dringend abzuraten. So könnten nicht nur rechtliche Konsequenzen und menschliches Leid vermieden werden, sondern auch unnötige Kosten, was wiederum den Versicherten in Form von tieferen Prämien zu gute kommt.

Neuauflage der UVG-Revision

Im März 2011 hat das Parlament nach kontroversen Debatten die Revision des Unfallversicherungsgesetzes an den Bundesrat zurückgewiesen. Damit wurde eine grundlose Destabilisierung der gut funktionierenden Unfallversicherung vermieden. Das Parlament verlangt, dass sich die Neuauflage der Revision auf das Notwendigste beschränken und insbesondere das Problem der Überentschädigung im AHV-Alter lösen soll. Für die Suva notwendig ist zudem die Anpassung der Unternehmensstruktur und die Verankerung ihrer Nebentätigkeiten ohne Reduktion des Marktanteils. Angesichts der grossen Herausforderungen im Gesundheitswesen ist es angezeigt, das erfolgreiche und effiziente Sozialversicherungsmodell zu stärken – für den Werkplatz Schweiz und für die Versicherten.

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Angela Zobrist, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 54 76, angela.zobrist@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 19 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,2 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.