Jugendgewalt hat erneut zugenommen

Gewaltbedingte Körperverletzungen haben seit Mitte der 90er-Jahre beschleunigt und massiv zugenommen – und zwar ausschliesslich im öffentlichen Raum. Besonders stark betroffen sind junge Männer zwischen 15 und 24 Jahren. Die Vorfälle haben sich zunehmend ins Wochenende, in die grossen Städte und in die Stunden nach Mitternacht verlagert. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Eine neue um die Jahre 2007-2009 ergänzte Studie der Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung UVG (SSUV) bestätigt den Trend einer ersten Studie mit den Statistiken bis ins Jahr 2006: In den letzten 15 Jahren haben die gewaltbedingten Verletzungen beschleunigt und massiv zugenommen. Die Zahlen der Unfallversicherer bestätigen die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Ausgewertet in der Studie sind die Fälle von Erwerbstätigen, die obligatorisch gegen Unfälle versichert sind, also knapp die Hälfte der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung dürften gemäss Studienverfasser Bruno Lanfranconi, Bereichsleiter Statistik der Suva, 2009 rund 16 000 Personen eine gewaltbedingte Körperverletzung erlitten haben, die einen Arztbesuch erforderte.

Junge Männer zwischen 15 und 24 Jahren besonders betroffen

Am stärksten betroffen sind junge Männer zwischen 15 und 24 Jahren. Zwischen 1995 und 2009 hat sich das Risiko verdreifacht. 2009 erlitten in dieser Alterskategorie 13 von 1000 Versicherten gewaltbedingte Körperverletzung. Bei den gleichaltrigen Frauen hingegen waren es in den letzten Jahren lediglich 2 bis 3 Fälle pro 1000.

Grösstes Risiko im Ausgang nach Mitternacht

Die meisten gewaltbedingten Verletzungen ereignen sich am Wochenende zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens im Ausgang. Bei den Männern sind es 70 Prozent, bei den Frauen immerhin 50 Prozent der Verletzungen, die sich im öffentlichen Raum ereignen. Die gefährlichste Stunde ist für die Männer zwischen 1 und 2 Uhr, für die Frauen zwischen 2 und 3 Uhr nachts. Besonders hoch ist das Risiko in den grossen Städten. Dies ist primär auf den Ausgeh-Tourismus zurückzuführen. So ist der durchschnittliche Anteil der Nicht-Ortsansässigen unter den betroffenen jungen Männern auf 60 Prozent gestiegen, variiert aber sehr stark je nach Stadt: Während in Bern 75 Prozent der verletzten jungen Männer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren ortsfremd sind, betrug dieser Anteil am unteren Ende der Skala in Winterthur nur 45 Prozent.

Stabile Zahlen im privaten Raum und im Berufsleben

Im Gegensatz zur Entwicklung im öffentlichen Raum ist im privaten Raum kein Trend zu mehr gewaltbedingen Verletzungen auszumachen. Doch erfahren Frauen dort mehr als doppelt so häufig Gewalt wie Männer.

Ebenso wenig ist eine Zunahme der gewaltbedingten Verletzungen im Berufsleben festzustellen. Das grösste Risiko, während der Arbeit durch Gewalt verletzt zu werden, haben Polizistinnen und Polizisten (11 von 1000). Das ist allerdings immer noch ein tieferes Risiko als bei den 15- bis 24-jährigen Männern in der Freizeit.

Angemessene Reaktion auf Gewalt im öffentlichem Raum fehlt

Der Autor der Studie kommt zum Schluss, dass ganz im Gegensatz zum entschlossenen Vorgehen gegen die Gewalt im privaten und im beruflichen Raum, im Bezug auf die Gewalt im öffentlichen Raum eine angemessene Reaktion noch nicht gefunden sei.

Erstmals auch Zahlen zu gewaltbedingten Verletzungen im Militär

Die Zunahme der Gewaltfälle ist nicht nur im Zivilleben spürbar. Auch in der Militärversicherung haben die gewaltbedingten Verletzungen junger Milizangehöriger zugenommen. Rund 40 Prozent der Fälle ereignen sich im Ausgang oder im Urlaub. Zwei Drittel der Verletzten sind zwischen 18 und 24 Jahre alt.

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