Suva: Renten 2011 erneut auf Rekordtief

Mehr Unfälle und weniger Renten – das ergibt die Auswertung des Versicherungsjahrs 2011 der Suva. Insgesamt wurden 466 424 Unfälle und Berufskrankheiten gemeldet, 1,6 Prozent mehr als 2010. Zugleich aber ging die Zahl neuer Invalidenrenten um 12,7 Prozent zurück. Die Suva führt dies auf ihre erfolgreiche Strategie zurück, Verunfallte wieder ins Berufsleben einzugliedern.

Seit die Suva 2003 das New Case Management  eingeführt hat, sinkt die Zahl der Neurenten kontinuierlich. Mit 1727 neuen Invalidenrenten geht die Zahl allein 2011 um 12,7 Prozent zurück. Damit verzeichnet die Suva ein neues Rekordtief seit der Einführung des Unfallversicherungsgesetzes 1984. Insgesamt reduzierte sich die Zahl seit dem Höchststand von 2003 (3357 Renten) um 48,4 Prozent.

Auf der Kostenseite wirkt sich diese Entwicklung noch deutlicher aus: Die Suva stellte 2011 rund 482,4 Millionen Franken zurück, um die Renten zu finanzieren. Dieser Betrag entspricht einem Rückgang um 9,8 Prozent oder 52,5 Millionen Franken. Verglichen mit dem Höchststand von 2003 (1029 Millionen Franken) haben sich die Rentenkosten mehr als halbiert. Rund 100 000 Menschen erhalten eine Suva-Rente, davon sind gut drei Viertel Invalidenrenten (auch Teilrenten) und knapp ein Viertel Hinterlassenenrenten.

Positiver Effekt der Wiedereingliederung

«Die Zahlen bestätigen unsere erfolgreiche Strategie, die Wiedereingliederung von Verunfallten ins Berufsleben ins Zentrum zu rücken», sagt Felix Weber, Mitglied der Geschäftsleitung und Verantwortlicher für Versicherungsleistungen und Rehabilitation. Grosse Aufmerksamkeit schenkt die Suva dabei Verunfallten mit einem komplizierten Heilungsverlauf. Zusammen mit den Betroffenen, Ärzten, Arbeitgebern, den rund 130 Case Managern der Suva und weiteren Beteiligten gelang es erneut, zahlreiche schwer verunfallte Arbeitnehmende wieder in den Berufsalltag zu integrieren. Dies hat einen positiven Einfluss auf die Kosten der Unfallversicherung. Als nicht gewinnorientiertes Unternehmen, das von den Sozialpartnern geführt wird, gibt die Suva Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück.

2009 hat die Suva in Koordination mit der Invalidenversicherung die «Initiative Berufliche Reintegration» lanciert und damit ein Anreizsystem für Arbeitgeber geschaffen, Verunfallten einen Arbeitsplatz anzubieten, die sonst keine Möglichkeit mehr auf einen Wiedereinstieg haben. Die Suva zahlt während der Einarbeitungszeit Taggelder und übernimmt die Kosten für Anpassungen am Arbeitsplatz. Wird der Verunfallte anschliessend fest angestellt, zahlt die Suva dem Unternehmen einen Bonus von maximal 10 000 Franken aus. «Die Initiative Berufliche Reintegration stösst bei den Unternehmen auf eine gute Resonanz», hält Felix Weber fest, «2011 konnten wir mehr als 60 Menschen so einen Arbeitsplatz verschaffen, die ohne diese Hilfe nur schwer eine Stelle bekommen hätten. Für Verunfallte, Arbeitgeber und die Suva hat sich das als Erfolgsmodell erwiesen.» Durch dieses Engagement konnte die Suva Kosten von gut 10 Millionen Franken einsparen.

Verunfallte sind zufrieden mit Dienstleitungen

Die Bemühungen der Suva für die Wiedereingliederung werden auch von den Versicherten geschätzt. 2011 wurde eine Befragung von rund 30 000 Verunfallten durchgeführt, die ihre Zufriedenheit mit der Fallabwicklung mit insgesamt 87 von 100 Punkten bewerteten. Die schnelle Reaktion auf die Unfallmeldung (89 Punkte), die faire und zuverlässige Fallabwicklung (88 Punkte) und die Möglichkeit, eigene Anliegen einzubringen (81 Punkte), wurden sehr geschätzt. Die Unterstützung der Suva bei der Wiederaufnahme der Arbeit bewerteten die Versicherten mit 83 Punkten, wobei ins-besondere die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern (86 Punkte) sehr positiv auffiel.

Mehr Unfälle verzeichnet

Eine Zunahme verzeichnete die Suva 2011 bei den Unfallzahlen: Die Schadenfälle sind um rund 1,6 Prozent auf 466 424 anstiegen. Um gut 2 Prozent legten dabei jeweils die neu registrierten Berufsunfälle (185 855) und die Nichtberufsunfälle (261 802) zu. Deutlich zurückgegangen sind hingegen mit Minus 18,7 Prozent die neu registrierten Fälle in der Unfallversicherung für Arbeitslose (UVAL), nachdem sie im Jahr 2010 um 18,1 Prozent zugelegt haben. Diese Schwankung ist auf die Veränderung der Arbeitslosenzahlen zurückzuführen, die 2011 wieder etwas zurückgegangen sind.

Versicherungskosten insgesamt stabil

Der Anstieg der Unfallzahlen hat direkte Auswirkungen auf die Taggeldkosten und die Heilkosten. Diese sind 2011 erneut gestiegen: Die Suva entrichtete im vergangenen Jahr Taggelder in der Höhe von 1,19 Milliarden Franken, gut 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Taggeldbezugsdauer blieb unverändert bei 38,5 Tagen.

Auch die Heilkosten stiegen 2011 um 2,2 Prozent und knackten erstmals die Milliardengrenze: rund 1 Milliarde Franken kosteten die ärztlichen und therapeutischen Behandlungen der Versicherten. «Weil wir allerdings mehr Fälle abgewickelt haben, sind die durchschnittlichen Kosten pro Fall von 1681 auf 1676 Franken gesunken», sagt Felix Weber. Die Suva unternimmt viel, um die steigenden Heilkosten im Griff zu behalten. So prüft sie jährlich manuell wie elektronisch rund 2 Millionen Rechnungen. Damit verhindert sie, dass jedes Jahr rund 100 Millionen Franken unnötigerweise ausbezahlt werden.

Zudem engagiert sich die Suva gegen Versicherungsmissbrauch  und prüft jährlich rund 300 Verdachtsfälle. Wird ein Missbrauch aufgedeckt, leitet die Suva die nötigen Schritte ein. Pro Fall spart sie damit bis zu einer halben Million Franken ein.
Die Versicherungskosten blieben mit 2,9 Milliarden Franken insgesamt stabil. «Der Rückgang der Rentenkosten kompensiert den leichten Anstieg bei den Taggeldern und bei den Heilkosten», sagt Felix Weber, «die Suva hat 2011 ihre Kostenziele erreicht.»

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Dominique Marty, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 56 23, dominique.marty@suva.ch

 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3000 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 115 000 Unternehmen bzw. 2 Mio. Berufstätige und Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,3 Mrd. Franken. Im Auftrag des Bundes führt sie seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.