Aus Unfällen lernen, um sie zu vermeiden

Unfälle werden oft schnell verdrängt und geraten in Vergessenheit. Für die Suva ist es jedoch das A und O der Prävention, aus Unfällen zu lernen, um sie künftig zu vermeiden. Zeitnah zu zwei tödlichen Unfällen oberhalb der SBB-Strecke in Gurtnellen lanciert sie zusammen mit dem Industriepartner TREBU SWISS ein Sicherungssystem, das menschliches Leid verhindern kann.

In der Schweiz kam es in den letzten Jahren regelmässig zu kleineren und grösseren Felsstürzen. Deshalb werden viele kritische Felspartien messtechnisch überwacht, nötigenfalls weggesprengt oder felstechnisch gesichert. Im Frühling 2012 verloren dabei zwei Felssicherungsspezialisten oberhalb der SBB-Strecke in Gurtnellen infolge tragischer Unfälle ihr Leben. Es ist absehbar, dass sich künftig vermehrt Spezialisten zu Überwachungszwecken oder für Sicherungsarbeiten in ähnliche Gefährdungssituationen begeben müssen.

Ein Ziel der Suva ist es, mit gezielter Prävention menschliches Leid zu verhindern. Deshalb hat die Suva die Entwicklung von Sicherungsmassnahmen für Zugänge zu absturzgefährdeten Arbeitsplätzen vorangetrieben. Heute präsentiert sie zusammen mit dem Industriepartner und Hersteller TREBU SWISS ein Sicherungssystem, das Absturzunfälle verhindern kann.

Permanent gesichert

Die Lösungsansätze der Suva für mehr Sicherheit an absturzgefährdeten Arbeitsplätzen wurden von TREBU SWISS in den vergangenen Monaten weiterentwickelt.

Es entstand ein modernes Zwischenankersystem für Fixseile (sogenannte Lifelines), mit welchem Wege mit Absturzgefahr einfach und praktisch abgesichert und trotzdem komfortabel und zügig begangen werden können. Der grosse Vorteil gegenüber bisheriger Systeme ist, dass sich die Nutzer dieser Technik nur einmal mit dem Karabiner an die Lifeline einhängen und sich auf der ganzen Strecke nicht mehr um- oder aushängen müssen. Somit sind sie an absturzgefährdeten Stellen permanent gesichert und haben immer eine Hand für Werkzeuge oder Bauteile frei. Unbeabsichtigte Fehlmanipulationen sind so praktisch ausgeschlossen. «Es ist entscheidend, dass Schutzvorrichtungen die Arbeiter so wenig wie möglich bei ihrer Arbeit behindern oder einschränken. Die bisherige Installationsmethode für Lifelines hat zur Folge, dass sich jede Person pro Tag mehrere Dutzend Mal um- oder aushängen muss, wozu sie meistens noch beide Hände benötigen», erklärt Suva-Sicherheitsingenieur und Initiant für das vorliegende Absturzsicherungs-Projekt Bernhard von Mühlenen.

System «Mouflon»: Vielseitig einsetzbar

Markus Burger von der Herstellerfirma hat die Eigenschaften von mehreren Produkt-Typen im vielseitig einsetzbaren Zwischenanker «Mouflon» vereint. Dieser lässt sich mit Ankerdübeln oder Stabankern einfach auf den Fels montieren aber auch mit einer speziellen Spanngurte um einen Baum oder eine Stahlstütze befestigen. Gemäss Markus Burger sind die Anwendungsgebiete dieses Zwischenankers vielfältig und nicht nur für Felssicherungsarbeiten denkbar: «Sei es auf Turmdrehkranen, Zugängen zu Hochspannungs- oder Seilbahnmastbaustellen, im Hoch-, Brücken- oder im Rückbau aber auch in langen Zugangsstrecken von Seilparks sowie an Klettersteigen; das System «Mouflon» verfügt über grosses Potenzial, in vielen Branchen für weniger Absturzunfälle zu sorgen.» Die ersten Systemprüfungen des Zwischenankersystems «Mouflon» fanden am 5. September 2012 statt. Weitere Tests sind am Laufen. Die SBB verfolgt die Zertifizierung mit grossem Interesse. Heinz Müller, zuständig im Bereich Naturrisiken bei der SBB: «Ich bin sowohl von der einfachen Montage wie auch von der überzeugend praktischen Zwischenanker positiv überrascht».

STOPP bei Gefahr

Keine Arbeit ist so wichtig, dass man dafür sein Leben riskiert. Deshalb hat die Suva vor einem Jahr zusammen mit Partnern die Sicherheits-Charta ins Leben gerufen. Mit ihr verpflichten sich Planer, Unternehmer und Mitarbeitende des Bauhaupt- und Nebengewerbes gleichermassen bei Gefahr STOPP zu sagen und erst weiterzuarbeiten, wenn die Gefahr beseitigt ist. Denn alle haben das Recht, unversehrt von der Arbeit nach Hause zurückzukehren. Die Sicherheits-Charta für das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ist eines der Elemente der «Vision 250 Leben» der Suva. Ziel ist es, innert zehn Jahren 250 Menschenleben zu bewahren. Eine Sicherheits-Charta für weitere Branchen ist in Vorbereitung. Gemeinsame Prävention hilft, Leben zu retten und damit grosses Leid zu verhindern. Sie hilft darüber hinaus auch, Kosten und Prämien zu senken. Denn die Suva lässt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Unternehmen zurückfliessen.

Bild- sowie Videomaterial finden Sie unter http://www.photopress.ch/image/suva/aktuell/medienanlass gurtnellen .

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Serkan Isik, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 65 14, serkan.isik@suva.ch 

 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3100 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 118 000 Unternehmen bzw. 1,9 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,4 Mrd. Franken. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.