Gleichgewichtsstudie mit Bauarbeitern

Rund 295 000 Personen stolpern oder stürzen in der Schweiz jährlich. Oft könnten diese Unfälle durch ein besseres Gleichgewicht und mehr Kraft in den Beinen verhindert werden. Die Suva hat mit Bauarbeitern getestet, ob das Trainingsprogramm «Footbag» das Stolper- und Sturzrisiko innert dreizehn Wochen senken kann.

Sie betonieren, schalen oder führen Aushubarbeiten durch. Bauarbeiter sind von morgens bis abends auf den Beinen. Umso grösser ist die Gefahr, dass sie sich bei einem Stolper- oder Sturzunfall verletzen. Zwar sind Bauarbeiter besonders exponiert, doch alleine sind sie bei weitem nicht. So registrieren die Unfallversicherungen jährlich rund 295 000 verunfallte Personen, weil sie stolpern oder stürzen. Davon sind 155 000 Personen erwerbstätig und somit nach UVG versichert. Diese Zahlen lassen sich senken: Durch ein besseres Gleichgewicht und mehr Kraft in den Beinen können unerwartete Stolpersituationen ausbalanciert und dadurch Sturzunfälle verhindert werden. Deshalb hat die Suva ihr Gleichgewichtsprogramm «Footbag» während dreizehn Wochen an Mitarbeitenden der Implenia Bau AG getestet. Dabei standen folgende Fragen im Mittelpunkt: Verändert sich das Gleichgewicht der Bauarbeiter? Nimmt die Beinkraft zu? Bleiben mögliche Verbesserungen auch nach Abschluss der dreizehnwöchigen Trainingsphase bestehen?
Einmal täglich in der Gruppe trainieren
Auf einem Bein stehen, den Footbag auf dem Fuss balancieren und 30 Sekunden in dieser Position bleiben. Dies ist eine Übung aus dem Gleichgewichtsprogramm «Footbag» der Suva. Wer von Mitte Februar bis Ende Mai frühmorgens an einer Baustelle vorbeigelaufen ist, hatte die Gelegenheit die Übung live zu sehen. Während diesem Zeitrahmen haben die Mitarbeitenden der Implenia Bau AG einmal täglich das Gleichgewichtsprogramm durchgeführt. Vor Arbeitsbeginn zeigte der instruierte Polier den Bauarbeitern jeweils während fünfzehn Minuten verschiedene Übungen. Das Training war Bestandteil der Arbeitszeit. «Wir haben unseren Fokus auf gesunde Bauarbeiter im Alter von 20 bis 60 Jahren gelegt», sagt Kampagnenleiterin Sandra Mathis. Da aufgrund von häufigen Teamumstellungen innerhalb der einzelnen Arbeitsgruppen mit vielen Ausfällen gerechnet werden musste, wurden anfänglich 97 Bauarbeiter rekrutiert.
Positive Wirkung auf Gruppenzusammenhalt
Unmittelbar nach Abschluss der dreizehnwöchigen Trainingsphase fand der erste Nachtest statt. Die Bauarbeiter erreichten im Einbeinstand wie auch beim Rückwärtsbalancieren die besseren Werte als vor dem Projekt. «Dies zeigt, dass es durchaus möglich ist, das Gleichgewicht innerhalb von einer kurzen Zeitspanne zu verbessern», so Mathis. Doch bleiben diese Veränderungen auch nach Trainingsstopp bestehen? Um genau das zu überprüfen, wurde nach weiteren acht Wochen ohne Training ein zweiter Nachtest verrichtet. Die trainingsbedingten Verbesserungen sind bei allen Teilnehmenden erhalten geblieben. Ein Gleichgewichtstraining auf einer nicht permanenten Basis kann also ausreichend sein. Zu keinen Verbesserungen führte das Trainingsprogramm bei der maximalen Sprunghöhe. «Somit hatte es auch keinen positiven Einfluss auf die Beinkraft», erklärt Mathis. Die Bauarbeiter hätten in diesem Bereich ein relativ hohes Ausgangsniveau gehabt und es sei dementsprechend schwieriger eine Verbesserung zu erzielen. Insgesamt kam die Studie bei den Teilnehmenden positiv an: Die Mehrheit glaubt, dass das Übungsprogramm zu Verhinderungen von Stolper- und Sturzunfällen auf dem Bau beitragen kann und sich zudem positiv auf den Gruppenzusammenhalt auswirkt.
Spielerisch zu mehr Kraft und Gleichgewicht

Das Gleichgewichtsprogramm der Suva besteht aus verschiedenen Übungen, die mit einem sogenannten Footbag, auch «Hackysack» genannt, durchgeführt werden. Dies ist ein kleines, mit Sand oder Granulat gefülltes Stoffsäckchen. Die Übungen lassen sich zu Hause oder am Arbeitsplatz ohne grossen Aufwand und mit wenig Platz ausführen. Idealerweise wird das Programm fix in den Alltag eingebaut. Das «Footbag»-Programm ist Teil der im Jahr 2010 lancierten Fünfjahres-Kampagne «stolpern.ch». Mit gezielten Präventionsaktivitäten will die Suva Stolperunfälle reduzieren und ihre versicherten Betriebe wie auch die breite Bevölkerung sensibilisieren. Weniger Unfälle bedeuten nicht nur weniger Leid, sondern auch Kosteneinsparungen. Diese Einsparungen kommen den Versicherten der Suva in Form von tieferen Prämien zugute.

Bilder stehen zur Verfügung unter: www.photopress.ch/image/Suva  

Footbag-Set bestellen

Das Bewegungsprogrammpaket inkl. Footbag kann kostenlos bestellt werden: Suva, Kundendienst, Postfach, 6002 Luzern, Fax: 041 419 59 17 oder unter www.suva.ch/waswo   (Bestellnummer 88263.d).
Alle Übungen des Gleichgewichts-Programms stehen auch auf www.youtube.com/suvaschweiz   zur Verfügung oder können kostenlos vom App Store oder im Android Market als App mit dem Namen «Footbag» heruntergeladen werden.

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Barbara Senn, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 54 76, barbara.senn@suva.ch 

 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3100 Mitarbeitende. Sie ist ein selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts und versichert rund 118 000 Unternehmen bzw. 1,9 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Suva generiert ein Prämienvolumen von rund 4,4 Mrd. Franken. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.