Pilotprojekt für verunfallte Arbeitslose liefert wertvolle Erkenntnisse

Verunfallte Arbeitslose verursachen höhere Kosten (Taggelder, Renten und Heilkosten) als Arbeitende, die einen Unfall erleiden. Die Suva und das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO verfolgten mit dem Pilotprojekt UVAL (Unfallversicherung für Arbeitslose) das Ziel, Arbeitslose schneller wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Die Initianten ziehen eine positive Gesamtbilanz und verfolgen verschiedene im Pilotprojekt getestete Massnahmen weiter.

Ob jemand arbeitet oder arbeitslos ist, hat bei einem Unfall unterschiedliche Auswirkungen auf die Kosten. Zwar erleiden Arbeitslose nicht schwerere Unfälle; auch das Risiko, als Arbeitsloser einen Unfall zu erleiden, ist nicht grösser als bei Berufstätigen. Dennoch sind Arbeitslose nach einem Unfall mehr als anderthalb Mal so lang arbeitsunfähig und beziehen durchschnittlich während 69 Tagen Unfalltaggelder (Berufstätige: 43 Tage). Im Jahr 2012 wurden beispielsweise rund 14 000 Unfälle von Arbeitslosen registriert und knapp 125 Millionen Franken für Heilkosten, Taggelder und Renten aufgewendet. Diese Zahlen haben die Suva und das SECO vor rund zwei Jahren veranlasst, ein gemeinsames Projekt zu starten. Ziel war es, verunfallte Arbeitslose schneller wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen und so die Bezugsdauer von Taggeldern zu reduzieren.

Bewegungsprogramm wird weitergeführt
Das Pilotprojekt UVAL wurde in zwei Teilprojekten umgesetzt: Das Teilprojekt «Individuelle Betreuung» wollte primär die Dauer der Arbeitsunfähigkeit von verunfallten Arbeitslosen reduzieren und die Taggeldkosten um 10 Prozent senken. Dieses hochgesteckte Ziel konnte nicht erreicht werden. «Es konnten weniger Personen ins Projekt integriert werden als erwartet», sagt Peter Diermann, Bereichsleiter Versicherungsleistungen bei der Suva. Die für das Teilprojekt definierte Zielgruppe war kleiner als angenommen. Aufgrund dieser zu kleinen Fallzahlen sei es auch nicht möglich gewesen, eine statistisch aussagekräftige Auswertung zu machen. Im zweiten Teilprojekt «Bewegung bringt's» wollten die Suva und das SECO in erster Linie die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit von Arbeitslosen stärken, um damit deren Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten. Ein Bewegungsprogramm konnte bei den beteiligten Anbietern erfolgreich eingeführt werden und wird nun über das Pilotprojekt hinaus weitergeführt.

Erfolgversprechende Massnahmen entwickelt
Die Suva und das SECO ziehen eine positive Gesamtbilanz. «Der Nutzen des Pilotprojekts liegt besonders darin, dass wir einzelne erfolgversprechende Massnahmen entwickeln und erproben konnten», betont Diermann. So habe sich etwa die frühe Kontaktaufnahme mit den Arbeitslosen und der optimierte Einsatz des Suva-Kreisarztes als sinnvoll erwiesen. «Zudem hat das Pilotprojekt zu einer Sensibilisierung der beteiligten RAV-Mitarbeitenden für die Problematik von verunfallten Arbeitslosen beigetragen», sagt Tony Erb, Leiter Ressort Arbeitsmarktmassnahmen beim SECO. Und: Alle involvierten Stellen hätten sich mit grossem Engagement beteiligt.

Erkenntnisse werden weiterverfolgt
Die Suva und das SECO sind nach wie vor überzeugt, dass geeignete Massnahmen dazu beitragen, verunfallte Arbeitslose schneller wieder in den Erwerbsprozess zu integrieren. Aus diesem Grund werden die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt weiterverfolgt. Beispielsweise wird geprüft, ob gesamtschweizerisch ein früherer Einbezug des Kreisarztes umgesetzt und finanziert werden könnte. Ebenfalls auf dem Radar sind Bewegungspausen und Aufwärmübungen, die Erarbeitung eines Cockpits, arbeitsmarktliche Massnahmen während der Arbeitsunfähigkeit sowie Optimierungen in der Zusammenarbeit zwischen allen involvierten Stellen (Suva, RAV und Arbeitslosenkassen).

Auskünfte an Medienschaffende erteilen:
Suva
Barbara Senn, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 54 76, barbara.senn@suva.ch 

SECO
Marie Avet, SECO Kommunikation,
Tel. 031 322 40 20, marie.avet@seco.admin.ch 


Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3200 Mitarbeitende. Als selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 120 000 Unternehmen bzw. 1,9 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten