Trendwende: Rückgang gewaltbedingter Verletzungen bei jungen Männern

Das Risiko für junge erwerbstätige Männer, sich im öffentlichen Raum gewaltbedingte Verletzungen zuzuziehen, hat sich von 1995 bis 2008 verfünffacht. Nun ist eine Trendwende erkennbar: Von 2009 bis 2011 nahm das Verletzungsrisiko ab, wie eine von der Suva publizierte Studie offenlegt.

Die dritte Studie der Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung (SSUV) zu gewaltbedingten Verletzungen junger Menschen fördert interessante, durchaus auch überraschende Erkenntnisse zutage: Das Risiko für erwerbstätige Männer zwischen 15 und 24 Jahren, in der Freizeit durch Gewalt verletzt zu werden, ist erstmals seit 1995 zurückgegangen. Noch zwischen 1995 und 2008 hatte sich das Gefahrenrisiko verfünffacht, zwischen 2009 und 2011 ging es nun um rund 20 Prozent zurück, wie die Analyse des Zahlenmaterials der SSUV zeigt. Die Trendwende hat bei den Jüngsten am frühesten eingesetzt, und der Rückgang ist bei ihnen am grössten. Auch bei den berufstätigen jungen Frauen hat die Gewaltrate zugenommen, von 1995 bis 2011 um das Fünffache. Hinweise für eine Trendwende gibt es jedoch noch keine. Dies steht im Gegensatz zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die sowohl bei der männlichen wie auch bei der weiblichen Gesamtbevölkerung eine Risikoabnahme für gewaltbedingte Körperverletzungen ausweist. Insgesamt ist die Zahl der von den UVG-Versicherern registrierten Gewaltverletzungen von gut 9'600 Fällen im Jahr 2008 auf noch 9300 Fälle im Jahr 2011 zurückgegangen.

Höchstes Gewaltniveau in jungen Jahren...
Bei beiden Geschlechtern ist die Gewaltrate in jungen Jahren am höchsten: Bei den Männern im Alter von 17 bis 21 Jahren, bei den Frauen im Alter von 19 bis 22 Jahren. In diesem Alter ist das Risiko für Männer, in der Freizeit gewaltbedingte Verletzungen zu erleiden, vier bis fünf Mal so hoch wie dasjenige für Frauen. Im Beruf und im privaten Raum (in der Freizeit) sind die Gewaltrisiken seit langem weitgehend konstant. Sie sind ausserdem bedeutend tiefer als im öffentlichen Raum. Die Gewaltrate in der Freizeit (privater und öffentlicher Raum) ist für Männer sechsmal höher als im Beruf, für Frauen viermal höher als im Beruf. Für Frauen ist hingegen das Risiko, im privaten Bereich Gewalt zu erleiden, deutlich höher als dasjenige für Männer.

...und an Wochenenden in den Städten
Gewaltbedingte Verletzungen erfahren die Betroffenen also vorwiegend in der Freizeit, und zwar im öffentlichen Raum. Offensichtlich ist im Weiteren, dass sich die Gewalttaten stark ins Wochenende und in die städtischen Ausgangsmeilen verschoben haben. Der Anteil der gewaltbedingten Verletzungen im öffentlichen Raum an den Wochenenden (Freitag bis Sonntag) liegt für die Periode 2007 bis 2011 für Männer bei 79 Prozent, für Frauen bei 67 Prozent.
Der ausgemachte Trend eines Gewaltrückgangs bei jungen Männern hat für die zehn grössten Städte der Schweiz keine Gültigkeit. Zürich weist allein aufgrund seiner Grösse am meisten Verletzte pro Wochenende auf, gefolgt von Bern, Lausanne, Genf und Basel. Die meisten Gewaltverletzungen ereignen sich erst spät nachts nach 24 Uhr und betreffen zunehmend Auswärtige. Die Analyse der gewaltbedingten Verletzungen im öffentlichen Raum nach Verletzungsart und nach den betroffenen Körperteilen liefert keinerlei Indizien, dass der durchschnittliche Schweregrad der Verletzungen seit 1995 abgenommen hätte. Das Gegenteil ist der Fall: Die schwersten, überwiegend den Kopf betreffenden Verletzungen machen zwar einen relativ kleinen Anteil an der Gesamtheit aller Fälle aus, ihr Anteil hat sich jedoch von 5 auf 10 Prozent verdoppelt.

Datenbasis
Die Studie stützt sich auf Zahlen der Unfallversicherer nach UVG (Unfallversicherungsgesetz). Berücksichtigt sind gemeldete gewaltbedingte Verletzungen bei der Arbeit und in der Freizeit von Arbeitnehmenden im Alter von 15 bis 64 Jahren. Die Zahlen erlauben keine Aussagen zu den Verursachern, sondern lediglich zu den Opfern von Gewalt. Zu Vergleichszwecken wurden auch Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik herangezogen, die sich auf die Gesamtbevölkerung beziehen, also auch auf die nicht Erwerbstätigen und die selbständig Erwerbenden.

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Bernadette Thalmann, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 56 23, bernadette.thalmann@suva.ch 


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