Junge dopen am häufigsten

hrere europäische Studien kommen zum gleichen Schluss: Doping am Arbeits-und Studienplatz ist Realität. Auch hierzulande wird mit Lifestyle-Medizin nachgeholfen, um Konzentration und Leistung zu verbessern. Dies zeigt die von der Suva in Auftrag gegebene erste repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung zu diesem Phänomen. Aufgrund der Ergebnisse erhofft sich der grösste Schweizer Unfallversicherer, praxisgerechtere Präventionsmittel zu entwickeln.

Der Stress im Schweizer Berufsleben hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Grössere Arbeitslast, strukturiertere Arbeitsprozesse und ein rasantes Tempo, das einem moderne Kommunikationsmittel aufzwingen, sind einige der Gründe dafür. Die Annahme, dass am Arbeits- und Studienplatz immer häufiger mit verschreibungspflichtigen Medikamenten oder anderen psychoaktiven Substanzen experimentiert wird, um dem Stress entgegenzuwirken und die eigene Gehirnleistung zu verbessern, nahm die Suva zum Anlass, erstmals Zahlen zu Doping am Arbeits- und Studienplatz repräsentativ in der Schweizer Allgemeinbevölkerung ermitteln zu lassen. Bisher gibt es methodisch keine vergleichbare Studie sowohl in der Schweiz, als auch in unseren Nachbarländern. Die Erkenntnisse des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung, ein assoziiertes Institut der Universität Zürich, zeigen auf: Doping am Arbeits- und Studienplatz findet in der Schweiz zwar statt, jedoch hat nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Erfahrung mit dem Missbrauch von Medikamenten zur kognitiven Leistungssteigerung.


Ritalinmissbrauch am häufigsten
Insgesamt haben 10 171 Erwerbstätige oder Personen, die sich in Ausbildung befinden, zwischen 15 und 74 Jahre alt sind und in der Schweiz wohnen, an der Befragung teilgenommen. Von allen Umfrageteilnehmenden haben vier Prozent mindestens einmal verschreibungspflichtige Medikamente oder Drogen zum Zweck der kognitiven Leistungssteigerung oder Stimmungsaufhellung eingenommen, ohne dass ein medizinischer Grund dafür vorlag. Davon wird mit zwölf Prozent am häufigsten Ritalin zur Leistungssteigerung bzw. zur Stimmungsaufhellung missbraucht, gefolgt von den verschreibungspflichtigen Medikamenten Cipralex, Temesta, Stilnox, Xanax, Seresta und Valium. Auffällig ist, dass Personen, die sich in Ausbildung befinden, fast doppelt so häufig dopen wie Erwerbstätige. Weiter berichten erwerbstätige Personen mit Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen mit 5.7 Prozent häufiger über Doping am Arbeitsplatz als Angehörige anderer Berufsbranchen. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass nur ein kleiner Teil der Schweizer Bevölkerung Erfahrungen mit Doping am Arbeits- und Studienplatz hat, das über den Konsum von legalen, frei erhältlichen Substanzen wie Koffein oder Vitamin- und Stärkungspräparate hinausreicht. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie bei Personen, die sich in Ausbildung befinden, ist ein erhöhter Konsum von Doping am Arbeitsplatz bzw. im Studium zu beobachten.

Stressreduktion zielführender
Zu den Ergebnissen der Studie sagt der Autor Michael Schaub, Direktor des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung: «Aus heutiger Sicht bin ich der Meinung, dass Doping am Arbeitsplatz und in der Bildung in der Schweiz kein gravierendes Problem ist, das dringender Massnahmen bedarf. Es handelt sich jedoch um ein Phänomen, das in regelmässigen Abständen untersucht werden soll, um eine allfällige Zunahme zu identifizieren». Die Suva erachtet die Studienergebnisse als eine gute Ausgangslage für die zukünftige Beobachtung gesellschaftlich relevanter Fragestellungen. «Die Risikogruppen sind jetzt identifiziert und aus Sicht der Arbeitsmedizin sind wir der Meinung, dass der richtige Umgang mit Herausforderungen aber auch Reduktion von Stress am Arbeitsplatz und in der Bildung die richtigen Ansatzpunkte sind, damit erst gar nicht zu Medikamenten zur Leistungssteigerung gegriffen werden muss», betont Claudia Pletscher, Chefärztin Arbeitsmedizin bei der Suva.

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Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 3200 Mitarbeitende. Als selbständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 120 000 Unternehmen bzw. 1,9Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten