Psychosoziale Risiken - ein Unfallrisiko?

Psychosoziale Risiken sind in aller Munde. Nur was steckt wirklich dahinter? Rund 350 Kaderpersonen und Akteure der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes haben sich heute in Luzern getroffen und anlässlich der 15. Schweizerischen Tagung für Arbeitssicherheit STAS 2014 darüber diskutiert, wie in Unternehmen gegen Dauerstress, Mobbing und Gewalt vorzugehen ist, um einem Unfall aufgrund dieser psychosozialen Belastungen vorzubeugen. Ob durch gezielte Prävention und Früherkennung von psychosozialen Risiken auch Unfälle vermieden werden können und ob diese Risiken überhaupt ein Unfallfaktor sind, war die zentrale Frage der Tagung im KKL Luzern.

Höheres Arbeitstempo, Termindruck oder Stellenunsicherheit; die Anforderungen am Arbeitsplatz nehmen zu und erhöhen das Risiko einer psychosozialen Belastungsstörung. An der 15. Schweizerischen Tagung für Arbeitssicherheit STAS im KKL in Luzern nahmen namhafte Referenten diesen Trend unter die Lupe und dachten einen Schritt weiter. Unter dem Titel «Psychosoziale Risiken – ein Unfallrisiko?» richtet sich die STAS 2014 an das obere Kader von Unternehmen, an Akteure der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes sowie an Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Dass psychosoziale Risiken die Unfallgefahr direkt beeinflussen können, zeigt unter anderem der Auftritt von Prof. Dr. Norbert K. Semmer, Emeritierter Ordinarius Universiät Bern. «Stress kann dazu führen, dass Prioritäten bei der Arbeit falsch gesetzt und Sicherheitsvorschriften umgangen werden. In solchen Fällen erhöht sich die Verletzungsgefahr bei der Arbeit», sagt Semmer.
Psychosoziale Risiken gehen alle etwas an
Technische Hilfsmittel von heute sorgen dafür, dass Mitarbeitende während sieben Tage 24 Stunden erreichbar sind. Es stellt sich dabei die Frage, welche Rolle und Verantwortung dabei das Management hat, damit ihre Mitarbeitenden nicht ständig am Limit arbeiten und leben. BASF zum Beispiel hat seinen über 100 000 Mitarbeitern – davon 2000 in der Schweiz – eine E-Mail-Diät verordnet. Der weltgrösste Chemiekonzern will so verhindern, dass Mitarbeitende auch nach Feierabend ständig online sind und deshalb schneller ausbrennen. Für Unternehmen gilt es, frühzeitig zu erkennen, wenn Mitarbeitende psychosozialen Risiken ausgesetzt sind. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe des Managements, Stress und Überlastung zu vermeiden und somit auch das Unfallrisiko tief zu halten. Dass aber die Verantwortung nicht allein bei den Vorgesetzten liegt, bestätigt Dr. med. Dieter Kissling, Leiter des Instituts Arbeitsmedizin in Baden. «Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz sind häufig und können verschiedenste Ursachen haben. Führungskräfte aber auch Mitarbeitende fühlen sich oft hilflos. Daher ist es entscheidend, dass Mitarbeitende, Führungskräfte, Arbeitgeber und Kontrollorgane sich gemeinsam mit psychosozialen Risiken auseinander setzen und sich befähigen, solchen Risiken entgegenzuwirken», sagt Kissling. Unterstützung bieten die EKAS Box  sowie das «Präventionsmodul Stress» der Suva.
Psychosoziale Risiken als Schwerpunktthema in Europa
Die Suva organisiert im Auftrag der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) alle zwei Jahre die Schweizerische Tagung für Arbeitssicherheit. Das gewählte Thema lehnt sich jeweils an die Europäische Kampagne der EU-OSHA. In den Jahren 2014 und 2015 setzt sich die EU-OSHA dafür ein, für die Bedeutung des Managements von Stress und psychosozialen Risiken bei der Arbeit zu sensibilisieren. Auch wenn die Bewältigung von psychosozialen Risiken und arbeitsbedingtem Stress schwierig zu sein scheint, soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass mit diesem Phänomen ebenso logisch und systematisch verfahren werden kann wie mit anderen Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit.

Bilder zur Tagung unter www.photopress.ch 

Detaillierte Informationen unter:

http://www.ekas.admin.ch/  

https://osha.europa.eu/de 
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS,
Dr. Serge Pürro, Geschäftsführer EKAS, Tel. 041 419 51 59, serge.puerro@ekas.ch 

Suva Unternehmenskommunikation,
Serkan Isik, Tel. 041 419 65 14, serkan.isik@suva.ch 
Aufgaben der EKAS
Die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS fungiert im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz als Drehscheibe: Sie sorgt für die einheitliche Anwendung der Sicherheitsvorschriften in den Betrieben, die koordinierte Verteilung finanzieller Mittel und für eine partnerschaftliche, effiziente Zusammenarbeit von kantonalen Arbeitsinspektoraten, SECO, Suva und Fachorganisationen. Den Vorsitz über die 11-köpfige Kommission, in der auch die Delegierten der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen mitwirken, hat die Suva. Mehr Informationen unter www.ekas.ch .