Kosten senken dank Teilpensen für Verunfallte

Die meisten Menschen, die nach einem Unfall am Arbeitsplatz ausfallen, werden zu 100 Prozent arbeitsunfähig geschrieben. Dies, obwohl sie oft schon während der Genesung wenigstens teilweise wieder arbeiten könnten. Mit Teilarbeits- und Schonarbeitsplätzen könnten massiv Kosten gespart werden.

Von 0 auf 100: Dies ist oft die Realität, wenn Menschen nach einem Unfall im Job ausfallen und dann wieder zu arbeiten beginnen. Zahlen der Suva zeigen, dass Ärzte vor allem bei leichten und mittelschweren Fällen etwa 95 Prozent der Verunfallten zu 100 Prozent arbeitsunfähig schreiben. Erst wenn sie wieder komplett fit sind, endet ihre Absenz am Arbeitsplatz. Eine Ausgangslage, die für die Wiedereingliederung von Verunfallten nicht ideal sei, sagt Wolfgang Czerwenka, Hausarzt und Geschäftsleitungsmitglied der Argomed Ärzte AG. «Es ist wichtig, dass Verunfallte ihr soziales Umfeld nicht verlieren, gebraucht werden und eine Struktur haben.» Denn: Je länger sie arbeitsunfähig bleiben, desto schwieriger ist eine Wiedereingliederung in den Alltag.

Viele verunfallte Menschen vermissen ihre Arbeit. Diese «Sehnsucht» nach der Arbeit thematisiert die Suva in ihrer neuen Kampagne mit dem aktuellen TV-Spot. Denn der Wiedereinstieg in den Berufsalltag gibt Verunfallten ein Stück Lebensqualität zurück, eröffnet ihnen neue Perspektiven und schliesst sie wieder in den Kreis der Kolleginnen und Kollegen ein.

«Alles oder nichts»: die Gründe

Viele Personen wären schon während der Genesung wieder teilweise einsatzfähig – in einem kleineren Pensum oder in einer anderen Funktion. Gründe für den «alles oder nichts»-Gedanken liegen einerseits oft darin, dass für den Arzt zu wenig klar ist, wie der Arbeitsalltag des Verunfallten genau aussieht, also ob der Patient die Arbeit stehend oder sitzend ausführt, schwere Gewichte heben muss oder ob vorübergehend andere Tätigkeiten möglich wären. «Solche Informationen sind entscheidend, damit ein Arzt die Wiedereingliederungsmöglichkeit beurteilen sowie das Pensum festlegen kann», weiss Hausarzt Czerwenka. Andererseits beschäftigten Arbeitgeber je nach Arbeitsplanung lieber Vollzeitmitarbeitende oder seien aus wirtschaftlichen Gründen sogar froh, wenn sie eine Person weniger beschäftigen müssten.

Je mehr Taggelder, desto höher die Prämien

Die Vorteile einer schrittweisen Wiedereingliederung liegen für alle Beteiligten auf der Hand: Für die Verunfallten ist es auf diese Art schonender, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ebenso verläuft die komplette Heilung oft angenehmer, wenn der Verunfallte wieder im gewohnten Umfeld sein kann. Ein Teilpensum lässt sich auch leicht mit ambulanten Rehabilitationsmassnahmen kombinieren. Die Arbeitgeber profitieren finanziell, wenn verunfallte Arbeitnehmer möglichst schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Denn: Je mehr Taggelder, desto höher die Prämien. «Unsere Case Manager versuchen deshalb mit den Arbeitgebern Lösungen zu finden, um Verunfallte baldmöglichst in niedrigen Pensen oder gar an Schonarbeitsplätzen zurück in den Berufsalltag zu führen», sagt Peter Diermann, Bereichsleiter Versicherungsleistungen bei der Suva.

Um dies zu erreichen, stellt die Suva den Arbeitgebern auch ein neu überarbeitetes Formular zur Verfügung, in dem sie mit minimalem Aufwand den Arbeitsplatz und die Tätigkeiten des Verunfallten beschreiben und diese Informationen dem behandelnden Arzt zur Verfügung stellen können. «Dieses Formular ist für die Ärzte ein optimales Instrument, um die Möglichkeiten einer Wiedereingliederung beurteilen zu können», sagt Wolfgang Czerwenka.

Substanziell Kosten sparen

«Liesse sich diese Absenzdauer der Verunfallten am Arbeitsplatz senken, könnten substanziell Kosten gespart werden», so Peter Diermann. Denn mehr als ein Drittel der von der Suva betreuten Verunfallten sind für eine kürzere oder längere Zeit arbeitsunfähig. Sie alle erhalten für ihren Einkommensausfall ein Taggeld in der Höhe von 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Rund 1,29 Milliarden Franken zahlte die Suva im Jahr 2014 dafür aus. Dies ist mehr, als die Suva für die gesamten Heilkosten für die medizinische Behandlung und Rehabilitation der Versicherten aufwendet.

Auskünfte an Medienschaffende erteilt:

Gabriela Hübscher, Unternehmenskommunikation,
Tel. 041 419 55 32, gabriela.huebscher@suva.ch 

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 4000 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 121 000 Unternehmen bzw. 1,95 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.