Mehr Unfälle bei Mountainbikern

Zu Beginn der Velosaison hat die Suva die Daten der Velounfälle ausgewertet: In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl Unfälle im Strassenverkehr stabil geblieben. Die Zahl der Fahrradunfälle abseits der Strasse hat sich hingegen verdoppelt.

Sicher in die Velosaison startet, wer sein Fahrrad vom Fachhändler durchchecken lässt. Reifen, Bremsen, Licht und Schaltung sollten vor der ersten Fahrt einwandfrei funktionieren. Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt, dass die Fahrradsaison wieder beginnt: Die Velounfälle nehmen ab April stark zu, im Sommer sind es viermal mehr als in den Wintermonaten.

80 Prozent Selbstunfälle

Insgesamt verletzten sich im Jahr 2014 mehr als 30 000 Personen bei einem Fahrradunfall, über 40 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. «Die Hälfte der Zunahme lässt sich dadurch erklären, dass es heute mehr Versicherte als 2005 gibt», sagt Peter Andermatt, Statistiker der Suva. Berücksichtigt man diesen Fakt, blieb die Anzahl Velounfälle im Strassenverkehr mit 20 000 Unfällen stabil. «Dies ist sehr erfreulich», sagt Esther Hess, Kampagnenleiterin Velo, «denn die Suva hat in den letzten Jahren im Strassenverkehr intensive Präventionsarbeit geleistet.»

Bei 80 Prozent der Unfälle handelt es sich um Selbstunfälle. Gründe dafür seien vor allem, dass die Fahrerinnen und Fahrer zu wenig aufmerksam oder abgelenkt sind. «Vorausschauend und rücksichtsvoll fahren sowie einen Helm tragen sind zentrale Massnahmen, um sich gegen Verletzungen zu schützen.» Die Helmtragquote im Strassenverkehr ist in den letzten Jahren auf aktuell 47 Prozent angestiegen.

Fast nur Männer

Die neusten Auswertungen der Suva im Rahmen ihrer Serie «Unfälle in Zahlen» zeigen zudem, dass sich die Sport- und Freizeitunfälle abseits der Strasse verdoppelt haben. Dies betrifft insbesondere die Unfälle beim Mountainbiken. «Wir vermuten, dass auch die Zahl der Mountainbiker gleichermassen gestiegen ist», so Statistiker Peter Andermatt. Für Kampagnenleiterin Hess ist klar: «Wir werden das Unfallgeschehen im Auge behalten und wenn nötig die Präventionsarbeit ausweiten. Die rund 6000 Bike-Unfälle machen inzwischen einen Fünftel aller Fahrradunfälle aus. Verursacht werden sie mehrheitlich von Männern im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.

Schultern und Oberarme am häufigsten verletzt

Männer verunfallen im Durchschnitt schwerer als Frauen. Bei den Männern nehmen die Verletzungen an Schultern und Oberarmen im Sommer doppelt so stark zu wie die Verletzungen an Handgelenken, Händen und Fingern. «Dies liegt ebenfalls daran, dass Männer öfter mountainbiken als Frauen und sie sich bei Stürzen schwerer verletzen», sagt Peter Andermatt.

Schultern und Oberarme führen auch die Rangliste der häufigsten Verletzungen an. Knapp ein Fünftel der Verunfallten haben diese Hauptdiagnose. Bei weiteren 16 Prozent wird eine Kopfverletzung diagnostiziert, bei 14 Prozent Handgelenk-, Hand- und Fingerverletzungen. Danach folgen Knie-, Vorderarm- und Ellbogen- sowie Unterschenkel- und Fussgelenkverletzungen (siehe Infografik). Ein Schädelhirntrauma tragen 4 Prozent davon. «Diese schweren Verletzungen sind zum Glück eher selten», sagt Kampagnenleiterin Hess. Gerade dagegen schütze aber der Helm. «Er ist beim Velofahren so wichtig wie der Gurt beim Autofahren.» Ein Velounfall mit Schädelhirntrauma kostet im Durchschnitt 26 500 Franken.

Mehr Schürfungen als Knochenbrüche

Die Kosten der laufenden Fälle betrugen 2014 rund 230 Millionen Franken, dies entspricht einer Zunahme von 43 Prozent in den letzten zehn Jahren. Im Durchschnitt kostet ein Velounfall 6200 Franken. 40 Prozent der Verunfallten tragen ausschliesslich Schürfungen und Prellungen davon. Ein solcher Fall kostet im Schnitt 1400 Franken. 21 Prozent der Velofahrerinnen und Velofahrer erleiden bei einem Unfall Knochenbrüche (durchschnittliche Fallkosten: 12 000 Franken) und 14 Prozent Zerrungen und Verstauchungen (durchschnittliche Fallkosten 4400 Franken).

8 Tipps für sicheres Velofahren
  • Bremsen, Reifen und Licht regelmässig prüfen.
  • Zu Beginn der Velosaison das Fahrrad beim Fachhändler auf Vordermann bringen.
  • Helm tragen und korrekt anpassen
  • Sichtbarkeit: Zu jeder Tageszeit Licht einschalten und helle, reflektierende Kleider tragen.
  • Genügend Zeit einplanen.
  • Aufmerksam und vorausschauend fahren.
  • Verkehrsregeln einhalten und auf andere Rücksicht nehmen.
  • Im Kreisel immer in der Fahrbahnmitte fahren (bessere Sichtbarkeit, kein Abdrängen möglich).
7 zusätzliche Tipps für E-Bike-Fahrerinnen und Fahrer
  • Helm tragen: obligatorische Helmtragpflicht für Lenkende von schnellen E-Bikes (Tretunterstützung bis 45 km/h).
  • E-Bike-Kategorie wählen, die zum Fahrkönnen passt (Empfehlung für Wiedereinsteiger: E-Bike mit Tretunterstützung bis 25 km/h).
  • Vorsicht, das Tempo von E-Bikes kann von anderen Verkehrsteilnehmenden falsch eingeschätzt werden!
  • Mit angepasster Geschwindigkeit fahren und längeren Bremsweg/Anhalteweg beachten (insbesondere mit Kinderanhängern).
  • Fahrtechnik trainieren (E-Bike-Kurse sind empfehlenswert).
  • Mindestalter für alle E-Bikes: 14 Jahre, Ausweis Kategorie M (Mofa-Ausweis) nötig). Ab 16 Jahren kein Führerausweis mehr notwendig.
  • E-Bikes mit Tretunterstützung bis 45 km/h: mindestens ein Mofa-Ausweis nötig, ansonsten einen Motorrad- oder Auto-Führerausweis.
Auskünfte an Medienschaffende erteilt:
  • Gabriela Hübscher

    Mediensprecherin

  • Gabriela Hübscher

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Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 4100 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 123 000 Unternehmen bzw. 1,97 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Verwaltungsrat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.