Motorradunfälle kosten am meisten

Zu Beginn der Töffsaison hat die Suva die Kosten der Motorradunfälle ausgewertet: Ein Motorradunfall schlägt deutlich teurer zu Buche als ein Unfall mit anderen Strassentransportmitteln. Mehrfachverletzungen und Frakturen sorgen dafür, dass ein Töffunfall im Schnitt doppelt so teuer ist, wie ein Unfall mit einem Personenwagen.

Angenehmes Frühlingswetter, kurvenreiche Strassen und die schönen Landschaften der Schweiz geben Töfffahrern ein Gefühl der Freiheit. Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt, dass die Töffsaison beginnt: Die Motorradunfälle nehmen ab April stark zu und erreichen in den Sommermonaten Juni bis August den Höhepunkt.

Töfffahrer verunfallen schwerer

Die Faszination des Töfffahrens hat auch ihre Schattenseiten: Motorradunfälle ziehen die höchsten Kosten nach sich. Pro Fall gehen Motorradunfälle deutlich mehr ins Geld als Unfälle mit dem PW, Fahrrad, Mofa oder Roller. Über die letzten zehn Jahre betrachtet, kostet ein Motorradunfall im Schnitt 20 000 Franken und ein Unfall mit dem PW 10 000 Franken. «Töfffahrer verunfallen schwerer», erklärt Sandra Degen, Statistikerin bei der Suva. «Im Vergleich zu Unfällen mit anderen Strassentransportmitteln ist der Anteil schwerer Motorradunfälle deutlich höher. Das sind Fälle mit mehr als 90 entschädigten Tagen, Todes- oder Rentenfälle». Das bedeutet, dass bei Motorradunfällen die Heilungskosten, Taggelder sowie Rentenleistungen pro Fall höher ausfallen, als bei den übrigen Verkehrsunfällen.

Knochenbrüche und Mehrfachverletzungen sind Kostentreiber

Besonders teuer sind Unfälle, die Frakturen und Mehrfachverletzungen nach sich ziehen. Motorradunfälle verursachen diese Art von Verletzungen häufiger als Unfälle mit anderen Strassentransportmitteln. Ein Verkehrsunfall ohne Frakturen kostet pro Fall rund 8000 Franken. Für einen Verkehrsunfall mit Frakturen zahlen die Versicherer mit rund 24 500 Franken dreimal so viel. Noch deutlicher ist der Unterschied bei Mehrfachverletzungen: Ein Verkehrsunfall ohne Mehrfachverletzung kostet pro Fall rund 5200 Franken. Ein Verkehrsunfall mit Mehrfachverletzungen kommt auf nahezu 19 600 Franken, im Vergleich also fast viermal so hoch.

Höhere Leistungen für Männer

Die neusten Auswertungen der Suva im Rahmen ihrer Serie «Unfälle in Zahlen» zeigen auch, dass Männer bei Verkehrsunfällen deutlich höhere Kosten pro Fall generieren als Frauen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Männer erleiden im Durchschnitt schwerere Verkehrsunfälle als Frauen. Zudem wird ihnen ein höheres Taggeld ausbezahlt, was darauf hinweist, dass die verunfallten Männer mehr verdienen als die verunfallten Frauen. Bei voller Arbeitsunfähigkeit beträgt das Taggeld gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) 80 Prozent des versicherten Lohnes. Vergleicht man die Verkehrsunfälle untereinander, so ist der Männeranteil bei den Motorradunfällen mit 86,8 Prozent am höchsten – ein weiteres Argument, wieso Motorradunfälle teuer sind.

Kürzungen bei Wagnis und Grobfahrlässigkeit

Personen, die mit dem Motorrad auf öffentlichen Strassen verunfallen, sind grundsätzlich gemäss UVG versichert. In rund 2 Prozent der Fälle kommt es wegen Wagnis oder Grobfahrlässigkeit zu Kürzungen der Taggeldleistungen. Die Heilungskosten sind in jedem Fall gedeckt. Unter Wagnis   fallen Motocrossrennen, Motorradrennen sowie freies Motoradfahren auf Rennstrecken. Gefährliche Überholmanöver, stark übersetzte Geschwindigkeit und Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gelten als grobfahrlässiges Verhalten oder als Vergehen, die die Unfallgefahr erheblich steigern. Wer mithilft, dass Unfälle gar nicht erst geschehen, senkt damit die Kosten und trägt zu tieferen Prämien bei. Vor allem aber verhindert dies menschliches Leid und sorgt für eine genussvolle Töffsaison.

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Ein Töffunfall kostet im Schnitt doppelt so viel, wie ein Unfall mit einem Personenwagen.

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 4200 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 127 000 Unternehmen bzw. 1,98 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Suva-Rat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.