Die Tourenplanung im Hosensack: so wird Schneesport nicht zum Wagnis

Viele Wintersportler wissen nicht, dass Schneesport abseits der Piste und bei grober Missachtung der Gebote, als ein relatives Wagnis gilt. Unterstützung zur Wissensvermittlung und Risikoreduktion bietet «White Risk», das Portal zur Lawinenprävention: Touren können neu auch mit der White-Risk-App geplant werden. Zudem zeigen Karten für das Gebiet der Schweizer Alpen an, wo eine Gefährdung durch typische, sogenannte «Skifahrerlawinen» besteht.

Über 300 000 Schweizerinnen und Schweizer sind jeden Winter abseits der gesicherten Pisten und Wege unterwegs. Einige von ihnen unterschätzen die Lawinengefahr. In den vergangenen zehn Jahren sind in der Schweiz über 2000 Personen von einer Lawine erfasst worden. «Der Mensch liebt es, sich in der unberührten Natur zu bewegen, das will niemand verbieten. Damit ein solches Erlebnis im Schnee ohne tragische Folgen bleibt, empfehlen sich eine gründliche Vorbereitung, eine Notfallausrüstung und ein angemessenes Verhalten im Gelände», betont Samuli Aegerter, Schneesportexperte der Suva und selbst begeisterter Tourengänger.

«White Risk» – gute Vorbereitung ist alles

Wer in eine Lawine gerät, hat diese in 90 Prozent der Fälle selber ausgelöst. Zur Wissensvermittlung und Planung einer Tour stellt die Suva – in Zusammenarbeit mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF – seit 2013 die Lawinenpräventions-Plattform «White Risk» zur Verfügung. Die White-Risk-App wurde für die Saison 2018/2019 vom SLF komplett überarbeitet: Touren können neu auch mit der App geplant werden, zudem zeigen Karten das Lawinengelände an: Die thematische Lawinengeländekarte (CAT) zeigt das potenzielle Lawinengelände hinsichtlich Lawinenanriss, Fernauslösung und Auslauf. Die Gefahrenhinweiskarte Lawinengelände (ATH) zeigt die allgemeine Gefährdung des Geländes aufgrund von Lawinen.

 

Im Tourenplanungsmodul «TOUR» von «White Risk» sind die Karten als Layer integriert und mit einer Standard-Lizenz verfügbar. Stephan Harvey, Projektleiter von «White Risk», zum Highlight der neuen App: «Mit diesen Neuerungen ist die digitale Tourenplanung auch mobile möglich. Die Karten helfen, das Lawinengelände zu interpretieren und unterstützen bei der Tourenplanung sowie der Routenwahl. Schlüsselstellen können zudem leichter erkannt und bewertet werden.»

Risiken vermeiden lohnt sich

Risiken lassen sich mit einer guten Planung vermindern. Kommt es trotzdem zu einem Unfall prüft die Versicherung die Umstände genau. Wer Vorsichtsgebote abseits der gesicherten Piste in grober Weise missachtet, muss mit gekürzten Geldleistungen (insbesondere beim Taggeld) rechnen. Die Praxis unterteilt gefährliche Sportarten in «relative» und «absolute Wagnisse».

 

Als relatives Wagnis gelten alle Schneesportaktivitäten abseits markierter Pisten sowie unter grober Missachtung der üblichen Gebote (ungenügende Ausrüstung, mangelnde Erfahrung oder bei schlechtem Wetter). Hier muss ein Verunfallter mit Kürzungen von Geldleistungen von 50 Prozent rechnen.

 

Absolute Wagnisse sind zum Beispiel Schneemotorrad-Rennen (Snow-Cross) inkl. Training oder Ski-Geschwindigkeits-Rekordfahrten (Speedskiing). Hier sind Leistungskürzungen von über 50 Prozent möglich. Wer solch gefährliche Sportarten betreibt, setzt sich bewusst besonders grossen Risiken und Gefahren aus, bei denen sich das Unfallrisiko nicht auf ein vernünftiges Mass reduzieren lässt. Deshalb gelten solche Sportarten als absolute Wagnisse.

 

Schneesport-Check für Freerider unter:
https://www.suva.ch/schneesportcheck  

 

Mehr Informationen zu «White Risk» unter:
https://www.whiterisk.ch/de  und https://www.slf.ch/neue-karten 

 

Mehr Informationen zum Thema Wagnis unter:
https://www.suva.ch/wagnisse    

  • Natascha Obermayr
    Natascha Obermayr
    Mediensprecherin Freizeitsicherheit
  • Direkt: +41 41 419 59 10
KG8B0712_UeliKestenholz_byMarcWeilerPhotography.tif. Wagnis, Schneesport, Ski, Snowbard, Skifahrer fährt gefährlicen Steilhang hinunter

Risiken vermeiden lohnt sich; Foto: Marc Weiler

Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 4200 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,2 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 129 000 Unternehmen bzw. 2,0 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Suva-Rat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.