Abseits der Piste lauert die Lawinengefahr

Durchschnittlich kommen 22 Personen pro Jahr durch Lawinen ums Leben. Gleichzeitig locken neue Skimodelle und Snowboards immer mehr Schneesportler in den Tiefschnee. Mit der richtigen Vorbereitung und dem notwendigen Respekt kann das Risiko in einer Lawine zu verunfallen, reduziert werden. Das Online-Tool «White Risk», entwickelt von der Suva und dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, unterstützt dabei.

Erste Frühlingsboten leuchten aus den Vorgärten, begleitet von frohem Vogelgezwitscher. Trotzdem lockt in den Bergen die weisse Pracht Schneesportlerinnen und -sportler zu Abfahrten und Touren abseits der bevölkerten Pisten ein. Und dies erst noch bei angenehmen Temperaturen. Doch der Schein trügt: Was nach fantastischen Rahmenbedingungen aussieht, kann sich schnell ins Gegenteil wenden. 22 Personen kommen gemäss der langjährigen Statistik des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF pro Jahr durch Lawinen ums Leben. Mit einer guten Vorbereitung kann dem Risiko, in eine Lawine zu geraten, entgegengewirkt werden: «Auf jeden Fall ist eine seriöse Vorbereitung einer Tour ausserhalb der markierten Piste zwingend», sagt Samuli Aegerter, Schneesportexperte der Suva. Denn wer in eine Lawine gerät, hat diese in 90 Prozent der Fälle selbst ausgelöst. Insgesamt sind in den letzten 10 Jahren in der Schweiz über 2000 Menschen von Lawinen erfasst worden. In der Regel sind es Schneesportler, die abseits gesicherter Pisten unterwegs waren.

Sich informieren und Eigenverantwortung wahrnehmen

 «Der Trend, dass Schneesportlerinnen und -sportler sich zunehmend neben der Piste zum Freeriden und Tourengehen bewegen, hält an - und somit auch das Risiko, durch eine Lawine verletzt zu werden», sagt Aegerter. Umso wichtiger ist eine seröse Vorbereitung. Das Online-Tool «White Risk» vermittelt umfassendes Wissen über Lawinenprävention und enthält ein Tourenplanungs-Tool. Die Plattform bietet in der kostenlosen Basisversion ein grafisch animiertes Nachschlagwerk zum richtigen Verhalten am Berg und zu Faktoren, welche die Lawinengefahr beeinflussen, wie Wind, Neuschneemenge, Temperatur, Hangneigung und Geländeform. Es gibt zudem detaillierte Informationen zu Gefahrenstufen, lawinenbildenden Faktoren, zu Entscheidungsprozessen in der Gruppe und zur Vorbereitung einer Tour.

Schon kleine Schneebretter sind gefährlich

«Das nötige Wissen, gute Vorbereitung und gesunder Menschenverstand sind ausserhalb der Piste zwingend notwendig», sagt auch SLF-Experte und «White Risk»-Initiator Stephan Harvey. «Wer einmal von einer Lawine erfasst wird, hat ungünstige Karten in der Hand. Innerhalb von 15 Minuten muss eine Rettung erfolgen, danach sinkt die Überlebenschance markant», sagt Harvey. Gerade Schneebrettlawinen werden nach wie vor unterschätzt. Gemäss Harvey braucht es keine Riesenlawine für ein Unglück, schon ein kleines Schneebrett von 50 Metern Breite, und 50 m Länge und 50 cm Anrissmächtigkeit hat ein Schneevolumen, das rund 10 Eisenbahn-Güterwagen füllt und ein Gewicht von rund 200 Tonnen auf die Waage bringt. «Dass die Zahl der Lawinenunfälle trotz anhaltendem Trend nicht nach oben schnellt, zeigt die Wichtigkeit der Prävention», sagt Harvey. «Es gibt jedoch keine hundertprozentige Sicherheit. Das Lawinenrisiko bleibt bestehen. Wir müssen lernen damit umzugehen», bekräftigt Harvey.

Mehr Informationen unter: www.whiterisk.ch   und www.slf.ch  

  • Natascha Obermayr
    Natascha Obermayr
    Mediensprecherin Freizeitsicherheit
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Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturen und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion rund 4200 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts mit 4,3 Mrd. Franken Prämienvolumen versichert sie rund 129 000 Unternehmen bzw. 2,0 Mio. Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes seit 2005 auch die Militärversicherung. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurück. Im Suva-Rat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.