Schlafmangel gefährdet Leben

Wer müde durchs Leben geht, verunfallt fast doppelt so häufig. Trotzdem schenken wir dem Schlaf meist nur wenig Beachtung. Was passiert in unserem Körper bei Schlafmangel? Was kann ich bei Schlafproblemen tun? Unsere Expertin Katrin Uehli gibt Auskunft.

Katrin Uehli, Präventionsexpertin Suva. Bild: Göran Lindholm, lindholmfoto.ch

Katrin Uehli*, was passiert, wenn wir zu wenig schlafen?

Wer weniger schläft, ist weniger leistungsfähig und damit weniger produktiv. Wir sind müde, konzentrieren uns schlecht und werden langsamer. Und das sind sogar noch die kleineren Übel. Zu wenig Schlaf hat nebst gesundheitlichen Folgen auch negative Auswirkungen auf das Unfallgeschehen. So erhöht Schlafmangel das Risiko für alle Berufs- und Freizeitunfälle. Wir können gar von einer Verdoppelung sprechen.


Wer ist besonders gefährdet?

Gefährdet sind alle, die schlecht schlafen. Wer zusätzlich pro Nacht weniger als sieben Stunden schläft, pro Woche mehr als 50 Stunden arbeitet oder älter als 30 Jahre ist, lebt besonders gefährlich.

Sind die Folgen von Schlafmanko nur körperlicher oder auch psychischer Natur?

Müdigkeit beeinträchtigt uns gesamthaft. Wir merken, dass wir gähnen, müde Augen bekommen oder ungeschickt sind. Das heisst, wir spüren es körperlich. Was wir oft nicht wahrnehmen oder wahrhaben wollen, ist, dass sich Müdigkeit auch mental auswirkt. Zum Beispiel ist unser logisches Denken eingeschränkt, wir haben ein geringeres Urteilsvermögen und sind risikofreudiger. Das alles ist ein gefährlicher Cocktail für Unfälle.

Wie kann ich Schlafproblemen vorbeugen?

Wer Schlafprobleme kennt, weiss, dass es nicht einfach ist, sie zu lösen. Trotzdem können etwa 80 Prozent der Schlafstörungen dank sogenannter «Schlafhygiene-Regeln» behoben werden. Förderlich für die Schlafqualität ist zum Beispiel, wenn wir am Abend nur noch etwas Leichtes essen. Ich empfehle Pasta oder gekochtes Gemüse, aber nicht rohes Gemüse oder fettige Wurstwaren. Auch ein dunkles, ruhiges und kühles Schlafzimmer hilft beim Ein- und Durchschlafen. Ein weiterer Tipp: Schalten Sie eine Stunde vor dem Schlafengehen Computer, Fernseher, Handy und Tablet aus.

Wie kann der Arbeitgeber den erholsamen Schlaf seiner Mitarbeitenden fördern?

Mal grundsätzlich sollten Arbeitgeber übermässige Überzeit verhindern, da diese Zeit gewöhnlich vom Schlaf abgeht. Ausserdem sollten Vorgesetzte von den Mitarbeitenden nicht unnötig erwarten, dass diese ständig erreichbar sind. Weiter gilt es Nachtarbeit zu vermeiden. Falls dies nicht möglich ist, schlage ich dem Arbeitgeber Folgendes vor: Halten Sie die Arbeitsgesetze ein, ziehen Sie bei Ihrer Planung die Mitarbeitenden ein und schulen Sie diese regelmässig. Die Suva bietet beispielsweise Präventionsmodule   an, die das Thema aktiv behandeln.


*Katrin Uehli ist Beraterin Präventionsangebote bei der Suva. Sie hat in ihrer Doktorarbeit den Zusammenhang zwischen Schlafproblemen und Berufsunfällen untersucht.

Schlaf-Mythen auf dem Prüfstand

Katrin Uehli, Präventionsexpertin der Suva, gibt Antworten zu gängigen Schlaf-Mythen. Quelle: SRF.