Asbestsanierer schaufelt asbesthaltiges Material in Tonne

Asbestsanierung ist Profiarbeit

Asbest galt lange als Alleskönner beim Bau von Gebäuden. Die Fasern können jedoch die Gesundheit stark schädigen. Deshalb muss bei der Asbestsanierung jedes Detail stimmen. Die Suva hat zwei Asbest-Profis auf die Baustelle begleitet.

Roman Urban und Martin Gibas steigen in weisse Schutzanzüge, die den ganzen Körper verhüllen. An ihren grossen Schutzmasken sind Schläuche befestigt, über welche die beiden jungen Männer Frischluft atmen können. Kein Flecken Haut ist unbedeckt, als die Arbeiter durch eine Schleuse in einen mit Plastikfolie abgetrennten Raum treten. Baustellenleiter Florian Medici überwacht von draussen pausenlos die Einrichtungen und Abläufe.

Asbestsanierung mit klarem Ablauf

Urban und Gibas befreien in einem Geschäftsgebäude Räume und Einrichtungen von Asbest. Eine Lüftung mit speziellem Filter sorgt für permanenten Unterdruck in der ehemaligen Toilettenanlage. So ist sichergestellt, dass keine Asbestfasern nach draussen gelangen. «Toiletten so zu erstellen wie diese hier, das war damals gang und gäbe», erklärt Christoph, Chef der Asbestsanierungsfirma.  

Der Ablauf einer Asbestsanierung ist klar vorgeschrieben: Ein Asbestsanierer «spitzt» zuerst Platten von den Wänden der Toilettenanlage ab, während sein Kollege mit versprühtem Wasser den entstandenen Staub bindet. Das besthaltige Material gelangt ans Tageslicht; es ist im Klebstoff enthalten, der die «Plättli» an der Wand haften liess. Diesen entfernen die beiden Arbeiter nun in einem zweiten Schritt. Den Abfall füllen sie in blaue Kunststofffässer mit der Aufschrift «Asbest» ab, die mit einem Bügel fest verschlossen werden. Im Raum saugt die Lüftung von der einen Seite her Frischluft an, während auf der anderen Seite die mittlerweile mit Fasern versetzte Luft durch einen Filter gereinigt nach draussen strömt. «Zehnmal pro Stunde wird die gesamte Luft des Innenraums so komplett ersetzt», so Christoph.


Zwei Asbestsanierer bei der Arbeit
Verhüllt und eingepackt: Roman Urban und Martin Gibas bei der Arbeit.

Gleichzeitig überwachen verschiedene Messgeräte die Installation. Wü̈rde beispielsweise der Unterdruck absacken, gäbe es einen Alarm. Asbestsanierer können so im Notfall sofort reagieren und die Arbeiten einstellen. Da Asbestsanierungen meist mehr als nur einen Tag dauern, läuft die Überwachung auch in der Nacht.


Verlassen müssen die Asbestsanierer den Raum einzeln durch eine mehrteilige Schleuse. Das bedeutet: Absaugen oder Abspülen der Asbestfasern auf den Schutzanzügen und –masken und danach Ausziehen und Deponieren der Stiefel, Anzüge und Unterwäsche. Danach folgt eine Dusche. Zudem reinigen die Arbeiter ihre Schutzmasken mit Wasser und legen sie ab. Erst dann dürfen sie ihre Strassenkleider anziehen und die Pause starten. Auch die verriegelten Fässer mit den «Plättli» und dem Asbeststaub durchlaufen die Schleuse. Die Arbeiter haben sie zuvor – natürlich mit ihrer Schutzausrüstung – grob gereinigt, abgeduscht, getrocknet, ehe sie für die Entsorgung bereitstehen.

So schützen Sie sich vor Asbest

  • Klären Sie vor der Arbeit an Gebäuden genau ab, ob darin asbesthaltige Materialien vorkommen.
  • Stoppen Sie die Arbeiten, falls Sie auf asbestverdächtiges Material stossen.   

Wer bei Umbau, Unterhalts- und Renovationsarbeiten freigesetzte Asbestfasern einatmet, setzt sich einem Risiko aus. Aber Sie sind nicht wehrlos, Sie können sich schützen.

Die Suva bietet branchenspezifische Informationen   zum Erkennen und richtigen Handeln bei Asbest.

Ein Asbestsanierer spitzt Platten von den Wände – ein anderer sprüht Wasser auf den Staub.
Mit System: Die Platten werden von den Wänden «gespitzt» während Wasser den asbesthaltigen Staub bindet.

Allgegenwärtige Asbestfaser

Die Gefahr, die von Asbest ausgeht, wurde lange Zeit unterschätzt. Tatsächlich wurde Asbest bis Ende der 1980er-Jahre im grossen Stil verbaut: Rund 500 000 Tonnen kamen in der Schweiz insgesamt zum Einsatz. Der Werkstoff wurde als Alleskönner gefeiert: Die Asbestfaser ist säurebeständig, isoliert gut, hält Hitze fern und kann gut mit Zement und Harzen verarbeitet werden. Seit 1990m ist das faserförmige Mineral in der Schweiz verboten.

Asbest erkennen, beurteilen und richtig handelnAsbestfasern unter Mikroskop, Vergösserung

Bild: Asbestfasern unter dem Mikrosokop.

Bei Gebäuden, die vor dem Jahr 1990 gebaut wurden, ist aber in den meisten Fällen irgendwo Asbest verbaut. Solange die Produkte nicht beschädigt sind, stellt das Material in der Regel keine Gefahr dar. Setzen aber Bohrmaschine, Meissel oder Säge Asbestfasern frei oder bricht das Material auseinander, herrscht Alarmstufe Rot.

Zu den häufigsten Einsatzbereichen gehörten

  • Klebstoff zwischen Platten und Wand
  • Wellplatten und Fassaden
  • Kanalrohren
  • Dichtungen, Brandschutzwänden und Bodenbelägen
  • Elektroschaltafeln
  • Als Wärmedämmung und Brandschutz in technischen Anlagen

Das virtuelle Asbesthaus    der Suva zeigt, wo das Material überall vorkommen kann.

Asbesterkrankungen zeigen sich spät

Der grosse Aufwand hat seinen Grund: Der menschliche Körper kann eingeatmete Asbestfasern nur teilweise abbauen oder ausscheiden. Die Fasern geraten bis tief in die Lunge und können dann in Richtung Brustfell wandern. Schon relativ geringe Asbestfeinstaubkonzentrationen in der Luft können das Risiko eines Tumors des Brust- oder Bauchfells oder von Lungenkrebs fördern. Die Folgen zeigen sich aber typischerweise erst spät: «Die Veränderung an den Zellen brauchen eine gewisse Zeit. Bei den Asbesterkrankungen rechnen wir im Durchschnitt mit 30 bis 40 Jahren zwischen Exposition und Ausbruch», so Dr. Claudia Pletscher, Chefärztin Arbeitsmedizin der Suva. Nach wie vor sterben jährlich über 100 Menschen in der Schweiz an den Folgen von Asbest.

Gesetzliche Vorgaben

Die Bauarbeitenverordnung  in der Schweiz schreibt vor, dass bei Bauarbeiten das Risiko für mögliche Gesundheitsschädigungen möglichst klein gehalten werden soll. Konkret erwähnt ist auch Asbest   .

Auch die Zulassung für Sanierungsfirmen ist strikt geregelt. Sie müssen Anforderungen und Tests bestehen, erst dann erteilt ihnen die Suva die Bewilligung für solche Arbeiten. Halten die Firmen die Vorgaben nicht ein oder verletzen sie Sicherheitsregeln, wird ihr die Bewilligung für eine bestimmte Zeit entzogen.

Sieben lebenswichtige Regeln für MetallbauerRückbauarbeiten mit asbesthaltigem Faserzementplatten

Viele Dächer sind mit asbesthaltigem Faserzement bedeckt. Die gewölbten Dachplatten müssen bei einer Dachsanierung ebenfalls fachgerecht entsorgt werden.