Aufbruchstimmung im Kanton Solothurn: «Die Zusammenarbeit lohnt sich»

Serkan Isik,

Anfang 2016 hat die Suva Solothurn als erste Agentur Zusammenarbeitsvereinbarungen für eine rasche Wiedereingliederung von arbeitsunfähigen Personen eingeführt. Der Kanton Aargau und das Tessin ziehen nach. Zeit für ein erstes Fazit.

Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass kranke oder verunfallte Arbeitnehmer so rasch wie möglich wieder arbeiten können. Gefordert sind Arbeitgeber, Ärzte, Sozialversicherer sowie das soziale Umfeld. Auf Initiative der Suva verpflichten sich die Akteure mit einer Vereinbarung, die rasche und gesicherte Wiedereingliederung von Erkrankten oder Verunfallten in den Arbeitsprozess zu fördern. In Solothurn, im Aargau und Tessin sind die Vereinbarungen unterschrieben und somit verbindlich. Kilian Bärtschi, Leiter der Agentur Solothurn, war treibende Kraft für eine Zusammenarbeitsvereinbarung.

Kilian Bärtschi Direktor

Kilian Bärtschi, Leiter Suva-Agentur Solothurn

Kilian Bärtschi, die Suva Solothurn hat vor rund einem Jahr die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren verbindlich geregelt. Können Sie erste Erfolge nennen?

Da unsere Vereinbarung auf der kulturellen Ebene ansetzt, sind Veränderungen nicht von heute auf morgen möglich. Dank der Vereinbarung haben wir es jedoch in den letzten 18 Monaten geschafft, dass man sich intensiver mit dem Thema Arbeitsunfähigkeit auseinandersetzt.

Wie erleben Sie das konkret?

Unsere Zusammenarbeitsvereinbarungen stossen bei allen Beteiligten auf grosse Akzeptanz. Seien es Ärzte, Arbeitgeber oder die IV-Stelle: Alle sind davon überzeugt, dass wir es in partnerschaftlicher Zusammenarbeit schaffen werden, Ausfalltage zu reduzieren und somit Kosten und Leid tief zu halten. Immer auch mit dem Ziel, den bestehenden Arbeitsplatz zu erhalten.

Mit einer Unterschrift ist die Arbeit aber noch nicht getan.

Nein. Damit es nicht nur bei einem Lippenbekenntnis bleibt, geht die Arbeit intensiv weiter. Seit der Einführung der Zusammenarbeitsverträge ist einiges gelaufen. Neben einigen gemeinsamen Auftritten mit Ärzten, Arbeitgebern oder der IV, sind wir auch daran Prozesse zu optimieren. Auch hat sich unser Kontakt mit der Ombudsstelle der Ärzteschaft intensiviert. Ziel ist es, dass unsere Initiative für eine rasche Wiedereingliederung langfristig gelebt wird.

Wie möchten Sie das erreichen?

Die Zusammenarbeitsvereinbarung und das Merkblatt sind an einem «Runden Tisch» entstanden. An diesen setzen wir uns weiterhin regelmässig hin, um Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit weiter zu entwickeln. Neu ergänzt ein Vertreter der Fachrichtung Psychiatrie die Arbeitsgruppe. Seine Optik und sein Erfahrungsschatz werden uns helfen, auch diese Thematik besser zu verstehen und Arbeitnehmende in psychischen Krisensituationen optimaler zu unterstützen.

In Solothurn waren Sie die ersten, andere Kantone folgten. Was ist Ihr Erfolgsrezept, um das Anliegen bekannt zu machen?

Es braucht Personen, die mit Leidenschaft und Überzeugung hinter dieser Sache stehen. Von Seiten der IV, Ärzteschaft und Arbeitgeber haben wir zum Glück einige Exponenten, die uns tatkräftig unterstützen. Das erhöht die Durchschlagkraft und stärkt die Glaubwürdigkeit des Anliegens. Mit gemeinsamen Auftritten und Referaten in der Region informierten wir Hausärzte, Physiotherapeuten und Gewerbevertreter. Auch national ist unsere Initiative auf Interesse gestossen. Wir durften diese an der «2. Nationalen Konferenz zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung» vorstellen.

Was bewirken die Auftritte?

Sensibilisierung und gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Rollen und Herausforderungen der Beteiligten. Auch die informellen Gespräche am Rande der Veranstaltungen sind sehr wichtig. Ich merke oft, dass man sich zu wenig intensiv mit dieser Thematik auseinander setzt. Man bedenkt dabei auch nicht, welche volkswirtschaftlichen und persönlichen Auswirkungen eine längere Arbeitsunfähigkeitsphase haben kann. Schlussendlich stärken die Auftritte die Akzeptanz unseres Vorgehens.

Die Zusammenarbeit im Kanton Solothurn

Wirtschaftsverbände, Ärzteschaften sowie die Sozialversicherer IV-Stelle Solothurn und Suva des Kantons Solothurn setzten im Februar 2016 ein gemeinsames Zeichen, damit arbeitsunfähige Menschen möglichst rasch an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Die Akteure haben an einem runden Tisch Grundsätze erarbeitet. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sie sich, diese bei der Zusammenarbeit einzuhalten und somit die rasche und gesicherte Wiedereingliederung von Erkrankten oder Verunfallten in den Arbeitsprozess zu fördern.

Im Merkblatt unten sind die Grundsätze festgehalten.