Trotz tödlicher Gefahr wird allzu oft unter Spannung gearbeitet

Die lebenswichtigen Regeln werden bei der Arbeit an Elektroanlagen noch zu wenig konsequent angewendet. Das schliesst das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI aus der Auswertung der Elektrounfälle 2016. Die Gründe: Zeitdruck, aber auch mangelnde Organisation.

Hauptsächliche Unfallursache: Lebenswichtige Regeln verletzt

Die Gefahren der Elektrizität werden allerdings nach wie vor und allzu oft unterschätzt. So verursachen zum einen fehlerhafte Geräte und Installationen, blanke Drähte und nicht isolierte Kabel immer wieder schwere Unfälle. Zum anderen bestehen die Unfallursachen noch immer hauptsächlich darin, dass Elektrofachleute bei ihrer Arbeit die lebenswichtigen Regeln nicht konsequent anwenden. In fast der Hälfte der Fälle (46 Prozent) hätte ein spannungsfreies Arbeiten gemäss den klassischen (+5) Sicherheitsregeln den Unfall verhindert. Auffallend oft wurde vor der Arbeit einfach nicht geprüft, ob die elektrische Anlage noch unter Spannung stand.

STOPP sagen verhindert Unfälle

Angesichts dieser Erkenntnisse ist die Präventionsarbeit unvermindert notwendig, wie Armin Zimmermann, Projektleiter «Sichere Elektrizität» der Suva, erklärt. Im Zentrum dieses Schwerpunktthemas stehen die «5 + 5 lebenswichtigen Regeln im Umgang mit Elektrizität ». Werden diese verletzt, besteht akute Lebensgefahr, betont Zimmermann. Denn: «Das Risiko, bei einem Elektrounfall das Leben zu verlieren, ist 50-mal höher als bei anderen Unfällen», so der Projektleiter. Umso mehr gilt auch hier: Vorgesetzte und Mitarbeiter müssen in so einem Fall STOPP sagen und dürfen nicht weiterarbeiten. 

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Regelverletzungen, die 2016 zu Unfällen führten (Quelle: ESTI).

Wie schütze ich mich vor Stromunfällen?

Das Wichtigste für Laien:

  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Elektroinstallationen über einen Fehlerstromschutzschalter verfügen (FI oder RCD).
  • Verwenden Sie keine defekten Geräte.
  • Führen Sie Arbeiten an elektrischen Geräten, Anlagen und Installationen nicht selber aus. Überlassen Sie das Fachleuten.

Für Elektrofachleute:

Typische Unfallopfer sind Lernende oder Ungelernte

Als Grund für das Missachten der Regeln wird laut ESTI-Bericht immer wieder der Zeitdruck am Arbeitsplatz genannt. Doch allzu oft führt auch eine ungenügende Organisation zu Unfällen. So sind vielerorts keine Verantwortlichen für die Sicherheit bekannt oder bestimmt. Deswegen wird ohne Sicherungsmassnahmen unter Spannung gearbeitet. Dazu passt, dass die meisten Verunfallten ungelernt oder noch in der Ausbildung sind. Hier sind die Vorgesetzten gefordert, ihre Führungsverantwortung wahrzunehmen, folgert das ESTI. Generell gelte es weiterhin, alle Regeln im hektischen Arbeitsalltag konsequent umzusetzen.