Der Verzicht auf Detektive hat Folgen

Regula Müller,

Die Suva hat im Jahr 2017 keine Detektive mehr eingesetzt, um Versicherungsbetrügern auf die Spur zu kommen. Das hat finanzielle Konsequenzen zur Folge. Daher ist es wichtig, dass die Detektiveinsätze vom Parlament legalisiert werden.

Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat 2016 festgehalten, dass in der Schweiz eine rechtliche Grundlage für den Einsatz von Detektiven zum Aufdecken von Versicherungsbetrug fehlt. Die Suva verzichtete daraufhin auf den weiteren Einsatz dieses «Ultima Ratio»-Instruments. Jetzt zeigt sich: das hat finanzielle Konsequenzen. Obwohl es letztes Jahr mehr Verdachtsfälle gab, konnten «nur» 12,5 Millionen Franken an Leistungsbezügen verhindert werden. Das ist ein Rückgang von 30% im Vergleich zum Vorjahr.

Fehlendes Beweismaterial

Roger Bolt, Teamleiter Missbrauchsbekämpfung der Suva, erklärt diesen Umstand so: «Die 5,5 Millionen Franken entsprechen dem Betrag, den wir in Vorjahren durch Observationen eingespart haben.» So fehlten den Spezialisten Missbrauch in einigen Fällen Beweismaterial, um die mutmasslichen Versicherungsbetrüger zu überführen resp. die Fakten definitiv zu klären. «In all den Fällen, in denen wir 2016 einen Detektiv eingesetzt hatten, hat sich unser Verdacht bestätigt», so Bolt. Darum ist es aus seiner Sicht wichtig, dass das Parlament möglichst schnell die Detektiveinsätze legalisiert. Und zwar mit einem fairen und transparenten Gesetzesartikel.   Dieser wird im Parlament erarbeitet.

 

Aktuelle Zahlen

2017 hat die Suva von den 220 000 Fällen, bei denen sie Taggeld ausbezahlt hat, 1271 Verdachtsfälle untersucht (+322). 918 dieser Fälle konnte sie bis Ende 2017 abschliessen. Insgesamt hat die Suva in 251 Fällen nach bestätigtem Anfangsverdacht Leistungszahlungen eingestellt oder bereits erfolgte Zahlungen zurückgefordert. So verhinderte die Suva ungerechtfertigte Leistungsbezüge von rund 12,5 Millionen Franken. Das sind 5,5 Millionen weniger als im Vorjahr.

Roger Bolt, weshalb ist es wichtig, dass das Observationsgesetz möglichst schnell in Kraft tritt?

Roger Bolt hofft, dass der Nationalrat die schlanke Lösung des Ständerats bestätigt. «Wir werden nicht Heerscharen von Detektiven auf mutmassliche Betrüger loszulassen. Erst wenn wir mit unseren Mitteln nicht mehr weiterkommen, greifen wir auf solche Massnahmen als letzte Möglichkeit zurück. Und das sind pro Jahr 10 – 15 Fälle».

Was ist Versicherungsmissbrauch?

Versicherungsmissbrauch liegt dann vor, wenn Personen bewusst falsche Angaben machen oder Informationen unterschlagen, etwas vortäuschen und damit mehr Leistungen beziehen, als ihnen zustehen. Missbrauchsattribute gibt es zahlreiche und sie sind vielfältig. Hier einige Beispiele:

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